Phytotherapie und Sport die Bedeutung der Pflanzen
Die Bilanz des Organisationskomitees der 5. Phytotherapietagung der Romandie zum Thema „Phytotherapie et Sports entre performances et vitalité“ in Lausanne war eindeutig: Bezüglich Themen und Referierenden war es der bisher beste und kompakteste Anlass in der Serie. Nur schade, dass sich die Romandie bezüglich Tagungsteilnehmenden als hartes Pflaster erwies: Nur knapp siebzig Personen folgten den spannenden Ausführungen.
Georges van Snick, der versierte Phytotherapeut aus Belgien, wies mehrfach darauf hin, dass je nach Art der betriebenen Sportart verschiedene Pflanzen im Vordergrund stehen. Die Adaptogene, von denen Panax ginseng, Eleuterococcus senticosus, Rhodiola rosea und Schisandrae chinensis regelmässig genannt wurden, können in allen Disziplinen ihre Funktion ausüben. Bei Sportarten wie Golf und Schiessen geht es jedoch weniger um Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit als viel mehr darum, eine gewisse Entspannung in der Spannung zu sichern. Einmal mehr wurde der Weissdorn (Crataegi folium cum flore) als gleichwertig zu den beta-Blockern genannt, auch die Passionsblume bekommt als mildes Anxiolyticum ihre Bedeutung. Bei den Ausdauersportarten stand insbesondere die Prophylaxe vor Erkältungen und die Rehabilitation nach erfolgter Leistung im Mittelpunkt der Diskussionen. Die französische Tradition arbeitet mit Glycerinmazeraten, bei denen vor allem solche aus Ribes nigrum zur Immunprophylaxe im Vordergrund stehen. Phytotherapie und Diätetik respektive in neuer Terminologie Mikronährstoffe (die Pierre Hourst aus Ferney Voltaire eingehend darstellte) bilden dabei ein Duett Magnesium, Glucosamin und Chondroitinsulfat helfen die Muskulatur und Bewegungsapparat kompakt zu halten. Dr Bernhard Sägesser, früher leitender Arzt der Olympiadelegationen von Swiss Olympics und Gründer der Rennbahnklinik in Muttenz votierte mit Engagement für die Pflege des Kollagens in Gelenken und Sehnen nicht nur im Spitzensport sondern generell bei sportlichen Tätigkeiten und vor allem im Alter. Seine langjährigen Erfahrungen bewegen ihn, für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aus Glucosamin. Chondroitinsulfat und Kollagenhydrolisat einzustehen, auch wenn die „Evidence based Medicine“ diesbezüglich immer wieder ihre Zweifel ankündigt: „Es gibt auch die „Experience based Medicine“, und die steht in der wissenschaftlichen Diskussion zu sehr im Hintergrund.“ Dasselbe beobachtete auch Orlando Petrini aus Bellinzona, der fest stellte, dass die Phytotherapie in der Praxis Bestand hat trotz immer wieder ändernder Meinungen auf der Basis verschiedenster klinischer Studien: „Die Sportler wollen ihre Leistungsfähigkeit verbessern. Dazu müssen Sie Energie mobiliseren, ihr Immunsystem stärken, Konzentration und Aufmerksamkeit fördern sowie Widerstandsfähigkeit gegen Stress aufbauen.“ Derzeit ist Rhodiola rosea die Antistresspflanze der Stunde, zumal ein Einfluss auf den Stressfaktor Cortisol nachgewiesen konnte, wie Kurt Hostettmann, ehemalige Direktor in Pharmakognosie und Phytochemie der Universitäten Lausanne und Genf, ausführlich darstellte. Petrini ordnete dem traditionellen Ginseng bezüglich adaptogener Eigenschaften ein ähnliches Potential wie Rhodiola rosea zu. Ginseng vermag jedoch zusätzlich Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern, weshalb sich um diese Komponente zu stärken die Kombination mit Ginkgo, bewährt hat. Viel zu diskutieren gibt derzeit eine Arzneipflanzen die eine anabole Wirkung entfalten soll: Tribulus terrestris kommt aus der asiatischen Medizin und wurde über Bulgarien, dessen Athleten möglicherweise dank dieser Pflanze in Disziplinen wie Gewichtheben und Ringen besonders erfolgreich gewesen sein sollen, in Europa eingeführt. Die Wissenschaft produziert kontroverse Daten, sodass eine Beurteilung schwierig ist. Schwierig ist auch die Tatsache, dass es bisher kein Produkt von einem hierzulande für seine Qualitätsstandards bekannten Hersteller gibt.
