Vielfältige Möglichkeiten zur Therapie mit Arzneipflanzen aus verschiedensten Perspektiven – Kurs 10

Im Vergleich zu den Kursen mit einem Indikationsbereich als Thema würde vielleicht erwartet, dass im Kurs 10 mit dem Thema „Phytotherapie im komplementärmedizinischen Umfeld“ nur wenig konkrete Möglichkeiten zur Anwendung von Zubereitungen aus Arzneipflanzen zusammen kommen würden. Das Gegenteil war für die rund 70 Teilnehmenden (davon 1/3 Veterinärmediziner) der Fall: Die Referierenden schöpften aus ihrem Fundus. So konnte Simon Feldhaus im Rahmen seines umfangreichen Referates zur Leber berichten, dass eine der Doxorubicin vorgeschalteten Mariendisteltherapie die Nebenwirkungsrate deutlich senkt: Die Mariendistel muss aber den Leberzellschutz aufbauen können und das braucht etwas Zeit. Er erläuterte auch überzeugend die evidenzbasierte Pharmakotherapie mit auf Sylibinen standardisierten Arzneimitteln bei Leberkrankheiten und die eher tradtionellen Anwendungen bei der Leberfrühsymptomatik, die sich an Symptomen wie Müdigkeit, Verlust der Tatkraft, unspezifische Magen-/Darmbeschwerden und weniger über Abweichungen bei den Labortests äussert.
Von ihren Erfahrungen mit der Gemmotherapie, einer aus Belgien und Frankreich kommenden Therapierichtung mit Zubereitungen aus Knospen meist bekannter Arzneipflanzen, berichtete Barbara Bichsel. Die Zubereitungen sind alle flüssig und enthalten viel Glycerin, was die Applikation gegenüber den alkoholischen Tinkturen angenehmer macht. Das berühmteste Präparat wird aus den Knospen von Ribes nigrum gewonnen und vor allem bei akuten Erkältungskrankheiten eingesetzt. Barbara Bichsel berichtete von eigenen Erfahrungen bei der Behandlung der Stomatitis bei Chemotherapie und Bestrahlung. Das war eine Ergänzung zum Referat von Matthias Rostock, der gegen die Entzündungen Zubereitungen aus Arzneipflanzen empfahl, so etwa Tinkturen aus Blutwurz und Myrrhe oder eine Teezubereitung aus Thymian. Auch schleimige (Eibischj) und ölige (Sanddorn) Zubereitungen können Linderung verschaffen. Die Patienten müssen sehr oft selbst herausfinden, was für sie geeignet ist, da die Ansprechraten sehr individuell sind. Peter Frey erläuterte, dass eingestellte Tinkturen aus der Schlangenwurz mit dem Wirkstoff Reserpin als Hauptalkaloid eine sichere Blutdrucksenkung erzielen und für den erfahrenen Phytotherapeuten eine Option gegenüber synthetischen Wirkstoffen, vor allem bei Verträglichkeits- und Akzeptanzproblemen, darstellen können. Andere Pflanzen erzielen eine beschränkte Wirkung und sind je nach Eigenheiten des Patienten einzusetzen.
Eine ganz besondere Arzneipflanze ist die Mistel. Gerhard Schaller gab einen Einblick in die Botanik der Pflanze und in die Überlegungen der anthroposophischen Medizin, die zu verschiedenen Präparaten führten, die heute erfolgreiche eingesetzt werden. Er und Matthias Rostock konnten einen Fundus an wissenschaftlichen Daten präsentieren. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Mister erlaubt die Exkursion der SMGP vom 4./5. Mai zum einhundertjährigen Jubiläum von Iscador, der in der Schweiz am meisten verbreiteten Zubereitung. Den Auftakt zum Kurs machte Simon Becker, indem er einen Einblick in die Medikation der Traditionellen Chinesischen Medizin gab. Die Prinzipien der TCM sind ähnlich derjenigen der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde (die im Leberreferat mit  einbezogen wurde). Sie bauen auf zahlreichen Regelkreisen und Zuordnungen von Krankheiten zu Eigenschaften, die dann von den entsprechenden Arzneipflanzen entweder gebremst oder gefördert werden. Dass Phytotherapie nicht nur aus über eine Medikation erfolgen kann wird an den SMGP-Kursen immer wieder thematisiert. Diesmal ging es ganz praktisch her und zu: In der Schweiz hat sich vor allem in der Geriatrie die Gartentherapie in den letzten Jahren stark verbreitet. Die Therapie hat zum Ziel Menschen zu aktivieren, indem sie einen eigenen Garten gemeinsam pflegen. Dabei kommen durchaus auch Arzneipflanzen zum Einsatz, unter Umständen mit dem Ziel den eigenen Tee von Abis Z selbst zu produzieren. Aber auch schon Geruch, Geschmack und Blütenpracht wirken – neben der gärtnerischen Arbeit z.B. im Hochbeet - aktivierend.
Der nächste Kurs im Rahmen des Fähigkeitsprogramms betrachtet die Phytotherapie in der Pädiatrie und findet am 18. Januar in Wädenswil statt. Der zehnte Zyklus wird dannzumal geschlossen und danach der neue ohne Unterbruch gestartet: Am 22. März zum Thema Phytotherapie bei Erkrankungen des Magen-/Darm-Traktes.  Sichern Sie sich schon heute einen Platz an diesen attraktiven Veranstaltungen.

Simon Becker

Simon Feldhaus und Beat Meier

Beatrix Falch

Barbara Bichsel

Gerhard Schaller

Matthias Rostock