Klostermedizin vom Mittelalter bis heute: Farbenprächtige Kräuterbeete oder durchdachte Heilkunst?

Unter diesem Titel organisiert SMGP-Mitglied Barbara Brauckmann zusammen mit Gerd Folkers ein Collegium. Der Begriff „Klostermedizin" bezeichnet in der Medizingeschichte eher eine Epoche des frühen und hohen Mittelalters als eine spezielle Therapiemethode.

In den Bibliotheken und Skriptorien der Klöster wurde ein umfangreicher Wissensbestand über Land- und Waldwirtschaft gesammelt. Die monastische Autarkie mit Hilfe eines Gartens war bereits in der im 6. Jahrhundert verfassten Regel des Benediktinerordens vorgegeben: „Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können." Wie für die Antoniter oder den Lazarus-Orden zählte insbesondere für die Benediktiner die Krankenpflege zu ihren wichtigsten Aufgaben: „Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen, damit man ihnen wirklich wie Christus diene."(Benedikt von Nursia).

Die Kenntnisse der Klostermedizin wurden schon früh niedergeschrieben. Das älteste erhaltene Werk im deutschsprachigen Raum, das ‚Lorscher Arzneibuch’, stammt aus dem letzten Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts, der Zeit Karls des Grossen. In dem lateinischen Gedicht "Von der Pflege der Gärten" von Walahfried von Strabo, dem Abt des Klosters von Reichenau, werden 23 Arznei- und Nutzpflanzen, ihre Pflege, Schönheit und Kräfte dargestellt. Bedeutend ist der St. Galler Klosterplan aus dem frühen 9. Jahrhundert, in dem nicht nur Arznei- (herbularius) und Gemüsegarten (hortus) vorgesehen sind, sondern auch ein Baum- und Obstgarten, welcher als Sinnbild der Auferstehung gleichzeitig als Friedhof des Klosters dienen sollte. Berühmte Abhandlungen zu Heilkräutern und deren Wirksamkeit finden sich beispielsweise in den Werken „causae et curae" (Ursachen und Behandlungen) und „physica" (über die verschiedenen Naturen der Geschöpfe) der Benediktinerin Hildegard von Bingen.

Der Einfluss dieser Epoche reicht bis in die heutige Zeit. So wurde 1970 von dem Arzt Dr. med. Gottfried Hertzka die „Hildegard-Medizin" eingeführt, der sich auf Schriften der Äbtissin beruft. Und selbst die pharmazeutische Industrie hat ihre Wurzeln in der Offizin der Monasterien.

Drei Experten beleuchten die Klostermedizin aus heutiger Sicht.

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