Endlich: Phytotherapie vom Bundesrat anerkannt als Bestandteil der modernen Medizin

Der 16. Juni 2017 wird in die Annalen der SMGP eingehen. Der Bundesrat publizierte endlich die längst erwartete Aufnahme der Phytotherapie als eine von vier komplementärmedizinischen Richtungen in die Obligatorische Krankenpflegeversicherung OKV in Form einer Medienmitteilung. Ab 1. August ist es so weit, und ein langjähriger Prozess geht zu Ende. Für die Phytotherapie war der Kampf besonders hart. Zuerst wurde die Anerkennung des für die ärztliche Leistung unerlässlichen Fähigkeitsausweises von der FMH hinausgezögert, und später fiel die Phytotherapie bei der Tarmeddiskussion zwischen Stuhl und Bank, weil die Verhandlungen um Tarmedrevisionen genau in dem Moment ausgesetzt wurden, als der Antrag der Phytotherapie fix und fertig auf dem Tisch lag. So konnte trotz zwei provisorischer Aufnahmen die Phytotherapie nie abgerechnet werden. Auch jetzt ist noch nicht klar ob nun ab 1. August abgerechnet werden kann, die Positionen wären vorhanden. SMGP-Präsident Roger Eltbogen wird sich in den nächsten Tagen darum bemühen, eine möglichst rasche Lösung zu finden.
Dass diese Aufnahme nun möglich wurde ist einer unter Bundesrat Berset zustande gekommenen Strategieänderung zu verdanken. Die Phytotherapie wurde wie viele andere ärztliche Grundleistungen dem Vertrauensprinzip unterstellt, sodass die unmögliche Gesamtevaluation entfallen konnte. Den ersten Antrag auf Aufnahme der Phytotherapie hat die SMGP schon 2005 gestellt als Folge des Projektes Evaluation Komplementärmedizin und dann wieder im Jahr 2010. Diese Anträge sind auf der Website der SMGP gelistet. Der Erfolg ist dem unermüdlichen Einsatz der Verbände und von Einzelpersonen zu verdanken. An vorderster Front standen die UNION Schweizerischer Komplementärmedizinischer Ärztegesellschaften, der Schweizerischer Verband für komplementärmedizinische Heilmittel (SVKH) und der Dachverband Komplementärmedizin DaKoMed und folgende Personen: Dr. med. HU Albonico von der UNION, Dr.med Roger Eltbogen und Dr. med. Valerio Rosinus von der SMGP, Herbert Schwabl vom SVKH und Walter Stüdeli vom DaKoMed sowie zahlreicher Parlamentarier, die sich immer wieder für die Komplementärmedizin einsetzten, insbesondere Nationalrätin Edith Graf.Litscher und Ständerat Joachim Eder.
Für die SMGP ist mit dem Entscheid das Engagement noch nicht zu Ende: Ist die Tarifierung geklärt, gilt es den Bestand an pflanzlichen Arzneimitteln in der SL zu sichern. Zudem ist eine Revision und Ergänzung der ALT unerlässlich, damit in Zukunft alle in der Europäischen Pharmakopöe beschriebenen pflanzlichen Wirkstoffe auch verschrieben werden können. Die SMGP hofft, dass mit diesem Entscheid weitere Ärztinnen und Ärzte die Motivation finden, sich den Fähigkeitsausweis zu erarbeiten. Am 1. August wird die Rezertifizierung von fast fünfzig Ärztinnen und Ärzten fällig – die Abgabe der Fähigkeitsausweise erfolgt dann am 23. November anlässlich der 32. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie in Brugg.

Liste der Ärztinnen und Ärzte mit Fähigkeitsausweis
 
Medienmitteilung DaKoMed (pdf)