Phytotherapie in der Dermatologie – vielfältige Möglichkeiten


Eine Rekordzahl von fast achtzig Teilnehmenden war mit dabei, als im Rahmen des Fähigkeitsprogramms Phytotherapie für Ärzte, Apothekerinnen und VeterinärmedizinerInnen Ende September der Kurs zur Dermatologie an der ZHAW in Wädenswil angeboten wurde. Die Dermatologie bietet zahlreiche phytotherapeutische Ansätze – primär aus der traditionellen Medizin. Zugelassene Arzneimittel sind eher rar und wandern zusehends in die Kosmetik oder zu den Medizinprodukten ab. Deshalb ist die Kategorisierung oft schwierig, auch Hautpflegemittel können deshalb durchaus Bestandteil der Therapie sein, zumal sie öfters mit Indikationsansprüchen beworben werden. Viel Potential hat die Rezeptur: Die Zusammenarbeit Arzt/Apotheker kann zu therapeutischen Erfolgen führen.

Chirstoph Schempp von der Klinik für Dermatologie in Freiburg im Breisgau ist einer der wenigen Dermatologen, die zum Thema Phytotherapie forschen. Er konnte berichten, dass Geruchsrezeptoren nicht nur in Nase und Hirn sondern auf auch der Haut gefunden wurden. Ein Ansatz für die zahlreichen Anwendungen mit ätherischen Ölen, von denen sich in seiner Praxis insbesondere eine Rezeptur mit Korianderöl als natürliches Antiseptikum bewährt hat. Er präsentierte eine begeisternde Übersicht über neuere Entwicklungen (Betulin-Crème, Gerbstoffe aus Potentilla erecta bei atopischer Haut, Zubereitungen mit Johanniskrautöl bei Neurodermitis etc.) und betonte, dass das Allergiepotential pflanzlicher Zubereitungen deutlich überschätzt wird. Stephanie Scherz präsentierte zahlreiche Pflanzen, die zur Wundbehandlung eingesetzt werden können. Sie klassierte diese gemäss ihren Eigenschaften bezüglich Entzündungshemmung, Granulationsförderung, Schmerzlinderung, Durchblutungsförderung und als Antisepticum. Sie empfahl die Wunde genau zu beobachten, zu beschreiben und daraus die therapeutischen Bedürfnisse abzuleiten. Entsprechend ergibt sich daraus die richtige Wahl der passenden phyotherapeutischen Zubereitung inklusive Galenik. Zu dieser referierte Karoline Fotinos-Graf ausführlich auf Basis ihrer breiten Erfahrung in Herstellung und Therapie. Sie präsentierte das galenische Dreieck und erläuterte die Vehikeleffekte. Sie präsentierte zahlreiche Rezepturen primär mit etherischen Ölen und Hydrolaten zu verschiedensten Indikationen, auch bei Tieren. In einem zweiten Referat betrachtete sie die Anwendung von Nachtkerzenöl bei atopischer Dermatitis (primär orale Einnahme) und Mahonia aquifolium bei Psoriasis. Zum Nachtkerzenöl berichtete sie von einer interessanten Studie, bei der die Wirksamkeit mit dem Anstieg des Plasmaspiegels von Gammalinolensäure korrelierte. Ohne Anstieg konnte auch keine Wirksamkeit beobachtet werden. So können recht schnell Responder und non-Responder herausgefiltert werden. Beatrix Falch, die den Kurs auch leitete und moderierte, erläuterte die Anwendung der verschiedenen Zubereitungen der Zaubernuss (Hamamelis virginiana), Melissen- und Salbeiblätter sowie Rhabarberwurzel in Form von zur Verfügung stehenden Fertigpräparaten bei Lippenherpes und beschrieb die zahlreichen Optionen der traditionellen aber auch der klinisch belegten Phytotherapie (letztere mit einem Grünteespezialextrakt mit sehr hohem Gehalt an Gerbstoffen bei Feigwarzen – Condyloma acuminata) zur Behandlung von Warzen. Viele ihrer Empfehlungen sind an Phytozirkeln erarbeit worden. Conwitha Lapke wies darauf hin, wie in der traditionellen europäischen Medizin ein Zusammenhang zwischen Hautaffektionen und dem Funktionieren der Leber hergestellt wird und präsentierte eine Palette von die Leber anregenden Mitteln zur Ausleitung. Zum Thema Akne gibt es darüber hinaus leider nur sehr wenige Empfehlungen. Der Tag bot einmal mehr ein vielfältiges Spektrum an therapeutischen Optionen, die von den Teilnehmenden genutzt werden können.

Auch Pausen sind wichtig zum Austausch von Erfahrungen und Vertiefung des Gehörten
Auch Referentinnen lassen sich weiter bilden: Conwitha Lapke (links) und Stephani Scherz

Gespannte Aufmerksamkeit bei den Teilnehmenden

Innovationen in der Phytotherapie präsentierte Christoph Schempp aus Freiburg im Breisgau

Mehrfach im Einsatz: Karoline Fotinos-Graf vermittelt ihre breite Erfahrung in Herstellung und Therapie

 
Beatrix Falch leitete den Kurs und referierte zu einigen Themen, so auch zu den Themen Warzen und Lippenherpes