Tolle Ambiance und spannende Themen in der Romandie


Bei schönstem Wetter in einem lichten Zelt beim Chateaux de Penthes mit Blick auf den schneeweissen Montblanc fand die mittlerweile im Zweijahresrhymtmus durchgeführte achte Phytotherapietagung der Romandie statt. Das Thema war vielvesprechend mit dem Titel „La Phytothérapie dans la pratique helvétique et européenne“. Gemäss dem Untertitel « From traditional to evidence based medicine » präsentierten die meisten Referenten einen historischen Abriss und die aktuelle, dokumentierte Anwendungen. Maja Dal Cero deckte am Beispiel der Cholagoga auf, dass sich das Spektrum der in dieser Indikation verwendeten Arzneipflanzen über die Jahrhunderte hinweg gar nicht so sehr gewandelt hat, die Tradition durchaus Konstanten aufweist. Weniger alt ist die Geschichte der Mistel als Krebsmitel. Konrad Urech präsentierte dafür die neusten Forschungsergebnisse mit Studien auf molekularbiologischer Ebene und im Sinn der Evidence Based Medicine, die zuletzt auf die Lebensqualiät fokussierten und stimulierende Ergebnisse zeigten. Die Aromatherapie spielt unter dem Einfluss von Frankreich in der Romandie eine besondere Rolle. Oliver Tauxe präsentierte zahlreiche Rezepte wies aber auch auf die komplexe Lage bezüglich Regulatorien hin: Die in der Europäischen Pharmakopöe beschriebenen Öle gelten als Wirkstoffe, die übrigen müssen in grösseren Mengen als Chemikalien mit entsprechenden Hinweisen gelagert werden. Die einzelnen Behörden bieten wenig Hand zur Koordination. Dennoch ist die Lage für den verschreibenden Arzt in der Schweiz derzeit im Vergleich zu Frankreich komfortabel wie Jean.Michel Morel aus Besançon ausführte. Die Methoden zur Bestimmung von Inhaltsstoffen und pharmakologischer Aktivität haben in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht. Darüber berichtete Jean-Luc Wolfender mit eindrücklichen Beispielen. Auch klinische Daten stehen vermehrt im Fokus, doch insgesamt hinkt da die Forschung hinterher. Bertrand Graz und Jaques Falquet präsentierten das Konzept der „Pharmacologie réversé“ – die vorschlägt, bei Untersuchungen zur traditionellen Medizin mit der klinischen Forschung zu beginnen und erst nachher die Frage nach Wirkprinzipien und Wirkstoffen zu stellen. Das Konzept konnte bei der Untersuchung pflanzlicher Antimalariatherapien erfolgreich eingesetzt werden und müsste vermehrt gefördert werden, wozu Forschungsmittel zur Verfügung gestellt werden müssten. Eröffnet wurde die Tagung von Kurt Hostettmann, der Geschichte und heutige Rezeption bewährter Arzneipflanzen wie die Melisse und der Baldrian präsentierte. Nach der Mittagspause gab es einen kleinen Abstecher in den benachbarten botanischen Garten von Genf, der aus Anlass des zweihundertjährigen Jubiläums den Bereich der Arznei- und Nahrungs- sowie Nutzpflanzen neu gestaltet hat. Didier Rouget und Philippe Christen „amteten“ als versierte Leiter. Knapp einhundert Personen (alle Beteiligten mitgezählt) erlebten eine abwechslungsreiche, interessante und spannende Tagung – der Anlass hätte noch mehr Resonanz verdient. Die SMGP/SSPM darf allen Teilnehmern, allen Referierenden, Organisatoren vom Komitee Romandie und auch den Ausstellern (Dixa AG; ebi-pharm AG; Herbamed AG; Iscador AG; Padma AG; Phytolis SA, Vifor SA; Schwabe Pharma; Spagyros SA; Zeller Medical) recht herzlich für die Unterstützung danken. Die Zeitschrift „La Phytothérapie Europénne“ hat in ihrer Ausgabe vom Mai-Juni 2017 diese Tagung vollumfassend dokumentiert, haben doch alle Referierenden einen schriftlichen Beitrag erstellt.  Das Heft ist derzeit allerdings nicht on-line verfügbar.