Phytotherapie bei Vaginalinfektionen

Dr.med. Regina Widmer, Basel/Solothurn


Korrektur Rezept Vaginale Kräutercreme

Topische Phytotherapeutika und einfache Mittel zur Pflege des Scheidenmilieus sowie des äusseren Genitales eignen sich ausgezeichnet für die meisten Vulvo-Vaginalaffektionen. Bei unkomplizierten Fällen lernen Frauen schnell, was ihnen am besten hilft. Bei hartnäckigeren Verläufen stehen eine Fülle von weiteren phytotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung oder können neu entwickelt werden. In engem Austausch zwischen der betroffenen Frau und der behandelnden Person entstehen so individuelle Therapien.
Bei der Grundpflege des mucocutanen Epithels der Vulva handelt es sich hauptsächlich um ein Fetten der Haut. Trockene Haut juckt eher und ist anfälliger auf Läsionen und Infektionen. Oft genügt diese einfache Massnahme oder trägt mindestens zur Linderung der Beschwerden bei. Bei störendem vaginalem Fluor oder bei latenter Mykose ist eine Ansäuerung der Scheide oft hilfreich. Diese kann mit Essig- oder Zitronenwasseranwendungen und/oder Joghurt-Applikationen erreicht werden. Bei telefonischen Konsultationen der „Notfallbeisser“ können als erste Selbsthilfe weitere echte Hausmittel wie Kamillen-Sitzbäder oder das Auflegen von Schwarzteebeuteln auf offene Hautstellen empfohlen werden. Für diese Tipps sind sowohl die Frauen wie auch die Praxisassistentinnen sehr dankbar. Genügen diese Massnahmen nicht, kommen potentere Phytotherapeutika zum Zuge. Dabei sind die wichtigsten Wirkstoffgruppen die ätherischen Oele und die Gerbstoffe. Viele ätherische Oele wirken antiseptisch und können als Monosubstanzen allein oder kombiniert in vielfältiger Weise angewandt werden, z.B. in Vaginalspülungen, Sitzbädern, Tamponaden, Ovula oder Cremes.
Majoran, Thymian, Lavendel und Salbei wirken antimykotisch und antibakteriell und riechen zudem angenehm. Sie können bei den beiden häufigsten Beschwerdebildern der Vulvo-Vaginalcandidose mit dem Leitsymptom Pruritus und der bakteriellen Vaginose mit dem Leitsymptom unangenehm riechender Fluor eingesetzt werden. Teebaumöl und das nahe verwandte Niaouli wirken zusätzlich antiviral und können bei Herpes genitalis und HPV (= Human Papilloma Viren) der Vulva und Zervix eingesetzt werden. Melisse hat sich ebenfalls bei Herpes bewährt. Gartensalbei und Muskatellersalbei wirken u.a. östrogenisierend und sind in östrogenarmen Zeiten wie dem Wochenbett und den Wechseljahren bei Trockenheit bzw. Atrophie des Vulvo-Vaginalepithels angezeigt. Gerbstoffe werden nicht isoliert, sondern meistens als pflanzliche Extrakte, also Vielstoffgemische, eingesetzt. Es wird der adstringierende und antiinflammatorische Effekt der Gerbstoffe genutzt und bei nässenden Affektionen wie Herpes genitalis oder Ekzemen eingesetzt. Einen sehr hohen Gerbstoffgehalt weist die Eichenrinde auf. Weitere bekannte mildere Gerbstoffdrogen sind z.B. Malve (Chäslichrut) und Zaubernuss (Hamamelis).
Eine wertvolle antiseptische Droge ist der Knoblauch. Er wirkt u.a. gegen Trichomonaden. Nach dem Abklingen der akuten Symptome einer Vulvaaffektion können wundheilende Cremes zum Einsatz kommen, z.B. aus Ringelblumen-Extrakt oder eine vaginale Kräutercreme mit diversen ätherischen Oelen. Eine gesunde Schwangere (ohne Frühgeburtsbestrebungen, ohne Blutungen) kann auf ausdrücklichen Wunsch nach natürlichen Behandlungsmethoden bei leichter Mykose mit Pruritus sanfte saure Vaginalwaschungen vornehmen. Auch spricht nichts gegen eine kurzzeitige Applikation von Joghurt-Tampons. Aetherische Oele sollen jedoch zurückhaltend und nur kurzzeitig eingesetzt werden. Vor der Geburt sollte sichergestellt sein, dass keine floride Candidose besteht und allenfalls mit antimykotischen lokalen Chemotherapeutika therapiert werden.
Zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen: Magistralrezepturen werden meist problemlos von den Krankenkassen übernommen, konfektionierte Fertigprodukte je nach Spezialitätenliste und/oder dem Abschluss einer Zusatzversicherung.
Wünschenswert wäre ein Forum für gynäkologisch interessierte PhytotherapeutInnen, um die Fülle der Rezepte und Erfahrungen auszutauschen.