Phytotherapie: Einstieg in Engelberg

18 angehende Phytotherapeutinnen und Phytotherapeuten verbrachten in diesem Jahr die beiden für die Organisatoren nun schon traditionellen Tage in Engelberg, um sich in die Welt der Pflanzen einzuleben. Sie kamen aus allen Richtungen ins Hochtal, um im Grundkurs viel Neues zu lernen. Einige von Ihnen, recht weit aus Deutschland her kommend, waren von dem im Vorjahr in GEO-Wissen erschienen Bericht angelockt worden. Eine für die SMGP besonders völlig neue Art der Motivation.
Die Anwendung von pflanzlichen Arzneimitteln und von Arzneipflanzen stand am ersten Tag im Mittelpunkt des Angebots. Auf der Exkursion konnten rund zwanzig Arzneipflanzen an ihrem Standort näher betrachtet, fotographiert und die Einsatzmöglichkeiten diskutiert werden. Die Kursleiter, Rita Marusic und Prof Dr Beat Meier versuchten das Fuder nicht mit Informationen zu überladen und konzentrierten sich auf die in der Liste aufgeführten Pflanzen. Weide und Pestwurz wurden auch aus der Sicht der neusten Forschung besprochen. Die Landschaft hatte gegenüber dem Vorjahr einige Veränderungen erfahren - so bot der letzte Standort ein Bild der Zerstörung, war doch im Winter im kleinen Eldorado der Weiden eine riesiege Lawine niedergegangen und hatte vieles zusammengestaucht - so auch die Weidenpopulation. Dafür konnten Krokusse beobachtet werden, die infolge der langdauernden Schneeschmelze in dieser Zone erst mit viel Verspätung aus der Erde spriessen konnten.
Der zweite Tag war der Herstellung gewidmet: Der Bogen wurde gespannt über die Ernte grosser Mengen von Teufelskrallen (Anbau in Namibia), Sonnenhut und Johanniskraut in entsprechend grossen Anlagen (Referat von Herr Steiner, Bioforce AG) bis hin zu Verarbeitung von Kleinstmengen in der Rezeptur. Beat Meier berichtete darüber, wie moderne pflanzliche Arzneimittel entwickelt werden. Er blickte dabei zurück auf seine frühere, langjährige Tätigkeit als Forschungsleiter der Max Zeller Söhne AG.
Wie gewohnt durften die Teilnehmenden danach selbst einen Frischpflanzenauszug und ein Kamillengel herstellen: Die Firma Herbamed verlegte einen kleinen Teils ihres Labors extra für diesen Tag von Teufen nach Engelberg. Erneut bewährte sich der Wechsel zwischen theoretischer und praktischer Arbeit.
Am dritten Tag bestand der praktische Teil in Gruppenarbeiten, während denen angeregt diskutiert wurde. Jeder Teilnehmende hatte die Aufgabe für sich den Weg zu finden, den sie oder er in den nächsten Tagen beschreiten möchte. Kursleiter Beat Meier empfahl, in kleinen Schritten voran zu gehen und aus der Breite der Anwendungsmöglichkeiten vorerst nur einzelne auszuwählen, um sich das Gebiet sukzessive zu erschliessen. Allzu schnell gingen die Erlebnistage in Engelberg vorbei, doch alle wussten, dass sie schon schon bald wieder sehen werden - an einer der nächsten Veranstaltungen der SMGP. Im übrigen lassen wir die Bilder sprechen und ermuntern jeden Lesenden dieser Zeilen, nächstes Jahr mit dabei zu sein. Reserviert wurden im
Hotel Edelweiss, wo Herr und Frau Kuhn sowie ihr Personal die SMGP einmal mehr perfekt betreuten, die Tage vom 2.-4. Juni 2010. Elke Strauch, Brunnen und Bruno Köhler, Mettmenstetten darf die SMGP seit diesem Kurs als neue Mitglieder begrüssen. Der Mitgliederbestand ist damit auf 654 angewachsen.

Schöllkraut Austretender Milchsaft - Schöllkraut ist ein Mohngewächs

Brennessel: Ungenutztes Potential Bachnelkenwurz: Eine von vielen Gerbstoffdrogen

Rita Marusic erklärt... ....notiert wird fleissig

Auf Arzneipflanzensuche in der reichhaltigen Wiese

Acker-Schachtelhalm
Pestwurzblatt 1 Pestwurzblatt 2 (Petasites hybridus)



Viel Interesse für Pestwurz und Schachtelhalm



Rita Marusic: Wie erkenne ich den Ackerschachtelhalm?


Jungwuchs im Überschwemmungsgebiet: Weidenstudie Salix daphnoides (aufwachsend), Salix caprea (querlaufende Zweige)

Fruchtstände von Salix caprea: Die kleinen Samen mit ihrem wolligen Flugapparat machen sich bereit auf eine ungewisse Reise

Salix daphnoides = Reifweide: Die graue Wachsschicht auf der Rinde gibt der Art ihren Namen
Salix daphnoides zählt zu den salicinreichen Arten Auf der Exkursion gesammelte Pflanzen zum Repetieren

Die Ausrüstung zur Herstellung des Kamillengels Letzte Stufe bei der Herstellung einer Tinktur: Filtration. Links im Bild das Herstellprotokoll.


Identitätsprüfung mit Dünnschichtchromatographie: Die Platte wird besprüht, damit die getrennten Substanzen sichtbar werden