Weltweit erste Tagung über Phytotherapie und Palliativmedizin

DAn der 21. Schweizerischen Tagung für Phytotherapie vom 23.11.2006 in Baden hat die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) eine weltweite Premiere geliefert: Zum ersten Mal überhaupt wurde bei einer Phytotherapietagung die Palliativ- und Supportivmedizin thematisiert. Bei den verschiedenen Referaten kam zum Ausdruck, dass die Phytotherapie in diesem modernen Gebiet der Medizin wichtige Beiträge zu einer differenziertenBehandlung leisten kann.

Eingerahmt wurden die Fachreferate zur Phytotherapie von Gedanken, die die Sicht der Patienten in ein Therapiekonzept einbringen. Beiträgen von Eva Waldmann, palliative care – Netzwerk Zürich und Prof. Dr. med. Gerd Nagel, Stiftung Patientenkompetenz, beschrieben einerseits die Palliativmedizin als Haltung und Behandlungskonzept, andererseits die Patientenkompetenz als integralen Bestandteil einer modernen medizinischen Behandlung.
Dr. med. Jörg Melzer, Institut für Naturheilkunde, Universitätsspital Zürich, zeigte in seiner Analyse klinischer Studien auf, dass die supportive Anwendung von Mistelpräparaten bei Patienten mit Tumorerkrankungen die Lebensqualität verbessern kann. Prof. Dr. A. Viviani, Hochschule Wädenswil, und Dr. Lukas Rist stellten als A. Vogel-Preisträger die Möglichkeiten moderner biotechnologischer Methoden zur Untersuchung der Pharmakologie von Mistelextrakten auf Krebszellen vor. Es besteht die Hoffnung, dass in Zukunft mit Hilfe eines Genchips die verschiedenen Mistelextrakte noch gezielter bei Patienten eingesetzt werden können.
Prof. Dr. med. Reinhard Saller, Institut für Naturheilkunde, Universitätsspital Zürich, führte in seinem Referat durch die vielfältigen Auswirkungen einer Tumorerkrankung auf den Magen-Darm-Trakt und die phytotherapeutischen Möglichkeiten der Behandlung der dabei auftretenden Symptome.
Dr. med. Günther Spahn, Klinik Susenberg, Zürich, berichtete über die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten orientalischer Extrakte aus Opium, Ingwer, Myrrhe und Weihrauch in der onkologischen Palliativmedizin, bei der vor allem der Lipoxigenase-Hemmer Boswellia serrata (Indischer Weihrauch) bei fortgeschrittenen primären Hirntumoren schon viel versprechende Resultate gezeigt hat.
Dr. med. Mathias Rostock, Klinik für Tumorbiologie, Universität Freiburg i.Br. stellte phytotherapeutische Möglichkeiten für die Behandlung von Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum vor, die zu den häufigen Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapien bei Tumorerkrankungen gehören.
Phytotherapeutische Möglichkeiten in der Intimpflege der Frau beziehungsweise Supportivbehandlung uro-gynäkologischer Erkrankungen waren die Themen der Referate von Dr. med. Regina Widmer, Frauenärztin FMH, sowie von Prof. Jakob Eberhard, Chefarzt Frauenklinik, Kantonsspital Frauenfeld. Während die Gynäkologin Widmer das Tabuthema beim Namen nannte und verschiedene Pflanzenanwendungen der Imtimpflege beschrieb, zeigte Eberhard, wie vielfältig Phytotherapeutika als Zusatzmedikation bei urogenitalen Infekten und als Desinfizientien eingesetzt werden können und dass Phytotherapie heute in modern geführten Spitälern zum Pflegestandard gehören sollten.

SMGP 28.11.2006
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Weitere Informationen: Medienstelle der SMGP