Pflanzliche Sedativa: Ein Erfolgsmodell


Aus dem Vollen schöpfen konnten die Referierenden beim Kurs zum Thema pflanzliche Sedativa im Rahmen des Fähigkeitsprogramms Phytotherapie (SMGP). In Wädenswil versammelten sich an die 70 Teilnehmende um viele Praxis- und Insidertipps von Gesellschaftsmitgliedern zu erhalten, die aus der täglichen Erfahrung berichten konnten. So entwickelte sich ein Kurs mit vielen Informationen, die in keinem Lehrbuch zu finden sind. Anschauliche Fallbeispiele präsentierten Psychiater Peter Mai und Hausarzt Valerio Rosinus, die häufig Zubereitungen aus Johanniskraut und Ginkgo einsetzen und dabei Therapieerfolge aufweisen können, die dazu ermutigen, ebenfalls mit Phytotherapie zu arbeiten. Mehrfach konnten sie mit pflanzlichen Arzneimitteln Patienten aus Situationen führen, die mit synthetischen Arzneimitteln nicht zu bewältigen waren. Sie berichteten auch von erfolgreichen Massnahmen, die Patienten von z.B. Benzodiazepinen wegzubringen mit ausschleichender Behandlung bei Umstellung auf pflanzliche Arzneimittel. Beat Meier gab eine Übersicht über die für die Schweiz wichtigsten pflanzlichen Sedativa, die oft auch als Kombinationen angeboten werden. Er präsentierte den Species sedativae Ph Helv als möglichen Teil einer Schlafhygiene. Die abendliche Teezubereitung wird dabei als Ritual in das Konzept eingeführt. Er wies auch darauf hin, dass die oft beschriebenen Valepotriate in Zubereitungen des einheimischen Baldrians (Valeriana officinalis) nicht mehr vorhanden sind, da sie beim Extrahieren nachweislich verloren gehen. Zudem sind metabolische Reaktionen bekannt, die zu einer raschen Umwandlung in Glucuronide und damit zu leicht ausscheidbaren Produkten führen. Die Diskussion um die Arzneimittelsicherheit wird in diesem Kurs ebenfalls besonders intensiv geführt, da ja Johanniskraut zu einem Prototypen für Interaktionen von pflanzlichen Produkten geworden ist. Jürgen Drewe konnte aufzeigen, dass die Zahl der Interaktionen von pflanzlichen Arzneimitteln, die dokumentiert sind, nicht der Quote entspricht, die sie an Aufmerksamkeit erhalten. Cannabis ist derzeit in aller Munde – SMGP-Mitglied Manfred Fankhauser erläuterte die heutige rechtliche Situation und beleuchtete den administrativen Aufwand, der für eine mittlerweile erlaubte Therapie, z.B. mit der noch in Ph Helv V monographierten Tinktur, die er selbst in seiner Apotheke herstellt. Angewendet wird Cannabis in seinen verschiedenen Formen (Öl, Tinktur) bei Schmerzen (auch Tumorschmerzen), Multipler Sklerose, Spasmen verschiedener Genese ausserhalb MS und Schmerzzuständen. Interessanterweise ist die Toxizität von Cannabis gering, was die weite Verbreitung als Arzneimittel /z.B. zu Beginn des 20. Jahrhunderts) erklärt. Ein reichhaltiger Kurs – das war die Bilanz, die ermuntert am 23 März wieder in Wädenswil mit dabei zu sein, dannzumal zum Kurs 8 mit dem Thema Phytotherapie bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und zur Schmerztherapie. Das Anmeldetool für diese Veranstaltung ist geöffnet.