Sommerexkursion, Teil I: 100 Jahre Misteltherapie


Den ganzen Tag einer einzigen Pflanze widmen? Dieses Wagnis ging die diesjährige Sommerexkursion ein. Und das lohnte sich von A bis Z. Die noch junge Firma Iscador hat die SMGP eingeladen zum Jubiläum „100 Jahre Misteltherapie“ sich in Arlesheim der Faszination Mistel zu widmen. Ein buntes Programm mit Rerferaten, Besichtigungen drinnen und draussen und Experimenten liess die Teilnehmenden die grosse Hitze meistens vergessen. Die Mistel ist eine ganz besondere Pflanze, die die Gedanken der Menschen schon seit Urzeiten beschäftigt. Ihre Form ist für das Pflanzenreich untypisch. Sie wird als „kindliches Pflanzenwesen“ beschrieben, da die morphologische Entwicklung der Mistel in einem frühen Stadium auf der Ebene der Keimblätter stehen bleibt, weshalb sie in fast allen Belangen vom Bauplan einer „normalen“ Pflanze abweicht. So wird ihr die Bezeichnung „Parasit“ nicht gerecht, wenn sie sich förmlich mit ihrem Senker in die Wirtspflanze hineintastet. Der Baum, den sich der Same aussucht, wird eigentlich zur Mutter der werdenden Pflanze. Die Mistel trägt im Winter Früchte und präsentiert sich auch von der Inhaltsstoffseite her unterschiedlich: Die Lektine sind die „Wintersfoffe“, derweil im Sommer die Viscumtoxine in erhöhter Konzentration vorliegen. Deshalb wird für das bedeutendste und am besten untersuchte Mistelprodukt, das Iscador, die Pflanze sowohl im Winter als auch im Sommer geerntet und die fermentierten Extrakte werden mit einer speziellen Gerätschaft zusammen geführt. Daraus entstehen dann die subcutan zu applizierenden Injektionslösungen in verschiedenen Dosierungen und von verschiedenen Wirtsbäumen. Die Produktion wurde, nachdem im grossen Garten des Areals der Klinik Arlesheim verschiedenste Mistelstandorte studiert und sogar Samen auf Wirtspflanzen gesetzt worden waren, besichtigt. Die Therapie als solche stand punktuell zur Diskussion, sie wird am 26. Oktober 2017 im Kurs 10 ausführlich besprochen. Es steht jedoch fest, dass die zu Beginn des letzten Jahrhunderts von Rudolf Steiner und Ita Wegmann intuitiv erfasste Therapie auch modernen wissenschaftlichen Kriterien stand halten kann. Nicht zuletzt auch dank der Bemühungen der Mitarbeitenden, eine konstante Qualität zu erreichen. Dazu gehört ein Kataster der zu beerntenden Bäume und ein komplexes Kultivierungsprogramm. Zum Abschluss des Tages zeigte ein Rundgang durch die Klinik Arlesheim, wie mit Wärmetherapien (u.a. auch mit Mistel) verschiedene Krebsformen behandelt werden. Die Schlussdiskussion fand im Rund unter schattenspendenden Bäumen statt und beendete einen eindrücklichen Tag, der in diesem kurzen Bericht nur summarisch wieder gegeben werden kann. Ein besonderer Dank geht an Peter Rölli und Elise Bourgeois für die perfekte Organisation, Herrn Hartmut Ramm für die Weitergabe seiner Mistelfaszination und Dr. Gerhard Schaller für die Präsentation der vielen Aspekte der Produktion sowie Frau Susanne Bornhauser und Herr Dr. med. Serge Pachaud für die Führung im Spital Arlesheim.

Misteln pflanzen

Der Keimling hat angedockt Ein Leben mit der Mistel - Dr. Hartmut Ramm



Mistelimpressionen Mittagspause