20. Schweizerische Tagung für Phytotherapie, Baden, 22.9.2005

Zum 20. Mal organisierte die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) die Schweizerische Tagung für Phytotherapie. Das diesjährige Thema lautete „Pflanzliche versus synthetische Arzneimittel“. Die Tagung stand auch im Zeichen des bundesrätlichen Entscheides gegen die Komplementärmedizin. Bekanntlich hat Bundesrat Couchepin im Juni entschieden, die fünf provisorisch in die Grundversicherung aufgenommenen komplementärmedizinischen Therapiemethoden, darunter die Phytotherapie, wieder daraus zu entfernen. Die Tagung kann auch als wissenschaftliche Antwort auf diesen negativen politischen Entscheid bezeichnet werden.
International anerkannte Wissenschafter aus Forschung und Klinik stellten in ihren Referaten durch klinische Studien abgestützte Wirksamkeitsnachweise von pflanzlichen Präparaten vor. Dies geschah am Beispiel von Johanniskraut, Weissdorn, Arnika und Traubensilberkerze. Mit Johanniskraut- und Cimicifuga wurde auch gezeigt, dass diese Phytotherapeutika verglichen mit entsprechenden synthetischen Präparaten nebenwirkungsärmer und, im Falle von Johanniskraut, deutlich kostengünstiger sind.
Zwei Referate stellten ein pflanzliches Präparate gegen Fieberblasen beziehungsweise Möglichkeiten von Bryophyllum als pflanzlichen Wehenhemmer vor. Diese Referate zeigten, dass es auch weniger bekannte Anwendungsgebiete gibt, in denen sich pflanzliche Präparate schon bewährt haben oder die gegenwärtige Forschung viel versprechende Möglichkeiten aufzeigen.
Ein weiteres Referat zeigte, dass pflanzliche Arzneimittel in die Hände von Fachleuten gehören, denn Phytotherapeutika, wie aber auch Lebensmittel und Gewürze können zu Arzneimittelinteraktionen führen. Diese sind aber im Vergleich zu synthetischen Medikamenten selten und werden von der Fachwelt manchmal einseitig überbewertet.
Den Festvortrag zur 20. Schweizerischen Tagung für Phytotherapie hielt Prof. Michael Wink, Universität Heidelberg, zum Thema „Pflanzliche Vielstoffgemische als evolutionärer Vorteil im Vergleich zu Monosubstanzen“. Wink erläuterte unter anderem, dass die Evolution den Menschen eher auf Vielstoffgemische ausgerichtet hat, wie sie in den pflanzlichen Arzneipräparaten vorkommen, als auf Monosubstanzen, die für synthetische Medikamente typisch sind.

SMGP, 22.09.2005
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Weitere Informationen: SMGP-Medienstelle