Zur Schmerztherapie gehört auch guter Schlaf


Eigentlich ist die Behandlung von Schmerzen nicht die Paradedisziplin der Phytotherapie. Dass aber durchaus interessante Optionen bestehen zeigte Kurs 8 im Rahmen des Fähigkeitsprogramms zum Thema „Phytotherapie bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und bei Schmerzen“. Mehr als siebzig Teilnehmende durfte SMGP-Vizepräsidentin Beatrix Falch im grossen Hörsaal von Wädenswil begrüssen. Gute klinische Daten belegen die Wirksamkeit von Teufelskrallenwurzelextrakt (Harpagophytum procumbens), von Arnica-Gel (Arnica montana) und Wallwurzsalbe (Symphtum officinale). Derweil Arnica im Kurs 4 eingehender vorgestellt wird zeigte Frau Silvia Bommer für die Teufelskralle wie über kontrollierten Anbau eine in diesem Fall besonders wichtige, die Biodiversität berücksichtigende Form der Rohstoffgewinnung ein erfolgreiches Produkt aufgebaut werden kann. Generell gilt für pflanzliche Arzneimittel, dass bei akuten Schmerzen mit Ausnahme der topischen Anwendung von Capsicum kaum Soforteffekte beobachtet werden können, dass sie aber bei längerer Einnahme Beschwerden reduzieren und den Bedarf an Entzündungshemmern (NSAID) senken können. Die Kombination verschiedener Wirkstoffe und Wirkprinzipien dürfte ein Forschungsschwerpunkt der Zukunft sein. Das zeigt sich derzeit am Beispiel Cannabis. Für einen Extrakt aus Teufelskralle konnte gezeigt werden, dass die Verträglichkeit gut ist, die Wirksamkeit auch nach 52 Wochen nicht nachlässt und dass die Zahl der Responder (bei hohen Placeboraten) aus standardisierten Vergleichsstudien höher lag als mit modernen Antirheumatika. Dass topische Zubereitungen aus Wallwurz bei den vom HMPC für Europa erarbeiteten Monographien nicht den Status „well established use“ erreicht haben erstaunte anhand der von Renato Kaiser präsentierten Studien zur Behandlung akuter traumatischer Zustände – die pflanzlichen Arzneimittel erwiesen sich Zubereitungen mit Diclofenac durchaus als gleichwertig. Eine langjährige Anwendungstradition haben auch die Capsicum-Pflaster – der Wirkmechanismus des bestimmenden Inhaltsstoffes Capsaicin ist bekannt. Zusammen mit einer hautschonenden Klebemasse für das Pflaster ergibt sich ein modernes, patientenfreundliches Arzneimittel, das von Regina Bruggisser vorgestellt wurde.

In etlichen Fällen ist das Potential von Arzneidrogen hoch, doch es fehlt an Daten (z.B. Hagebutte), an geeigneten und die Erkenntinsse der Wissenschaft berücksichtigenden Zubereitungen (z.B: Olibanum) oder die Wissenschaft ist erst am Beginn der Untersuchgen. Diese Aspekte deckten Matthias Hamburger und Reinhard Saller auf. Saller zeigte, dass die Therapie von Migräne und Kopfschmerz mit Pfefferminzöl via optimierte Applikation an den Triggerpunkten am Kopf und im Schulterbereich deutlich verbessert werden kann: Bernhard Uehleke bedauerte, dass die Forschung bezüglich medizinischer Bäder mit in heissem Wasser suspendierbar gemachten ätherischen Ölen trotz erfolgreicher Anfänge weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Er deckte auf, dass im Bereich der Schmerztherapie auch dem Schlaf eine wichtige Rolle zukommt: Guter Schlaf reduziert normalerweise das Schmerzempfinden vieler Patienten. Reinhard Saller stimmte dem zu und wies auf die vielfältigen Möglichkeiten der Phytotherapie in diesem Bereich hin – er wurde ja im vorhergehenden Kurs 7 des Fähigkeitsprogramms abgehandelt – Bäder sind eine Möglichkeit dafür. Für die Schmerztherapie sollten sie möglichst heiss seim, möglichst den ganzen Körper benetzen und dreissig Minuten dauern. Eine Option in vielen Rheumakliniken ist zudem der Heusack, wobei dessen Befeuchtung und Aufwärmung eine spezielle Gerätschaft benötigt.

Der Auftakt zum Kurs gehörte den Augen. Die SMGP hat das Glück eine versierte Augenärztin in ihren Reihen zu wissen. Brigitte Meli vermittelte zahlreiche Tipps und Hinweise, wie mit Umschlägen die zur Behandlung vieler Entzündungen nötige Feuchtigkeit und Wärme auf die Augen gebracht werden kann. So zeigte sich, dass ein warmer Brei aus Leinsamen eine optimale Wärmespeicherung bei anhaltender Feuchtigkeit aufweist – sie übertrifft die Effizienz technischer Geräte bei weitem. Wie die Patienten angehalten werden können zahlreiche Anwendungen mit Pflanzen – im Vordergrund steht der Augentrost, der aber in den letzten Jahren vom Schwarztee überrundet wurde - zur Behandlung z.B. des Gerstenkorns und von Bindehautentzündungen selbst vorzunehmen, konnten die Teilnehmenden ihrem Skript und ihrer Präsentation entnehmen. Bei allergischer Rhinokonjunktivitis hat sich in ihrer Praxis auch der Pestwurz-Blattextrakt Ze339 bewährt.

Wer dabei war konnte einmal mehr von einem reichhaltigen Tag profitieren. Das modular aufgebaute Fähigkeitsprogramm Phytotherapie wird dann im Herbst mit dem Thema Phytotherapie in der Dermatologie – wir garantieren erneut eine anregende Fortbildung mit vielen Praxistipps – am 28. September in Wädenswil fortgesetzt.

Aufmerksamkeit für die PhytotherapIe: Über 70 ÄrztInnen, TierärztInnen und ApothekerInnen waren in Wädenswil bei Kurs 8 mit dabei
Demonstrationsmaterial am Kurs 8 - das Lehrbuch der Phytotherapie (und Beat Meier am Kurs) erläutert die komplexe Zusammensetzung vieler Rezepte für Rheumatees
Brigitte Meli - Phytotherapie in der Augenheilkunde

Kursleiterin Beatrix Falch
Die Teufelskralle im Fokus: Silvia Bommer Matthias Hamburger von der Universität Basel beleuchtet die Datenlage verschiedener Drogen mit Potential bezüglich Entzündungshemmung und Schmerztherapie

Regina Bruggisser kennt die Pharmakologie capsaicinhaltiger Pflaster Renato Kaiser zeigte Studien, die Wallwurzsalbe mit Diclofenac verglichen: Erfolg für Wallwurz

Phytobalneologie und andere topische Anwendungen präsentierte Bernhard Ueleke Reinhard Saller diskutierte das Potential zahlreicher analgetisch wirksamer Drogen