Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen in der Gynäkologie

Dr. med. Dorothea Allemann, Zürich

Etwa 10 - 20% aller Frauen erkranken im Lauf ihres Lebens an einem Harnwegsinfekt (HWI). Subjektiv sind diese Infekte meistens von einer Algurie, Pollakisurie und Dysurie begleitet. Trotz gezielt eingesetzter Antibiotika-Therapie erkranken manche Frauen immer wieder, offensichtlich durch einen Mangel an spezifischen vaginalen Antikörpern, die ein Aufsteigen der Keime in die Blase verhindern können. Die Kolonisierung der Blase mit Keimen löst aber noch keine Entzündung aus, sondern erst die Invasion der Bakterien in das Urothel. Nicht allen Keimen gelingt das gleich gut.
Die wichtigste prophylaktische Maßnahme ist ein Verhindern der Adhäsion von Erregern an die Blasenwand.
Die häufigsten Keime sind E. coli, gefolgt von Staphylokokken und Klebsiellen. Erst die aufsteigende Infektion in die oberen Harnwege bringt ernsthafte Komplikationen mit sich.
Eine besondere therapeutische Herausforderung ist die interstitielle Cystitis, die bevorzugt junge, aktive Frauen befällt. Auch die unspezifische Urethritis und die Reizblase können zum „Crux medicorum“ werden.
Mit besonderer Sorgfalt muss der HWI in der Schwangerschaft beobachtet und betreut werden. Denn durch die anatomischen Gegebenheiten kann es zu Komplikationen kommen, die den Einsatz von Antibiotika notwendig machen.
Mindestens 20% der Frauen über 65 Jahren leiden an einem HWI. Der asymptomatische HWI benötigt keine Antibiotika-Therapie, sondern kann bestens mit Phytopharmaka behandelt werden.
Prophylaktische Maßnahmen sind die Steigerung der Diurese mit Speisen, Gewürzen und Arzneipflanzen (z.B. Goldrute, Lespedeza). Die Preiselbeere benetzt mit Lektinen die Schleimhaut und verhindert so die Adhäsion von Bakterien. Als Urindesinfizienz wirken Piper cubeba, Folia Bucco u.a.m.
Bei der Komplexität des Krankheitsgeschehens ist auch eine pH-Änderung durch Schaukeldiät und eine Immunmodulation erfolgversprechend. Spezielle Rezepturen mit Uva ursi oder Tropaeulum majus u.a. wirken entzündungshemmend und können als Fertigrezepturen oder als Tee genommen werden.