Phytotherapie in der Gynäkologie: Ein Fundus für die Phytotherapie
Im Kurs 6 des Fähigkeitsprogramms Phytotherapie (SMGP) wurde die Phytotherapie bei häufigen Beschwerden im Urogenitaltrakt von verschiedenen Seiten her betrachtetet. Da die physiologischen Veränderungen bei der Frau nicht nur im Lauf des Monats, sondern mit Schwangerschaft, Geburt und Klimakterium auch im Lauf des Lebens sehr vielfältig sind, ist auch die Vielfalt an möglichen Störungen naturgemäss grösser als beim Mann. Oft sind dabei im Alltag aber Männer indirekt mitbetroffen, woran Beat Meier erinnerte, und die Aufmerksamkeit des (gemischten) Publikums galt den „weiblichen“ Themen ebenso wie den „männlichen“.
Die traditionell sehr breite Palette von Arzneipflanzenanwendungen in Schwangerschaft und Stillzeit wurde von Beatrix Falch vorgestellt. Dabei zeigen Erfahrungen aus der Praxis, dass etwa bei Eisenmangel pflanzliche Behandlungen mit Brennnesselkraut, Löwenzahnblättern oder auch Randen und rote Beeren oft mehr bringen als Eisentabletten, die zudem mit deutlichen Nebenwirkungen behaftet sind. Neben den traditionellen Arzneipflanzen-Anwendungen bei häufigen Schwangerschaftsbeschwerden wurden anthroposophisch verwendete Mittel wie Brombeerblättertee und bewährte Hausmittel vorgestellt. Empfehlungen zu einem kleinen, aber sehr brauchbaren Grundsortiment von Arzneipflanzen für Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit rundeten die Betrachtungen ab eine willkommene Hilfe bei der praktischen Umsetzung!
Eine ganze Reihe in Europa eher wenig verwendeter Pflanzen kam bei Dorin Ritzmann zur Sprache, die sich intensiv mit den Arzneipflanzen nordamerikanischer Indianer auseinandergesetzt hat und sie u.a. gegen Beschwerden um die Menopause herum verwendet. Neben den „klassischen Frauenpflanzen“ kommen etwa das Kanadische Berufskraut (Erigeron canadense), die Wilde Möhre (Daucus carota) und die Yamswurzel (Dioscorea villosa) zum Einsatz. Frische Kräuter, Leinöl und Baumblattknospen stärken zudem das Basis-Schutzsystem, entzündungsfördernde Stoffe wie Rohr-, Rüben- und Fruchtzucker sollten hingegen gemieden werden.
Regina Widmer lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass neben pflanzlichen Therapien und bewährten Massnahmen wie z.B. Wärme-Anwendungen eine ganzheitliche Betrachtung unerlässlich ist. In ihrer täglichen Praxis als Gynäkologin stellt sie gerade bei chronisch-rezidivierenden Beschwerden nicht selten fest, dass ein Zusammenhang mit Beeinträchtigungen des Sexuallebens besteht. In diesem Sinn ermutigte sie insbesondere ¨Arztinnen und Ärzte, dieses Thema nicht aus falscher Scheu auszuklammern. Eine aktive, lustvoll gelebte Sexualität kann zur allgemeinen und besonders zur urogenitalen Gesundheit wesentlich beitragen und sollte somit im Gespräch mit der Patientin keinesfalls zu kurz kommen.
Phytotherapeutische Ansätze zu einem der häufigsten urogenitalen Probleme des Mannes, der benignen Prostatahyperplasie BPH, stellte Andi Suter vor. Neben den in Europa volksmedizinisch seit langem eingesetzten Teedrogen wie Brennesselwurzel, Birkenblätter, Weidenröschen- und Goldrutenkraut wird hier vor allem die aus Florida stammende Sägepalme (Sabal serrulata = Serenoa repens) verwendet. In einer ganzen Reihe von kontrollierten Studien konnte ihre Wirksamkeit belegt werden. Sie ist derjenigen der standardtherapeutisch eingesetzten alpha-Reduktase-Hemmer vergleichbar. Einen wesentlichen Vorteil zeigt Sabal allerdings gegenüber den Standardpräparaten: während diese als Nebenwirkung die nicht selten mit BPH einhergehende sexuelle Dysfunktion häufig verschlimmern, trägt die Behandlung mit Sägepalmenextrakt oft zu einer deutlichen Besserung derselben bei, zumindest deutet eine Pilotstudie darauf hin. Auch hier sollte im Sinn einer ganzheitlichen Betrachtung dieser Aspekt nicht ausser Acht gelassen werden. In der Schweiz entwickelt sich die Anwendung von Sabal-Präparaten immer mehr zur Primärtherapie auch bei Urologen.
Der erfolgreiche Einsatz von Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) beim Prämenstruellen Syndrom, Phytotherapie bei Mensbeschwerden, Rezepturen mit aetherischen Ölen zur Anwendung im Urogenitalbereich sowie verschiedene traditionelle „Frauenpflanzen“ bei Myomen und Beschwerden des Klimakteriums waren weitere Themen die Einsatzmöglichkeiten von Arzneipflanzen auf dem Gebiet der urogenitalen Beschwerden sind äusserst weit gefächert, wie im Lauf der Referate deutlich wurde.
Neben informativen Einzelheiten zu den verschiedensten pflanzlichen Therapien gab es spannende Diskussionen mit ReferentInnen und KollegInnen. Nach einem anregenden Fortbildungstag konnten die Anwesenden viele nützliche Anwendungstipps und Rezepturvorschläge, die sich gut im Praxis- resp. Apothekenalltag umsetzen lassen, mitnehmen. Die fast vierzig Teilnehmenden liessen sich von der Begeisterung er Referierenen anstecken und geizten bei der Evaluation nicht mit guten Noten. Der nächste Kurs findet am 27. Oktober zum Thema Pflanzliche Sedativa statt und verspricht ebenso spannen zu werden. Das Anmeldeportal ist geöffnet.
Sabine Lorch
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| Beatrix Falch führte engagiert durch den Kurs und gab in ihren Referaten viele Tipps und Hinweise... |
... so auch zu heiklen Themen wie Schwangerschaft und Stillzeit |
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| Patricia Ochsner brachte den Teilnehmenden die etherischen Öle nähe. Sie beleuchtete insbesondere deren Verarbeitung und präsentierte ihre Rezepturen | Engagiert und mit viel Erfahrung konnte Heide Fischer zahlreiche Tipps für pflanzliche Anwendungen geben in Indikationen, für die die etablierte Medizin kaum Lösungen hat |
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| Andi Suter startet zum Referat über Phytotherapie bei Prostata-Beschwerden... |
... und positioniert engagiert, |
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| lächelnd | und nachdenklich Präparate mit Sabal serrulata als Medikation der ersten Wahl. |
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| Zwei Ärztinnen mit reicher Erfahrung beendeten einen spannenden Tag: Dorin Ritzmann... |
und Regina Widmer. |
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| Einmal mehr war ein SMGP-Kurs gut besucht |