Vielseitiger Kurs 2, der durch den Magen ging

Für einmal bei schlechtem Wetter (aber trotzdem mit toller Aussicht) fanden sich fast 40 Teilnehmer und Referenten am Donnerstag, dem 6. Mai in Wädenswil zum Kurs "Phytotherapie bei Erkrankungen des Magen-/Darmtraktes" ein. Prof. Reinhard Saller, Institut für Naturheilkunde , präsentierte in seiner gewohnt kompakten und mitreissenden Art ein Feuerwerk an Arzneipflanzen, die differenziert gemäss ihrer Wirkungsweise bei gastrointestinalen Beschwerden eingesetzt werden können. Er berichtete vom Wechselspiel zwischen "Motility mode" und "Absorptive mode" und wie dieses bei einseitiger Ausprägung mit verschiedenen pflanzlichen Zubereitungen beieinflusst werden kann. Die Bitterstoffdrogen mit Schwerpunkt Enzianwurzel wurden von Prof. Beat Meier, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Wädenswil, besprochen. Dabei hatten die Teilnehmer die Gelegenheit 100 ml eines Tees aus der pulverisierten Enzianwurzel zu testen und die Effekte vor und nach dem Mittagessen mittels eines Fragebogens zu dokumentieren. Dabei konnte das individuell sehr unterschiedliche Bitterempfindungsvermögen beobachtet werden. Danach vermittelte Beat Meier ein Update zu Anthrachinondrogen und deren Einsatz bei einer Obstipation. Er empfiehlt eine Intervalltherapie in der richtigen (individuell sehr unterschiedlichen) Dosierung mit einer Medikationspause nach erfolgter Defäkation. Mit dieser Strategie wird keine der in vielen Lehrbüchern aufgeführten Nebenwirkungen der Anthrachinone zum Tragen kommen. Er betonte, dass das Konsensuspapier zu Laxantien aus dem Jahr 1999 weiterhin sehr aktuell ist und empfahl dieses zur Lektüre. Mit der klinisch belegten Wirksamkeit von pflanzlichen Zubereitungen beschäftigten sich Felix Iten und Dr. Jörg Melzer, beide vom Institut für Naturheilkunde am Universitätsspital Zürich. Felix Iten beschrieb eine seinerzeit von der SMGP durchgeführte Anwendungsbeobachtung zur Wirksamkeit von Teemischungen bei dyspeptischen Beschwerden und Jörg Melzer präsentierte die Studienlage zum Kombinationspräparat Iberogast®. Dr. Rainer Stange, Immanuel-Krankenhaus Berlin, zeigte die phytotherapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf. Neben pflanzlichen Adstringentien und Karminativa sah er in Weihrauch (pdf), Myrrhe und Aloe vera durchaus Arzneidrogen, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen können. Gerade nach Weihrauch herscht eine grosse Nachfrage, obwohl in Europa kein zugelassenes Präparat zur Verfügung steht und auf die Rezeptur ausgewichen werden muss. Eine solche wurde von der Fachgruppe Phytopharmazie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften erarbeitet. Zur Behandlung des Durchfalls werden gerbstoffhaltige Arzneipflanzen eingesetzt, wie beispielsweise Blutwurz, Heidelbeere, Brombeerblätter und Schwarztee. Dabei betonte Dr. Valerio Rosinus, Hausarzt in Zürich, dass die Opiumtinktur das wirksamste Mittel ist und bleibt , um den von einer schweren Diaerrhoe betroffenen Darm ruhig zu stellen. Der Kurs endete mit Erfahrungen und Fallbeispielen aus der Praxis zur Behandlung der Diarrhoe und des Irritabel Bowel Syndromes, die von Peter Frey, praktischer Arzt in Samstagern, vorgestellt wurden.
Wie wichtig die Phytotherapie bei der Behandlung von gastrointestinalen Beschwerden ist, zeigte sich auch an der auffallend langen Liste mit allen von Swissmedic zu gelassenen pflanzlichen Präparaten für dieses Indikationsgebiet (erstellt von Dr. Beatrix Falch , aus ihrer Neuauflage des Phytopharmaka-Kompendiums „Phytotherapeutika –Pflanzliche Arzneimittel“ ), die wiederum in den Kursunterlagen zur Verfügung gestellt wurde. Es lohnt sich also im Praxisalltag an das Potential der Arzneipflanzen zu denken.
Mit diesem Kurs ist die SMGP in den achten Ausbidlungszyklus gestartet. Verfahren wird nach dem bewährten Konzept, wobei die Kursinhalte ständig akutalisiert werden. Ein Einstieg ist jederzeit möglich - für den dreitägigen Grundkurs (Erlebnistage Phytotherapie) in Engelberg vom 3.-5. Juni sind noch Plätze frei. Wir freuen uns über jede weitere Anmeldung!

Magen-/Darm-Erkrankungen und Phytotherapie: Eine Domäne des Institutes für Naturheilkunde an der Universität Zürich

Prof Dr Reinhard Saller

Felix Iten Jörg Melzer
SMGP-Arzt Valerio Rosinus Extra von Berlin nach Wädenswil gereist um über das Potential der Phytotherapie bei entzündlichen Darmerkrankungen zu sprechen: Dr Rainer Stange. SMGP-Arzt Peter Frey