Erfahrungen mit Sägepalmenextrakt bei Prostatavergrösserung bleiben insgesamt positiv

In der Schweiz und in andern Ländern Europas sind verschiedene pflanzliche Präparate gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie, BPH) von den Arzneimittelbehörden zugelassen. Es gibt verschiedene Pflanzen mit einer volksmedizinisch überlieferten und mit wissenschaftlichen Studien nachgewiesener Wirksamkeit gegen leichte und mittlere Stadien der benignen Prostatahyperplasie. Die bekannteste, am besten dokumentierte und am häufigsten verwendete Pflanze ist die Sägepalme (Lateinischer Name: Serenoa repens oder Sabal serrulata). Aus deren Früchten wird ein lipophiler Extrakt hergestellt. Zahlreiche klinische Studien haben die Wirksamkeit der Sägepalme bei leichter und mittelschwerer benigner Prostatahyperplasie wissenschaftlich belegt. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy ESCOP zitiert in ihrer Monographie (2003) zum Wirksamkeitsnachweis rund 80 Referenzen aus Klinik und Pharmakologie. Auch Ärzte mit einer eher skeptischen Haltung gegenüber der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) verschreiben Präparate mit dem Extrakt aus den Sägepalmenfrüchten als Wirkstoff zur Therapie der benignen Prostatahyperplasie. Die SMGP empfiehlt eine Stufentherapie mit zum Beispiel Sägepalme als Basistherapie und nachfolgender Substitution durch synthetische Arzneimittel bei ungenügender Wirksamkeit. Das deutlich geringere Nebenwirkungspotential der pflanzlichen Zubereitungen spricht für eine solche Vorgehensweise.
Derzeit sorgt eine wissenschaftliche Studie, die in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ publiziert wurde, für Diskussionen. Die Studie über 52 Wochen zeigt keinen Unterschied zwischen Verum und Plazebo. Verschiedene Schweizer Medien haben Zusammenfassungen der Publikation erstaunlich unkritisch veröffentlicht und negieren generell die Wirksamkeit der Sägepalme. Die grosse Zahl positiver Daten zu Sägepalmenzubereitungen einschliesslich weiterer Langzeitstudien wurde vollständig unterschlagen, ein so genanntes Wundermittel vermeintlich entzaubert.
Behandelt wurden in der amerikanischen Studie Männer mit Beschwerden im oberen Bereich der für mittelschwere Beschwerden geltenden Skala. Da wäre es interessant zu wissen, welche Effekte die Autoren von synthetischen Arzneimitteln in einer analogen Studie erwartet hätten. Um eine wirkliche Aussage bezüglich des Potentials der Therapie mit Sägepalme zu machen wäre ein dritter Arm mit einem synthetischen Vergleichspräparat wünschenswert gewesen Die Autoren führen zudem die Diskussion sehr einseitig, indem sie zum Beispiel Defizite bei Studien mit positiven Resultaten suchen und Probleme der eigenen Studie ausblenden, zum Beispiel einen ungewöhnlich grossen Plazeboeffekt zu Studienbeginn (Run-in-Periode) in beiden Behandlungsgruppen.

Nach Ansicht der SMGP gibt es weiterhin genügend Evidenz aus anderen klinischen Studien einschliesslich Langzeitstudien aber auch umfangreiche nachvollziehbare therapeutische Erfahrung von Ärzten und betroffenen Patienten, um Präparate mit Extrakten aus Sägepalmenfrüchten weiterhin als wirksam zur symptomatischen Behandlung leichter bis mittelschwerer Prostathyperplasie einzusetzen.

SMGP 22.02.2006
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Weitere Informationen: Medienstelle der SMGP