Pflanzliche Sedativa - faszinierend und erfolgreich

Knapp vierzig Teilnehmer konnten sich am 22. Januar in Wädenswil von den pflanzlichen Sedativa begeistern lassen: Der Kurs wurde nach einem wissenschaftlichen Auftakt vor allem von Praktikern der SMGP bestritten. Valerio Rosinus aus der Hausarztpraxis und Peter Mai aus der psychiatrischen Praxis beleuchteten das Johanniskraut aus einer in Unterrichtsveranstaltung speziellen Perspektive, nämlich jener ihrer Patienten. Sie berichteten von erstaunlichen und erfreulichen Erfolgen in ihrem therapeutischen Setting, das auch den Aspekt und die Eigenschaften der Pflanze mit einbezieht. Julia Horschel dokumentierte die Anwendung von Lavendelwickeln bei geriatrischen Patienen mit Unruhe, Angst und Einschlafstörungen. Sie profitierten von der Anwendung , indem sie schneller zur Ruhe kamen. Ausgewertet wurde mit einem validierten Fragebogen. Axel Brattstroem präsentierte die Fortschritten in der pharmakologischen Forschung im Bereich von Baldrian und Hopfen. Er konnte anhand verschiedener Modelle zeigen, dass die Wirkstoffe rasch im Zielorgan, dem Hirn ankommen und mit Bindungsexperimenten am Adenosin- und am Melatonin-Rezeptor belegen, dass die Wirksamkeit dieser Pflanzen heute durchaus pharmakologisch begründet werden kann. Ferner, dass das Vielstoffgemisch Extrakt das Wirkprinzip darstellt, auch wenn immer mehr Daten vorliegen, dass die Valerensäure und Lignane am Geschehen beteiligt sind. Beat Meier gab eine Übersicht über die wichtigsten pflanzlichen Sedativa und deren Anwendung. Miteinander untersuchten die Teilnehmenden den "beruhigenden Tee" der Schweizer Pharmakopöe: Innert kürzester Zeit machte sich der Geruch des Baldrians im gefüllten Vortragsraum breit.
Zu faszinieren wusste auch Maja Stalder-Schatz, die von ihrer breiten, persönlichen Erfahrung im Umgang mit dementen Patienten berichtete, den Einsatz von Zubereitungen aus Ginkgo biloba wertete und feststellte, dass die anhaltende Skepsis gegenüber daraus jergestellten Phytotherapeutica auch an Schweizer Kliniken aufzubrechen beginnt. Daneben beschrieb sie Pflanzen, die Substanzen zur Förderung der zerebralen Durchblutung enthalten und berichtete, wie von Vinca minor die heute kaum mehr verwendeten Vincamine und vom Schneeglöckchen (Galanthus woronowii ) der heute sehr bedeutende Cholinesterasehemmer Galanthamin als Reinstoffe isoliert und in die Therapie eingeführt wurden. Die Referentin betonte, dass diese Art der Therapie nicht zur Phytotherapie gehört und die Pflanzen als solche derzeit ohne Anwendungspraxis sind. Peter Frey gab eine umfassende Übersicht zum Thema Cannabis und wies darauf hin, dass es mittlerweile im Ausland einige erfolgversprechende Zubereitungen zur Behandlung spastischer Zustände gibt, dass diese aber nach wie vor unter dem Bann der Betäubungsmittelgesetzgebung stehen und vom Hausarzt kaum eingesetzt werden können. Der administrative Aufwand eine Bewilligung zu erhalten ist immens. Dies obwohl es keine Hinweise gibt, dass in therapeutischen Dosen Abhängigkeitspotentiale entstehen. Demgegenüber beschrieb er auch die unerfreulichen Folgen des Cannabiskonsums bei Jugendlichen, die nach einem Joint nicht die Konzentrationsfähigkeit für einen Schultag aufbringen können. Jürgen Drewe schliesslich gab eine umfassende Übersicht über die aktuellen Kenntnisse zu den Interaktionen generell und jenen mit pflanzlichen Arzneimitteln, aber auch mit Lebensmitteln. Eine am Vortag erstellte Analyse der vorliegenden Literatur zeigte, dass die Zahl der dokumentierten Fälle mit pflanzlichen Arzneimitteln deutlich unter jener der Lebensmittel liegt. Beide sind weit weg von jener der Arzneimittel unter sich. Dennoch braucht der Phytotherapeut darüber die grundlegenden Kenntnisse und diese wurden im Kurs präsentiert. Es war ein höchst erfolgreicher Start für die SMGP ins neue Ausbildungsjahr - das attraktive Programm für Kurs 8 lässt eine spannende Fortsetzung erwarten. Anmeldung für Kurs 8 hier.

Das SMGP-Programm findet mittlerweile auch vermehrt Resonanz bei Veterinärmedizinern. Über den entsprechenden Block wird auf der SMGP-vet-Seite berichtet.

Peter Mai: Der Psychiater findet es grossartig, dass in der Schweiz mit pflanzlichen Arzneimittlen gearbeitet werden kann. Weder in England noch in Deutschland konnte er zuvor seine Kenntnisse diesbezüglich einsetzen.

Peter Mais Indikationenliste (im Hintergrund) zu Johanniskraut
Julia Horschel und der Lavendel ... mit überzeugenden Daten bei der Anwendung von Lanvendelwickel

Drogen und Teemischungen werden in den Kursen berührt ...

... gerochen ...
...geschmeckt und gekostet
Gespannte Aufmerksamkeit trotz Baldriangeruch vom beruhigenden Tee der Schweizer Pharmakopöe

Jürgen Drewe: Die komplexe Materie der Interaktionen einleuchtend erklärt Peter Frei und Valerio Rosinus: Zwei bewährte SMGP-Praktiker berichteten von ihren Erfahrungen und zeigen, dass auch sie nicht ausgelernt haben