Frühjahrsexkursion der SMGP: Von der Stadt ans Wasser durch den Wald aufs Land

Beim Rastplatz angekommen: Blick hinunter nach Brugg

Der Beginn der SMGP-Frühjahrsexkursion auf dem Bahnhof Brugg stand im Zeichen der Kälte. doch dann hellte der Nebel auf und beim Anstieg auf den Bruggerberg verschwanden die Winterjacken schon in den Rucksäcken. Nach den winterlichen Tagen eine tolle Überraschung. Bis dahin hatte Exkursionsleiterin Elisa Marchiondi, die kurzfristig die Aufgabe von Maja Dal Cero übernommen hatte, einiges vom Habsburger-Städtchen Brugg und vom Aargauer-Konzept der Förderung der Auen-Landschaften erzählt. Auf der Aare-Insel Geisseschache rückten dann die Arzneipflanzen in den Vordergrund: Für einmal wurden anstelle der Weiden die Pappeln, die Gruppe stand vor einem riesigen Exemplar (Populus canadensis) - näher betrachtet. Bei den Pappeln enthälten die Rinden und Blätter bei allen Arten (dies im Gegensatz zu den Weiden) hohe Gehalte an Salicinverbindungen. Für die Pappelsalbe, die vor allem in der Tiermedizin bei Entzündungen noch Verwendung findet, werden interessanterweise die klebrigen Knospen extrahiert. Beat Meier, zweiter Exkursionsleiter, erläuterte zudem den diesjährigen Schwerpunkt der Exkursion, die Gerbstoffe der Labiaten mit ihrer antiviralen Wirkund und jene der Rosaceen, die eher entzündungshemmende Wirkung haben und von denen interessanterweise verschiedene Drogen für Probleme mit der Dysmenorhöe in Form von Teezubereitungen und Tinkturen erfolgreich eingesetzt werden (Himbeerblätter -Rubus idaeus, Brombeerblätter - Rubus fruticosus, Gänsefingerkraut - Argentina anserina). Bestätigungen erfolgreicher Anwendungen kamen aus der Runde. Mit seinen gelben Blüten begrüsste am Wasser das Barbarakraut Barbarea vulgaris die 29 Exkursionteilnehmer, um sie gegen Schluss der Exkursion entlang des Bachlaufs südlich von Rüfenach auch wieder zu verabschieden. Das Kraut grünt bis weit in den Winter hinein und kann mit seinem würzigen Geschmack entsprechend lang für Salate verwendet werden. Im Aufstieg zum Bruggerberg stand der Bärlauch (Allium ursinum) in Vollblüte und beim ersten grossen Halt konnte Elisa eine bereits beachtlich herangewachsene Tollkirsche präsentieren: Die Blüten waren noch nicht da, doch am verdorrten Vorjahrestrieb hingen noch einige eingetrocknete Früchte! Ein seltenes Bild veranlasste die Gruppe über dein Einsatz von Atropin. aber noch mehr von der standardisierten Tinktur und von standardisierten Extrakten der Tollkirsche bei vielen Indikationen zu diskutieren. Beim Aussichtspunkt Alpezeiger öffente sich der Blick auf die vielen Siedlungen an den drei im Wasserschloss zusammen kommenden Flüssen - die Alpen hielten sich noch etwas versteckt, waren aber doch schon zu erkennen. Statt in blau erwarteten die Gruppe auf dem Weitermarsch violett blühende Vinca minor-Felder die Gruppe, die feststellen musste, dass das aus der Pflanze isolierte Vincamin nicht mehr in Arzneimitteln zu finden ist und die Tinktur in der Praxis nicht die erhofften Erfolge bei Gedächtnisstörungen gebracht hat. So versinkt diese Arzneipflanze nach einem Zwischenhoch wieder in der Bedeutungslosigkeit. Am gleichen Standort konnte Elisa zeigen, wieso der Hohlzahn so heisst. Sie hatte dafür das Rhizom ausgegraben und da waren so etwas wie „Milchzähne“ zu sehen. Ein besonderes Thema auf dieser Exkursion waren Frostschäden: Unten an der Aare blieben Landwirtschaft und Natur weitgehend verschont davon, weiter oben konnte man sie beobachten an Erdbeeren, Buchen, Eschen und - besonders schlimm - Walnussbäumen. Den Schluss der Exkursion lassen wir in diesem Bericht noch offen - damit die Teilnehmenden an der Zweitauflage sich vom abschliessenden Höhepunkt im Arzneipflanzengarten Amalthea von SMGP-Mitglied Dorin Ritzmann und der Erlebnisgärtnerei überraschen lassen können. Und erwähnen, dass noch viele andere Pflanzen unterwegs die Beachtung der Exkursionsteilnehmer gefunden haben. Viele waren überrascht, ob der Vielfalt, die eine pharmakobotanische Wanderung mit dem Startpunkt Brugg bieten kann.

Pflanzenlisten:
Arzneipflanzengarten Amaltea Von Tor zu Tor (pdf)
Pflanzenliste Brugg 2017 (pdf)
Pflanzenliste Garten Amalthea (pdf)

Atropa bella-donna L. - man beachte die verdorrten Stängel aus dem Vorjahr
Blühender Bärlauch Allium ursinum L. mit dem Baumtropf respektive Girsch (Blätter im unteren Bereich des Bildes) Aegopodium podagraria
Tollkirsche und Bärlauch
Frostschäden am Beispiel der Erdbeere (im Bild eine Kulturform, Erfrierungen gab es aber auch an der Walderdebeere Fragaria vesca L.). Die in der Mitte statt gelb dunkel gefärbten sind erfroren und werden keine Früchte ausbilden. Die gerbstoffhaltigen Blätter, die für Teezubereitungen genutzt werden können, sind vom Frost nicht betroffen.
Mittagsrast - in der Mitte der älteste Teilnehmer, Karl-Heinz Potempa (links davon seine Frau Ulrike). Sie sind aus der Nähe von Saarbrücken angereist um die SMGP-Exkursion mit zu erleben.
Die Struktur der Auenlandschaft war das erste Thema
Beat Meier und Elisa Marchiondi zeigen und erläutern im Bruggerberg gefundene Pflanzen
Aufstieg zum Bruggerberg. Ein typischer Molasseaufschluss. Das Ziel kommt näher - auf der von der Landwirtschaft geprägten Ebene bei Rüfenach