Basel war Gast von Arzneipflanzenforschern aus aller Welt

Vom 3. bis 7. September fand in Basel die 65. Jahresversammlung der Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung statt. Nach Zürich im Jahr 2000 (damals noch unter der Regie von Prof. Dr. Otto Sticher) und Genf 2009 war nun das dritte Schweizer Zentrum in dieser Disziplin an der Reihe. Die Organisation war in den Händen von Professor Matthias Hamburger von der Universität Basel und von Professor Veronika Butterwek von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Der Auftakt erfolgte mit einem Workshop zum Thema „Regulatory Affairs“ bei dem Professor Werner Knoess vom Bundesamt für Arzneimittel BfArM in Deutschland das Podium den Schweizer Vertretern zum Thema Wissenschaft und Zulassung öffnete: Martin Ziak von Swissmedic erläuterte die Besonderheiten der Schweiz bei der Zulassung pflanzlicher Arzneimittel, Christiane Halbsguth und Catherine Zahner von Max Zeller Söhne AG präsentierten die Schwierigkeiten, die sich bei internationalen Zulassungen mit vielfach länderspezifischen Anforderungen sowohl im Bereich der Qualität als auch im Bereich des Wirkungsnachweises ergeben und Evelyne Wolfram von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW, Fachgruppe Phytopharmazie und Phytochemie präsentierte einige Projekte (auch in der Postersession) im Bereich der HPTLC und der Analytik von Anthranoiddrogen, die für die Optimierung von Monographien des Europäischen Arzneibuchs geleistet wurden. An einem von Professor Salvador Carnigueral aus Barçelona geleiteten Workshop „Herbal for health worldwide“ machte insbesondere Professor Karin Kraft aus Rostock deutlich, dass die WHO ihren Mitgliedstaaten empfiehlt, die pflanzlichen Arzneimitteln zu fördern und sie über die nationalen Gesundheitssysteme zugänglich zu machen. In den europäischen Ländern sind die Massnahmen bezüglich Qualität gut umgesetzt – doch eine Förderung im Bereich der Anwendung findet kaum statt. Die Schweiz ist da eine löbliche Ausnahme, der Beschluss zur definitiven Aufnahme der Phytotherapie in die OKV war kurz vor der Tagung erfolgt und die Spezialitätenliste wird international bestaunt. Beklagt wurde der Mangel an Fördermitteln. Es gibt kaum Stimuli, sich den weit verbreiteten Arzneipflanzen zu widmen obwohl viele Wissenslücken bestehen. Festzuhalten ist jedoch auch, dass es kein Forschungskonzept im Naturstoffbereich gibt – was die vielen Poster wieder einmal deutlich machten: Nur wenige beschäftigten sich mit relevanten Problemen der in Monographien der WHO, der ESCOP und des HMPC Pflanzen. Bei koordiniertem Einsatz müssten eigentlich doch Mittel zur Verfügung stehen, wobei anzumerken ist, dass für den klinischen Bereich den auf chemisch/physikalischen und/oder pharmakologischen Prinzipien aufbauenden Instituten die Kompetenz und Kapazität fehlt. Da müssten Kooperationen initiiert werden.

Die beiden forschenden Schweizer Firmen Max Zeller Söhne AG und Bioforce AG wandten sich mit unterschiedlichen Thematiken an die internationale Forschungsgemeinschaft: Bioforce präsentierte Ergebnisse zu Extrakten aus Salbeiblätern (Wallungen), Sägepalmenfrüchte (Bioverfügbarkeit der Fettsäuren), Sonnenhutkraut (Echinacea purpurea – verhindert in-vitro die Adhäsion von Bakterien auf Schleimhäuten sowie antivirale Aktivität). Die Poster von Zeller beschäftigten sich mit Fragen zur Qualität und zur Sicherheit mit der Untersuchung des Einflusses von Pyrrolizidinalkaloiden auf humane Leberzellen, die interessanterweise ohne Aktivierung mit Galactose keine Toxizität zeigten. Pharmakologisch wurden weitere Beiträge zur Erklärung der Wirksamkeit von Johanniskraut und Traubensilberkerzenrhizom geleistet. In einem Hauptreferat erläuterte Jürgen Drewe, Schweizer Delegierter bei der ESCOP, Möglichkeiten zur Innovation in der Phytotherapie: Da regulatorisch die Etablierung bisher in zugelassenen Produkten nicht verwendeter Pflanzen enorm schwieirig geworden ist ergibt sich die Möglichkeit, die Indikationen bestehender Produkte auf der Basis pharmakologischer Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Vielstoffgemischen zu erweitern („translatioal research). Die Sicherheitsaspekte der zu Grunde liegenden Produkte sind dann schon garantiert. An der umfassenden Tagung war die SMGP über die Veterinärmedizin stark engagiert: Zu Workshops und Postersessions in diesem Bereich wurde auf dieser Website schon berichtet.

Sehr gross war das Interesse an der Hauptversammlung der GA, erschienen doch mehr als 100 Mitglieder. Sie bestätigften die Italienerin Anna Rita Bilia als Präsidenten. Im Vorstand (Board) und im Advisory Board ist nach dem Rücktritt von Matthias Hamburger die Schweiz nicht mehr vertreten, dies erstmals nach vielen, vielen Jahren. Immerhin wird Veronika Butterwek von der Fachhochschule Nordwestschweiz als Schriftleiterin der renommierten Zeitschrift Planta medica, die von der Gesellschaft getragen wird, weiterhin eine wichtige Position in der Gesellschaft einnehmen.

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