Sommerexkursion II: Die Reinacher Heide – ein botanisches Kleinod

Aegonychon purpurocaeruleum der blaue Steinsame 

Der zweite Tag der Sommerexkursion führte die 26 Teilnehmenden in die Reinacher Heide, ein Naturschutzgebiet inmitten einer in den letzten Jahrzehnten ausufernden Zivilisation. Normalerweise denkt man zum Thema Naturschutz an Gewässer und Sümpfe – die Reinacher Heide besteht jedoch vorwiegend aus Trockenstandorten. Dies obwohl die Birs die eine Grenze bildet. Die Nepomuk-Brücke überschreitend erreichte die Truppe das spannende Gebiet, um eine Vielzahl von Pflanzen zu entdecken. Im Bericht können nur einige Besonderheiten erwähnt werden – Peter Frey führte durch die Pflanzenwelt, Matthias Holeiter erwies sich als Entdecker mancher seltener Art und die Teilnehmenden ergänzten mit ihrem Wissen die Diskussionen. Die über Nacht aufgezogenen Wolken sorgten dafür, dass die erste „Sandalenexkursion“ der SMGP (besonderes Schuhwerk war wirklich nicht nötig) bei angenehmen Bedingungen gestartet werden konnte. Die Hitze hielt sich zurück. Zu Beginn zeigte ein brach liegendes Feld mit erstaunlich vielen Huflattich-Blättern die enorme Vielfalt einer an vielen Orten durch die Intensivlandwirtschaft längst verloren gegangenen Flora. Daucus carotis (die Mohrrübe) war ein prächtiger Vertreter davon – die wenigen dunkelroten Blüten im Zentrum führten dazu, dass die Pflanze therapeutisch als Mittel des Ausgleichs gilt. Andere Aspekte wurden anhand der gelb strahlenden Senecio jacobea (Jakobs-Greiskraut) diskutiert. Die Pyrrolizidinalkaloide sind derzeit ein ganz grosses Problem für die Verfügbarkeit von Arzneipflanzen, da geringste Unkrautbestände zu Überschreitungen der sehr tief angesetzten Grenzwerte führen können. Davon betroffen ist auch Hypericum perforatum (getüpfeltes Johanniskraut) – Beat Meier erklärte, dass die Phytotherapeuten bei der Verwendung von zugelassenen Arzneimitteln und bei der Berücksichtigung von als Arzneimittelhersteller zertifizierten Lieferanten sich darauf verlassen können, dass diese Probleme gemäss der Regulatorien gelöst werden. So konnte die Aufmerksamkeit wieder auf die Pflanzen gerichtet werden. Der Ackerwachtelweizen (Melampyrum arvense) und die Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis) bestachen durch ihre Schönheit, der blaue Steinsame (Aegonychon purpurocaeruleum) war mit den sonst kaum bemerkten, namensgebenden Früchten präsent, die Königskerzen (verschieden Verbascum-Arten (schleimhaltig, als Hustenmittel, offizinell ist Verbascum thapsiforme) imponierten durch ihre Grösse, auch Lavendel (Lavendulae officinalis) (neu das ätherische Öl als Anxiolyticum) war zu finden, der Hauhechel (ein Diureticum) wucherte und die Spierstaude (Filipendula ulmaria) (für Fiebertees) zeigte den Seitenbach an. Ein Blick in den Weledakräutergarten über den Zaun hinweg wurde auf dem Rückweg in die nahe Zivilisation auch noch geworfen (die Zaunrübe - Brionica dioica und die aufrechte Osterluzei – Aristolochia clematidis , zwei vor allem in der Homöopathie noch verwendete Giftpflanzen, wucherten über den Haag hinweg). Die Reise ging mit dem Tram weiter bis zur Station „Neue Welt“. Ein Dank gebührt den Gemeinden um das Reinacher Heide, dass sie dieses Kleinod der Natur schützen und auch dessen Vernetzung mit verschiedensten Massnahmen und Projekten gewährleisten. Die Teilnehmenden waren sich einig, noch nie auf einer SMGP-Exkursion eine derartige Vielfalt in so kurzer Zeit gesehen zu haben.

Artenliste (pdf)

Peter Frei im Einsatz

Ackerwachtelweizen (Melampyrum arvense) - violette Blütenstände neben der Ackerwinde Convolvolus arvense

Saponaria officinalis (gewohnliches Seifenkraut)
Verbascum thapsus (kleinblütiges Wollkraut oder kleinblütige Königskerze)

Anacamptis pyramidalis Spitzorchis
Hypericum perforatum (getüpfeltes Johanniskraut)

Trockenstandort mit Teucrium-Arten

Daucus carotis (die Mohrrübe) 

Senecio jacobea (Jakobs-Greiskraut)