Phytoöstrogene in den Wechseljahren

Dr. oec. troph. Antonie Danz, D - Köln

Phytoöstrogene sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in unterschiedlicher Konzentration und biochemischer Struktur in verschiedenen Pflanzen vorkommen. Die Phytoöstrogene ähneln in ihrer Struktur (heterozyklische Phenole) dem 17ß-Östradiol und können an Östrogenrezeptoren gebunden werden. Ähnlich der SERM-Produkte (Selective Estrogen Receptor Modulator) besitzen sie eine leichte östrogene aber auch potentielle antiöstrogene Wirkung. Lignane und Isoflavone sind die Phytoöstrogene mit der zum derzeitigen Wissensstand bekanntermaßen größten Bedeutung für den menschlichen Stoffwechsel. Mehrere Tierversuche, laboranalytische Modellstudien als auch Humanstudien deuten auf eine positive Wirkung von Phytoöstrogenen im Hinblick auf Beschwerden und Krankheiten hin, die mit dem Einfluss von Östrogenen in Zusammenhang gebracht werden. Dazu gehören Krebs (Brust, Gebärmutter, Prostata, Darmkrebs), Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen und Hitzewallungen. Besonders reich an den Vorläufern der im menschlichen Organismus aktiven Isoflavone sind Sojabohnen und deren Produkte. Lignane finden sich vor allem im Leinsamen. Sorte, Klima, Ernte und Fruchtreife des Lebensmittels sowie Fermentationsprozesse beeinflussen die Konzentration an Phytoöstrogenen in Lebensmitteln. Ebenso hat der mikrobielle Abbau der Nahrungsphytoöstrogene im Darm auf die Konzentration der biologisch aktiven Phytoöstrogene Einfluss. Da noch keine Langzeitstudien und größere Interventionsstudien zur Wirkung von Phytoöstrogenen in den Wechseljahren vorliegen, erscheint es zu früh zu behaupten, Phytoöstrogene könnten eine Alternative zur Hormonersatztherapie (HRT) beziehungsweise zu den bislang postulierten positiven Wirkungen einer HRT (WHI-Studie; Women´s Health Initiative) sein. Inwiefern negative Effekte durch eine langfristige Einnahme hochdosierter Phytoöstrogenkonzentrate auftreten können, wurde noch nicht ausreichend untersucht. Die langfristige Einnahme solcher Konzentrate sollte daher mit Vorsicht betrachtet werden. Besonders im Hinblick auf die jüngst veröffentlichten Ergebnisse im Rahmen der WHI-Studie erscheint es ratsam, die Bedeutung der Ernährung für die Befindlichkeit von Frauen in den Wechseljahren in deren Komplexität zu betrachten und sich nicht nur auf den Effekt einzelner Nährstoffkomponenten zu konzentrieren. Erfahrungswissen, beispielsweise aus der Traditionellen Chinesischen Medizin kann in diesem Zusammenhang gute Hinweise über Bedeutung und Potenzial der Ernährung hinsichtlich Prävention und Therapie von Beschwerden in den Wechseljahren liefern.