Vierte Phytotherapie-Tagung in der Romandie - Rückblick
La phytothérapie intégrée à la médecine allopathique classique: une évidence ou un challenge?
Das gewählte Thema bot Gewähr für eine spannende Tagung, die von der SSPM unter der stets kundigen Leitung von Christian Terreaux am 18. März 2010 im Hotel Mövenpick in Lausanne-Ouchy durchgeführt wurde.
Den Auftakt der Referate machte der Doyen der Westschweizer Phytotherapie, Prof. Kurt Hostettmann, eremitierter Professor der Universitäten Lausanne und Genève, der wie immer auf spannende Weise mit vielen witzigen Zwischenbemerkungen referierte, zeigte, welch grossen Einfluss pflanzliche Vorbilder auf die moderne Medizin ausüben. Verschiedene Wirkstoffe, wie zum Beispiel Galantamin oder Loperamid, haben ihren Ursprung in pflanzlichen Wirkstoffen.
Dr. med. Théodore Hovaguimian, Psychiater und Psychotherapeut in Genf, zeigte in seinem Referat die verschiedenen Ideologien und Behandlungsansätze in Bezug auf psychische Erkrankungen und erklärte, wie diese sich im Verlauf der Zeit grundlegend verändert hatten. Hovaguimian ordnete die Phytotherapie im Mittelfeld der verschiedenen Behandlungsstrategien ein, zwischen ganz „weichen“, geistigen Behandlungsmethoden und den „harten“, die starke Psychopharmaka einsetzen.
Prof. Dr. med. Reto Kressig, Chefarzt Geriatrie, Universitätsspital Basel, betonte in seinem Ausführungen, dass nicht das Alter den Zustand von Senioren bestimme, sondern die Fragilität der betreffenden Individuen. Der Referent stellte verschiedene Aspekte der altersbedingten Veränderungen körperlicher und geistiger Gegebenheiten vor und betonte, dass die betroffenen Personen durch entsprechende Massnahmen und einen konsequenten Lebensstil auch im hohen Alter noch fit bleiben können. Seine Schlussfolgerung: Die Gesundheit im Alter wird nicht durch das Lebensalter bestimmt, sondern durch den körperlichen und geistigen Zustand.
Dr. med. Pierre-Olivier Tauxe, Internist in Lausanne, hob in seinem Referat hervor, dass das Riechen und Betasten von der modernen Medizin vernachlässigt würden und erklärte die Bedeutung dieser beiden Sinne für unser Befinden. Weiter erwähnte er verschiedene Pflanzen, die er in seiner ärztlichen Praxis in Form von Aromatherapie gegen verschiedene Beschwerden einsetzt.
Über Phytotherapie und neurologische Erkrankungen referierte Prof. Dr. med. Paul-André Despland, der nach einigen Aussagen durch Prof. Hostettmann zur Phytotherapie gelangt ist. Despland stellte verschiedene Erkrankungen mit neurologischen Ursachen vor, unter anderem Schlafstörungen, Migräne, Fibromyalgie oder Multiple Sklerose, bei denen entsprechende pflanzlichen Arzneimitteln gute Behandlungsansätze liefern oder als Zusatzbehandlung wertvolle Hilfe leisten können.
Prof. Dr. med. Maurizio Grandi, Professor für Onkologie und Immunologie in Turin, machte einen kulturhistorischen Exkurs durch die Geschichte der Düfte. Er betonte, dass sich in der Menschheitsgeschichte in dieser Beziehung nichts verändert hat. Der Mensch verwendet seit immer Düfte, die neben ihrer gesellschaftlichen und magisch-religiösen Bedeutung auch immer eine medizinische Verwendung hatten. Gewisse Parfums, die seit Jahrtausenden verwendet werden, haben zum Beispiel eine antibakterielle Wirkung. Weiter erklärte Grandi, dass Zellen Biophotonen für die interne und externe Kommunikation verwenden.
Das letzte Referat der Tagung hielt Dr. med. Georges van Snick, Allgemeinarzt in Brüssel, der über Phytotherapie in der Krebsbehandlung sprach. Gleich zu Beginn betonte er, dass man Tumoren auf keine Weise ausschliesslich mit pflanzlichen Präparaten heilen oder behandeln könne. Er zeigte aber viele Beispiele auf, bei denen er eine Krebsbehandlung mit pflanzlichen Arzneimitteln positiv begleiten konnte. Zum Beispiel zur besseren Verträglichkeit von Zytostatika, wo unter anderem Sylibium marianum die Leber auf die Behandlung vorbereiten kann oder Malve, Kamille und andere den Darm. Van Snick gibt oft vor und nach, jedoch nicht während der Chemotherapie pflanzlicheTonika und Adaptogene. Mit weiteren Arzneipflanzen lassen sich Erbrechen, Appetitlosigkeit und Schmerzen behandeln. Dazu gehören verschiedene Arzneipflanzen wie Ingwer, Enzian, Harpagophytum und andere.
Nach den Referaten gab es jeweils Gelegenheit für Fragen Während der Pausen bildeten sich Gruppen, in denen angeregt über die Referate und berufspolitische Themen diskutiert wurde. Rege besucht wurden auch die Stände der zahlreich vertretenen pharmazeutischen Firmen, die ihre pflanzlichen Präparate vorstellten.