Phytotherapie bei Endometriose

Heide Fischer, Aerztin, D - Freiburg i.Br.

Die Bedeutung der Endometriose in der gynäkologischen Praxis
Endometriose ist eine für alle am Behandlungsprozess Beteiligten ausserordentlich belastende Erkrankung. Für die Betroffenen, die mit Schmerzen geplagt sind und deren Kinderwunsch in einem hohen Prozentsatz unerfüllt bleibt, wie für die Behandler, die meist weder mit konservativer noch mit operativer Therapie eine langfristige Beschwerdefreiheit der Patientin erreichen können und nach 5 Jahren mit Rezidivquoten von 50% rechnen müssen. Die hormonelle Therapie stösst mit ihren Nebenwirkungen an die Toleranzgrenze der Patientinnen und ist nur über einen begrenzten Zeitraum anwendbar. Auch das Einsetzen der Menopause garantiert nicht, dass die Erkrankung zum Stillstand kommt, da bei einem Teil der Patientinnen die Endometriose hormonunabhängig wächst.
Definition: Endometriumzellen siedeln sich ausserhalb der Gebärmutter, meist im kleinen Becken an. Es finden sich Herde an den Ovarien, den Tuben, den Gebärmutterligamenten, dem Douglas´schen Raum, dem Bauchfell, an Darm, Blase oder Harnleiter, seltener ausserhalb des kleinen Beckens.
Epidemiologie: Betroffene haben im Durchschnitt eine 5-jährige Beschwerdeanamnese vor Diagnosestellung. Endometriose wird am häufigsten zwischen dem 25. und dem 29. Lebensjahr festgestellt, in bis zu 80% aller Bauchspiegelungen zur Sterilitätsabklärung werden Endometrioseherde gefunden.
Diagnostik: Die Diagnose Endometriose kann nur durch eine Gewebeentnahme mit anschliessender histologischer und biochemischer Untersuchung gesichert werden. Endometrioseherde stellen sich makroskopisch als bräunliche bis schwarze Implantate dar, die blutgefüllte, zystische Strukturen bilden können. Mikroskopisch finden sich normale endometriumtypische Drüsenstrukturen, deren funktionelle Veränderungen denen des uterinen Endometriums entspricht, aber auch unreife und weniger differenzierte Zelltypen, die kein hormonabhängiges Wachstum zeigen, und entsprechend wenig bis keine Östrogenrezeptoren aufweisen. Das Klassifikationssystem der American Fertility Society in seiner revidierten Fassung stellt einen auch in der Klinik brauchbaren Score dar, der das Ergebnis einer operativen Untersuchung festhält.
Ätiologie: Die Transplantationstheorie nimmt eine "retrograde Menstruation" an, Endometriumzellen gelangen während der Periodenblutung durch die Eileiter in den Bauchraum und finden günstige Ernährungsbedingungen im Bereich des Bauchfelles. Absiedelungen ausserhalb des Beckens werden durch den Transport über den Lymph- oder Blutweg erklärt.
Immunologische Beobachtungen: Es findet sich eine verminderte Makrophagenaktivität in der Peritonealflüssigkeit an Endometriose Erkrankter. Dies stellt einen selektiven Immundefekt dar, wodurch Endometriumfragmente an atypischer Stelle überleben können.
Symptomatik: Festzustellen ist, dass die Symptome Endometrioseerkrankter nicht mit der Ausdehnung des Befundes nach dem rAFS korrelieren. Es finden sich mässige bis schwerste Menstruationsbeschwerden, aber auch zyklusunabhängige Unterbauchschmerzen z.T. in Abhängigkeit von Stuhlgang oder Wasserlassen. Die Frauen berichten von Blutungs- und Zyklusstörungen und Dyspareunie. Ca. 50% klagen über ungewollte Kinderlosigkeit.
Schulmedizinische Therapie: Die operative Therapie kann meist laparoskopisch durchgeführt werden und dient der Excision oder Koagulation von Herden, der Entfernung von Zysten, der Lösung von Adhäsionen und der eventuellen Rekonstruktion der Tuben. Die hormonelle Behandlung umfasst eine reine Gestagengabe, oder die Gabe von Danazol oder GnRH-Analoga, die über eine Blockade der Hypophyse die Aktivität der Ovarien einschränken und einen postmenopausalen Zustand herbeiführen. Die Therapiedauer der letztgenannten Medikamente ist wegen der Gefahr von Osteoporose, Arteriosklerose und Stoffwechselveränderungen auf sechs Monate beschränkt. Die Schwangerschaftsrate kann durch eine medikamentöse Behandlung nicht verbessert werden.

