Fulminanter Auftakt: Viel Interesse für Phytotherapie in der Pädiatrie

Der Auftakt in das neue Weiter- und Fortbildungsjahr der SMGP war fulminant: 50 Teilnehmende verzeichnete der Kurs "Phytotherapie in der Pädiatrie" - es musste die letzte Platzreserve beansprucht werden. Das Programm war wie gewohnt vielfältig und vermittelte zahlreiche Anregungen. Viel Zeit musste aufgewendet werden um Gegensteuer zu geben zu den aktuellen Trends, die ohne klinische Unterlagen auch pflanzliche Arzneimittel nicht mehr für Kinder zulassen wollen, selbst wenn sie traditionell seit Jahrzehnten auch bei Kindern eingesetzt werden. Reinhard Saller belegte anhand des Fencheltees, wie Extrapolationen aus toxikologischen Untersuchen mit Reinstoffen der Situation mit dem Vielstoffgemisch nicht gerecht werden.
Die Liste pflanzlicher Arzneimittel mit Kinderdosierungen ist in der Schweiz derzeit noch recht gross. Die Dosierungsberechnungen wurden in der Literatur vielfach abgehandelt. Beat Meier und Tankred Wegener zeigten, dass mit einfachen Faustregeln gearbeitet werden kann und dass dank der grossen therapeutischen Breite der meisten pflanzlichen Arzneimittel kaum Risiken bestehen. Empfohlen wurde eine Dosisanpassung während der Therapie, wenn die errechnete Kinderdosis nicht den gewünschten Effekt zeigt. Ein Diskussionspunkt war auch der Alkohol - der für viele pflanzliche Arzneimittel nach wie vor das optimale Lösungsmittel darstellt und fester Bestandteil der Tinkturen ist. Es gibt keine Hinweise, dass Alkohol in Arzneimitteln eingenommen von Kindern zu Problemen führt, da auch in Früchten und Säften vergleichbare Mengen Alkohol vorkommen, wenn vernünftig dosiert wird.
Derweil Ursula von Mandach ihr Referat der Pflege von Mutter und Säugling widmete (siehe Handout) und dabei vor allem auf topische Anwendungen (im Vordergrund steht die Ringelblume) einging, gab Andreas Schapowal eine eindrückliche Übersicht über den aktuellen Erkenntnisstand von Allergien mit Focus auf Kinder und heranwachsende Jugendliche. Erfreulicherweise hat sich in den letzten Jahren die Prävalenz der Allergien in den europäischen Industriestaaten nicht mehr ausgedehnt, es fand eine Nivellierung auf allerdings relativ hohem Niveau statt. Schapowal hält es für notwendig, jede Allergie diagnostisch sorgfältig abzuklären und berichtete aus eigener ärztlicher Erfahrung und von Studien an denen er beteiligt war. Er gab Empfehlungen zur Behandlung von allergischer Rhinitis (Pestwurz-Spezialextrakt Ze339), von Sinusitis (sekretionsfürderndes Kombinationspräparat), Pelargonium sidoides (Umckaloabo, EPs7630) zur Behandlung von Bronchitis sowie für Halsschmerzen die Kombination Salbei/Echinacea (neu auf dem Schweizer Markt), die in Form eines Sprays angewendet wird. Er bedauerte, dass nach wie vor keine pflanzlichen Arzneimittel in den internationalen Therapie-Guide-Lines vorkommen. Für die Bronchitis-Behandlung mit EPs7630 gibt es Anwendungsstudien mit Kindern, ebenso für einige pflanzliche Sedativa, darunter einem in der Schweiz verfügbaren Monopräparat mit Baldrianextrakt (LI156). Es gibt keinerlei Hinweise, dass irgend welche Risiken entstehen. Dies obwohl vor allem in den Monographien, die derzeit auf europäischer Ebene erarbeitet werden, die Anwendung von Baldrian für Kinder nicht empfohlen wird. Darüber berichtete Tankred Wegener. Die Phytotherapeuten sind aufgefordert, diesbezüglich ihre Patienten aufzuklären und ihnen unnötige Angst zu nehmen. Die vielfältigen Möglichkeiten der Phytotherapie im Magen-/Darmbereich auch bei Kindern erläuterte Thomas Berger. 3-Monats-Koliken, Bauschmerzen und Durchfälle bildeten die Schwerpunkte. Kümmel kann bei den Kolliken vielfältig eingesetzt werden: Als Tee, als Suppositorium oder in einer Salbengrundlage zur Bauchmassage. Bei Durchfällen bewährt sich Tormentilltinktur. Mit einem Podium, bei dem weitere Anwendungsbeispiele aus verschiedener Sicht (siehe Dokumente im Anhang) beleuchtet wurden, ging der erfolgreiche Tag zu Ende. Fortsetzung folgt: Am 6. Mai Kurs 2 zum Thema Magen und Darm, vom 4.-6. Juni Kurs 1 in Engelberg (siehe auch vorhergehende Nachricht).

Folgende Dokumente lagen am Kurs noch nicht oder in ungenügender Qualität vor und werden hier im Einverständnis mit den Autoren zum eigenen Gebrauch zur Verfügung gestellt:
Handouts von Mandach, 21.1.2010.pdf
PodiumHelenaGerritsma.ppt.pdf
PodiumElkeStrauch.pdf
Microsoft PowerPoint - PodiumBeatrixFalch.ppt.pdf
Microsoft PowerPoint - Allergien.ppt.pdf

Viele Interesse an der Pädiatrie...

...mit gespannter Erwartung.

Ursula von Mandach referiert über die Pflege von Mutter und Säugling

Anderas Schapowal - begeisterter Arzt mit fundiertem Wissen und Erfahrungen als Allergologe.

Reinhard Saller - Fencheltee für Kleinkinder weiterhin empfohlen

Thomas Berger vor dem Referat zu Phytotherapie bei Problemen mit Magen und Darm beim Kind


Das abschliessende Podium war der praktischen Anwendung von Phytotherapie gewidmet:
Beatrix Falch: Angeregte Diskussion um das AD(H)S-Syndrom

Erfahrung mit Phytotherapie: von hinten nach vorn Thomas Berger, Helena Gerritsma-Schirlo, Elke Strauch.

Elke Strauch: Schleimhäute feucht halten