Erlebnistage Phytotherapie in Engelberg vom 3.6. 5.6. 2010
Am Donnerstag Vormittag, den 3.6.2010, trafen wir, die 17 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Grundkurses Phytotherapie, im Hotel Edelweiss in Engelberg ein. Den Weg zum Hotel erahnte man leider mehr, als dass man ihn gesehen hätte: dicke Regenwolken hingen im Bergtal . „Wir“: das waren 7 Verterinärmediziner/innen, 9 Humanmediziner/innen sowie eine Apothekerin. Unsere Vorkenntnisse auf dem Gebiet der Phytotherapie reichten von einem bereits umfangreichen und fundierten Wissen über alle Abstufungen bis hin zu völlig Unerfahrenen jedoch natürlich Interessierten - auf diesem Gebiet.
Gleich zum Begrüssungskaffee empfing uns die kleine Ausstellung einer umsichtig zusammen gestellten Drogen-Sammlung in ganz unterschiedlichen Darreichungsformen, sowie eine Buchausstellung aus Privatbesitz.
Zur Begrüssung hielt Herr Prof. Dr. Beat Meier ein Referat über die Phytotherapie zwischen Tradition und Evidence Based Medicine. Auf diese Weise vertraut gemacht mit dem Netzwerk der Phytotherapie folgte ein kompakter Vortrag, lebhaft präsentiert von Herrn Prof. Dr. med. Reinhard Saller, der sich mit der Frage beschäftigte: „Wie erarbeite ich mir ein Grundsortiment?“
Am Nachmittag brachen wir bei immer noch recht zweifelhaftem Wetter und nicht gerade sommerlichen Temperaturen zu einer Pharmakobotanischen Exkursion auf. Wir wanderten aus dem Siedlungsbegiet auf eine Alp, suchten und bestimmten immer wieder Heilpflanzen und lauschten dabei den ausführlichen und interessanten Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Beat Meier und Frau Rita Marusic. Wir testeten die Qualität des Löwenzahnsaftes auf mit Brennesseln „vorbereiteter“ Haut, kauten auf Kümmelblättern und sammelten schliesslich auf einer Almwiese Kräuter und Pflanzen, über die wir mehr wissen wollten. Ziemlich durchgefroren wären wir am Ende der Exkursion wohl alle sehr froh um einen wärmenden Tee gewesen aus welchen Blättern auch immer!
Nach dem Nachtessen trafen wir uns abermals, diesmal zu einer Büchervorstellung, denn jeder von uns hatte an Lese- und Lehrmaterial mitgebracht, was ihn jeweils beim Studium der Phytotherapie unterstützt und begleitet. Auf diese Weise konnten die weniger Erfahrenen sehr von den Erfahrungen der bereits versierteren Pflanzentherapeuten profitieren.
Am 2. Kurstag brachte uns der 1. Vortrag einen interessanten Einblick in die Pharmazeutische Verarbeitung von Heilpflanzen. Herr Rudolf Steiner zeigte in zahlreichen Videos sehr anschaulich die Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe bis hin zur Qualitätskontrolle.
Etwas trockener gestaltete sich der folgende Exkurs ins Reich der Definitionen, Regulatorien und der Begriffe der Pflanzlichen Arzneimittel von Prof. Dr. Beat Meier, dem die Darstellung des Werdegangs der Arzneipflanze zum Phytotherapeutikum folgte. Wieder mehr praxisbezogen orientierte Frau Rita Marusic die Kursteilnehmer über die Dienstleistungen einer phytotherapeutisch orientierten Apotheke, sowie über die gesetzlichen Grundlagen, nach denen sich der Apotheker/die Apothekerin zu richten haben.
Am Nachmittag war erneut praktisches Lernen angesagt: in Übungen konnten wir zum Teil auf der inzwischen sonnigen Terrasse des Hotels verschiede Zubereitungsformen selber herstellen: In zwei Gruppen übten wir uns in der Dünnschichtchromatografie von Extrakten aus Thymus Vulgaris, stellten ein Gel aus Chamomilla Urtinktur her und lernten als Extraktionsverfahren die Perkolation und die Mazeration (von Spitzwegerich) näher kennen.
Im letzten Vortrag dieses Tages von Frau Rita Marusic wurden wir erneut in die alte Kunst des Rezeptierens eingeführt. Lateinkenntnisse waren gefragt!
Auch am 2. Kurstag gab’s nach dem Nachtessen noch eine Abendsitzung diesmal teilten wir uns auf: die Mediziner diskutierten anhand der Phyto-CD einige Patientengespräche, die Veterinärmediziner wurden von Frau Maya Bräm über die in England praktizierte Form der Pflanzentherapie informiert. Ihr Ansatzpunkt unterscheidet sich von dem hier üblichen insofern, als zwischen 11 und mehr unterschiedlichen Pflanzen in der jeweils empfohlenen, individuell zusammen gestellten Rezeptur zum Einsatz kommen.
Am 3. und letzten Kurstag, an dem sich Engelberg strahlend und sommerlich präsentierte, begrüsste uns Herr Dr. med. Peter Frey, der uns einen bunten und interessanten Bericht seines eigenen Werdegangs, seines Zugangs zu Phytotherapie sowie viele praktische Tipps und Ansätze lieferte, die alle sehr motivierend für uns waren.
Während die Humanmediziner im Anschluss daran mit ihm Fallbesprechnungen erörterten, setzten sich die Veterinäre zusammen und versuchten, ein Grundsortiment für die unterschiedlichen Bedürfnisse zu erstellen was nicht wenig kompliziert war reichte die Palette der betreuten Vierbeiner doch von den Zootieren über die Grosstiere bis hin zu den Heimtieren!
Die Zeit reichte am Schluss leider nur knapp für die Besprechungen all der Fragen, die noch aufgetaucht waren. Trotzdem eilten die Kursteilnehmer hoch zufrieden mit den vergangenen drei Tagen versehen mit einem schnell selbst zubereiteten Sandwich dem Bahnhof entgegen im Gepäck viel Neues, zu Vertiefendes, Anregendes.
Wir alle danken für einen ausgezeichneten Kurs.
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| Pflanzen bestimmen... | ...riechen und schmecken. SMGP-Kurs 1 von 2010 auf Exkursion |
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| Beat Meier erklärt den Blutwurz... | ...und Rita Marusic den Fenchel |
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| Botanische Besonderheit: Direkt aus den Nüsschen hervorgestossene Keimblätter der Buche. Die Zweikeimblättrigkeit konnte so demonstriert werden. |
Nebeneinander: Die Brennnessel und der Schachtelhalm. |
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| Die Gruppe trotzt der Kälte... |
...und ist gespannt beim Thema. |
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| Die Pestwurz (Petasites hybridus): Die Struktur der unterirdischen Organe lässt sich gut erkennen: Das knollige Rhizom, die langen Ausläufer und die feinen Würzelchen. |
Dioe gesammelten Pflanzen... |
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| Am Freitagnachmittag - nun bei schönstem Wetter - wurde gearbeitet. Es wurden Tinkturen hergestellt. Das Ausgangsmaterial: Spitzwegerichkraut. |
...wer erkennt sie? |
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| Als erstes: Die Pflanze muss verkleinert werden. |
Erklärungen zum Extraktionsmittel |
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| Abpressen |
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| Das Perkolat tropft aus dem gut gefüllten Perkolater |
Tannenspitzen für Hustensaft |
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| Qualitätsprüfung mit Dünnschichtchromatographie: Kamillenöl. | Frau Sievers von Herbamed insturiert die Herstellung eines Gels mit Kamillenöl. |
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