Naturheilkundliche Therapie der Endometriose
• allgemein regulierende und symptomatische Behandlung mit Heilpflanzen unter besonderer Berücksichtigung proteolytischer, immunmodulierender und hormonell wirksamer Pflanzen
• diätetische Behandlung
• Bewegungstherapie
• psychosomatische Behandlung.

Allgemein regulierende phytotherapeutische Behandlung
a. Wachstumshemmung und Immunmodulation durch Mistel als Teedroge oder als Injektionstherapie mit entweder standardisierten Mistellektinpräparaten oder Auszügen der ganzen Pflanze, die nach anthroposophischen Richtlinien aufbereitet wurden.
b. Hormonregulation mit progesteronwirksamen Pflanzen wie Mönchspfeffer, Frauenmantel, Schafgarbe, Steinsamen, Yamswurzel, die, wie wir inzwischen wissen, hormonmodulierend und nicht substituierend wirken
c. Unterstützung der Leberfunktion im Sinne einer Entgiftung, aber auch zum Abbau des hohen zirkulierenden Östrogens mit Mariendistelsamen.
d. Ausleitung über Darm, Haut, Niere und Leber mit u.a. Brennnessel, Löwenzahn, Bärlauch, Goldrute, Süsswasseralgen-Präparaten.
e. Darmsanierung/Verdauungsregulation mit Bitterstoffdrogen wie Artischockenblättern, Enzianwurzel, Tausendgüldenkraut, Wegwarte und/oder mikrobiologischen Präparaten.
f. Schleimhautberuhigung mit Ringelblume, Leinsamen, Eibisch, Taubnessel, Isländisch Moos.

Symptomatische Behandlung mit Heilpflanzen
a. Schmerzbekämpfung mit Gänsefingerkraut, Pestwurz, Weidenrinde, Schöllkraut, Mädesüss, Mutterkraut, Khella, Hamamelis.
b. Blutstillung bei Hypermenorrhoe mit Blutwurz, Hirtentäschel, Schafgarbe.
c. Unterstützung der Blutbildung mit Brennnessel, Vogelknöterich, Löwenzahn, Wildgemüsen.
d. seelische Unterstützung mit Johanniskraut, Melisse, Passionsblume, Baldrian.

Beispiel einer phytotherapeutischen Rezeptur
Ein wie folgt komponierter Heiltee (Infus) sollte über einen Zeitraum von 6 Wochen getrunken werden, danach Wiedervorstellung und Modifikation der Rezeptur.
Rp. Agnis casti semen cont. 30,0
Cardui mariani fruct. cont. 35,0
Calendulae hb. 25,0
Taraxaci hb. 25,0
Visci albi hb. 35,0
Alchemillae hb. 25,0
M.species D.S. 3x tgl. 1 Tasse a.c., 1 TL pro Tasse, 10 min. zugedeckt ziehen lassen.
Ergänzt wird der Tee durch eine auf eine schmerzhafte, starke Regelblutung ausgerichtete Tinktur, die 5 Tage vor der zu erwartenden Menstruation bis zum Abklingen der Beschwerden eingenommen wird.
Rp. Anserinae Tct.
Millefolii Tct.
Bursae pastoris Tct.
M. aa ad 50 ml, D.S. 3x tgl. 20 gttae (in Heiltee)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Phytotherapie mit ihren wohluntersuchten Heilmitteln ein optimal geeignetes Instrumentarium sowohl zur kausalen wie zur symptomatischen Behandlung der Endometriose darstellt, ergänzt durch Ernährungshinweise, Bewegungsimpulse im Sinne einer verbesserten Beckendurchblutung sowie ein Gesprächsangebot für die in ihrem Allgemeinbefinden häufig sehr beeinträchtigten Patientinnen.