Kurs 7: Pflanzliche Sedative – SMGP-Mitglieder berichten von ihren Erfahrungen

Es waren ausschliesslich SMGP-Mitglieder,die als Referierende Kurs 7 bestritten. Die pflanzlichen Sedativa sind ein Kerngebiet der Phytotherapie. Mit ihnen erzielen Ärzte und Ärztinnen überzeugende Erfolge. Dies wurde vor allem im Praxisblock deutlich, wo Valerio Rosinus und Peter Mai ihre Erfolge und Überlegungen zu Johanniskraut präsentierten. Auch in der neurologischen Klinik arbeitet Robert Käufeler erfolgreich mit Phytotherapie. Sie eignet sich dazu riesige, oft unsinnige Multimedikationen auf ein vernünftiges Mass zu reduzieren, um potentielle Interaktionen und Nebenwirkungen zu verhindern. Obwohl Kawa-Kawa leider nicht mehr zur Verfügung steht gibt es Präparate, die bei Angstzuständen bei richtiger Indikationsstellung und angepasster Betreuung erfolgreich eingesetzt werden können. Über ihre eigenen Erfahrungen im Rahmen einer Praxisdokumentation berichtete Julia Horschel. Mit Lavendelwickeln konnten bei betagten und dementen Patienten der Unruheskore deutlich gesenkt werden. Erreicht wurde auch eine Reduktion des Aufwandes für das Pflegepersonal. Das etherische Öl von Lavendel ist Gegenstand neuster Forschung und hat auch ein Potential zur Behandlung von Angststörungen. Dies erläuterte insbesondere Psychiater Peter Mai – das entsprechende Produkt ist leider in der Schweiz noch nicht zugelassen. Beat Meier baute seine –Erläuterungen auf dem „Species Sedativae“ der Schweizer Pharmakopöe auf und zeigte, dass traditionellen Sedativa neben schlafanstossenden Drogen auch etherische Öl-Drogen enthalten, die beruhigend auf den Magen-Darmtrakt wirken. Auch moderne Kombinationsprodukte mit Melisse ordnete er dank deren Gerbstoffen diesem Ansatz zu. Dokumentiert wurde die nun auch vom HMPC bei der Europäischen Behörde anerkannte Kombination Baldrian/Hopfen mit den neusten Forschungsergebnissen. Reinhard Saller, der Bernhard Ühleke ersetzte, ging ausführlich auf die Daten und Kontroversen rund um Ginkgo biloba bei der Behandlung kognitiver Störungen und von Demenzen ein. Eine Wirksamkeitsbeurteilung nach externen gegenüber internen Validitätskriterien spricht für eine prinzipielle Wirksamkeit der Ginkgo-Zubereitungen. Wie gewohnt einiges zu diskutieren gaben Erläuterungen zum Interaktionspotential pflanzlicher Arzneimittel, vorgetragen von Karin Berger Büter in Vertretung des erkrankten Jürgen Drewe. Eine PUBMED Literaturrecherche ergab auch 2011 das Resultat, dass deutliche weniger Publikationen zu Interaktionen von pflanzlichen Arzneimitteln (987) gegenüber Lebensmitteln (4338) und synthetischen Arzneimitteln (279966) zu finden sind. Dabei wird natürlich für synthetische Arzneimittel viel mehr geforscht – dennoch deuten die Zahlen auf ein niedriges Potential hin. Insgesamt gelten auch für pflanzliche Arzneimittel die üblichen Vorsichtsmassnahmen: Bei Patienten, die auf einen bestimmten Blutspiegel eines synthetischen Medikamentes eingestellt sind oder Medikamente mit geringer therapeutischer Breite erhalten ist Vorsicht geboten und im Fall der Erweiterung der Therapie mit einem pflanzlichen Arzneimittel ein Monitoring erforderlich. Schliesslich gab Peter Frey eine Übersicht zum Cannabis-Konsum und die Probleme, die dieser in einer Hausarzt-Praxis auslösen kann. Da die Hanfliberalisierung in der Schweiz nicht zustande gekommen ist, kann die Pflanze ausserhalb von klinischen Versuchen in der Praxis nicht eingesetzt werden. Die meisten der in diesem Kurs diskutierten und betrachteten Pflanzen werden an der 26. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie erneut im Fokus stehen – unter dem Blickwinkel der Neurologie. Rund dreissig Kursteilnehmer erlebten einen vielfältigen und spannenden Tag mit vielen Tipps und Hinweisen die sich in der Praxis umsetzen lassen.