Schmerzen sind im Sport ein Thema. Interessanterweise stehen in diesem sensiblen Bereich seit langem wirksame pflanzliche Zubereitungen mit Extrakten aus Capsicum frutescens (in Anwendungen zum Einreiben, aber auch in Form von Pflastern), sowie Symphitum officinalis und Arnica montana in verschiedenen topischen Formen zur Verfügung. Sie kommen bei muskulären Problemen und Verletzungen zum Einsatz. In der Rehabilitation haben die etherischen Öle einen hohen Stellenwert: Als Bestandteil von topisch applizierbaren Zubereitungen sind sie in der Massage in Frankreich weit verbreitet, wie Jean-Michel Morel aus Besançon berichtete. Ein Massageöl sollte nicht mehr als 5% ätherische Öle enthalten. Als Grundlage empfahl er wervolle fette Öle wie Mandel-, Aprikosen-, Sesam oder Nussöl.
An einem Anlass mit dem Thema Phytotherapie und Sport darf eine Spitzensportlerin nicht fehlen. Die erfolgreiche Skirennfahrerin und Slalomkünstlerin Erika Reymond-Hess stellte sich mit ihrem Mann, dem erfolgreichen Trainer Jaques Reymond-Hess einem „Trilog“ mit Georges van Sick, der die beiden nach einem Rückblick der einstigen Athletin und heutigen Mutter, die einen Sohn im Nachwuchskader hat und berichtete, wie sie sich vor grösseren Verletzugen geschützt hat, seine Konzepte zur Therapie im Sport präsentierte. Jaques Reymond stellte bald die Frage, wie gross dann der Koffer sein soll, der ins Traingslager mitfährt….
In Anbetracht der Fülle an Informationen stehen die Teilnehmenden vor derselben Problematik, wenn sie nun zuhause versuchen ihre Gedanken zu ordnen und in ein Therapieprogramm zu integrieren. Die abgegebenen Unterlagen und das aufliegende Sonderheft, Ausgabe 64, der Zeitschrift „La Phytotherapie Européenne“ unter der Redaktion des neusten SSPM/SMGP-Mitglieds Danielle Roux helfen dabei.
Abschliessend gilt der Dank den Trägern der Organisation, Bastian Giller und Christoph Bachmann sowie Pierre-Olivier Tauxe, der die Tagungsteilnehmer durch das Programm führte, für ihren Einsatz, der die Tagung überhaupt erst ermöglichte. Bastian Giller konnte mit dem Zertifikat UNION/SMGP für die absolvierte Phytotherapieausbildung ausgezeichnet werden.
Abschliessend zeigt ein Vergleich zwischen der Tagung „Sport und Phytotherapie“ 2009 in Baden, dass in der Romandie Regeneration, Pflege und Prophylaxe sowie die Breite der Phyto- und Aromatherapie mit vielfältigen Anwendugnsmöglickeiten im Fokus standen, derweil damals in Baden die gezielte Behandlung und Nachbehandlung von Verletzungen und der Schutz vor Infektionskrankheiten als Hauptthemen in Erinnerung geblieben sind. Schade, dass mit Ausnahme der anwesenden SMGP-Vorstandsmitglieder niemand aus der Deutschschweiz die Chance genutzt hat, in Lausanne seine Kenntnisse zu erweitern.
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| Die Aussteller machen die Tagung überhaupt erst möglich |
Kurt Hostettmann und Roger Eltbogen im Gespräch |
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| Pierre-Olivier Tauxe führte durch die Tagung | Engagiertes Votum für die Phytotherapie: Orlando Petrini |
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| Die Tagung hätte mehr Teilnehmende verdient. |
Platz hätte es genügend gehabt. |
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| Moderne Präsentation... | durch Jean-Michel Morel... |
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| ...les topiques analgésique |
Im Trilog von links nach rechts: Jaques Raymon, Erika Raymond-Hess und Dr Georges van Sick |