Fencheltee rehabilitiert!
Fencheltee ist ein wirksames und nebenwirkungsarmes pflanzliches Arzneimittel, das ohne Bedenken bei Säuglingen und Kleinkindern gegen Bauchkrämpfe, Bauchschmerzen und Blähungen eingesetzt werden kann.


Der Fencheltee wird wegen seiner sehr guten Akzeptanz bei Säuglingen und Kleinkindern sowie wegen seiner guten Wirkung und den geringen Nebenwirkungen nicht nur seit Generationen in vielen Familien mit Erfolg eingesetzt, sondern auch in vielen Geburtskliniken verwendet und von Hebammen empfohlen..

In den letzten Jahren sind jedoch Bedenken gegenüber dem Fencheltee aufgetaucht: Eine Mitteilung des deutschen Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) von 2001 sowie die Stellungsnahme des Office of Environmental Health Hazard Assessment (USA) im Jahr 1999 stuften den in Fenchelfrüchten vorkommenden Inhaltsstoff Estragol als potentiell kanzerogen ein und haben zur Einschränkung der Verwendung Estragol-haltiger Lebensmittel und Arzneipflanzen aufgerufen. Diese Meldungen haben die Verbraucher teilweise verunsichert.

Sie veranlassten das Institut für Naturheilkunde an der Universität Zürich unter Leitung von Professor Dr Reinhard Saller die vorliegenden Daten nach modernen wissenschaftlichen Kriterien neu zu evaluieren. Die Autoren einer kürzlich publizierten Arbeit kamen zu folgenden Schlüssen:
• Fenchel wird seit Jahrhunderten als Arznei- und Gewürzpflanze verwendet.
• Alle tierexperimentellen Untersuchungen wurden mit isoliertem Estragol durchgeführt. Der Mensch nimmt aber Estragol in Form eines phytotherapeutischen Vielstoffgemisches (z.B.Trinken von Fencheltee, Würzen mit Basilikum oder Estragon) ein.
• Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der Stoffwechsel von Estragol beim Menschen und bei Nagern zum Teil erheblich unterscheidet und damit die Übertragbarkeit der Resultate nicht zulässig ist.
• Extrakte aus Fenchelfrüchten enthalten eine ganze Reihe antioxidativer Inhaltsstoffe, die als Karzinom protektiv gelten.
• Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Anethol, die Hauptkomponente des ätherischen Öls von Fenchel, neben der antioxidativen auch antiinflammatorische und antikanzerogene Wirkungen zeigt.

Die Autoren weisen auf ein grundsätzliches Problem der Forschung bezüglich Arzneimittelsicherheit von Naturstoffen hin: Toxizitätsstudien werden aus Gründen beschränkter Ressourcen (Versuchstiere, Zeit) immer im Hochdosisbereich durchgeführt. Auf diese Weise lassen sich sehr effizient kanzerogene Stoffe auffinden. Die nachfolgende Extrapolation von hohen auf niedrige Dosen führt jedoch mitunter zu einer massiven Überschätzung des Risikos, da bei derart hohen Dosen beim Versuchstier fast immer Anzeichen einer Vergiftung auftreten.

Die Bilanz der 2007 von Iten und Saller in „Internistische Praxis“ publizierten Nutz- Risikoabschätzung des Fencheltees im Kindesalter lautet folgendermassen:

„Die mittlerweile vielfach nachgewiesenen nützlichen Aspekte des Fencheltees rechtfertigen seine sachgerechte Verwendung nach wie vor. Wir können »entwarnen« – und den Fencheltee der verunsicherten Bevölkerung weiterhin empfehlen.“

Diesen Überlegungen folgt mittlerweile auch die an Monographien für Arzneipflanzen arbeitende Europäische Zulassungsbehörde EMEA, die Fencheltee ab einem Alter von drei Monaten im Monographieentwurf zulässt. Dies ist bemerkenswert, ist doch diese Behörde ansonsten bezüglich Kinderdosierungen sehr zurückhaltend.

SMGP, 23.5.2007
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