Qualität der Forschung mit pflanzlichen Arzneimitteln ausgewiesen

Das Projekt Evaluation Komplementärmedizin wurde vor nun schon mehr als zwei Jahren beendet mit der behördlichen und politisch geprägten Interpretation, dass die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der evaluierten komplementärmedizinischen Methoden nicht gegeben ist. Die Sicht der beteiligten Experten war auf Basis der vorliegenden Resultate jedoch eine andere. Endlich liegt die überzeugendste der aus diesem Programm hervorgegangenen Studien zur Phytotherapie – sie stand damals den Entscheidungsträgern zur Verfügung – in publizierter Fassung vor. Sie stammt aus dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Sie wartet mit interessanten Fakten auf. Die Autoren um Professor Matthias Egger räumen auf mit Vorurteilen. Ihre Meinung hat Gewicht, denn den Epidemiologen kann keinesfalls eine Voreingenommenheit zugunsten der Phytotherapie vorgeworfen werden. Wird Gleiches mit Gleichem verglichen – sprich identische oder ähnliche Fragestellungen bezüglich Indikationen – so zeigt sich, dass die Forschungsqualität in der europäisch geprägten Phytotherapie (western phytotherapy) nicht hinter der Forschungsqualität von Studien mit synthetischen Arzneimitteln ansteht. Die Autoren schreiben (sinngemäss, Übersetzung aus dem Englischen); „Unsere Resultate stellen den weit verbreiteten Glauben, dass die Qualität und die Evidenz bezüglich Wirksamkeit von pflanzlichen Arzneimittel generell geringer ist als die verfügbare Evidenz für die konventionelle Medizin, in Frage.“ Der Phytotherapie wird sogar im geprüften Set eine höhere Qualität zugesprochen. Die Qualität der Studien geht einher mit der Qualität der Evidenz: Und die sagt aus, dass pflanzliche Arzneimittel genauso von Plazebo abheben wie vergleichbare synthetische Arzneimittel. Es wurden immerhin je 89 Studien paarweise in die umfassende Evaluation mit einbezogen. Natürlich gibt es auch Kritik an dieser Studie, so wird insbesondere die Auswahl der synthetischen Arzneimittel in Frage gestellt. Diese war nicht einfach, denn pflanzliche Arzneimittel werden oft in Anwendungsbereichen eingesetzt, für die es eigentlich keine wirklich äquivalenten synthetischen Arzneimittel gibt.

SMGP, 20.09.2007
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Originaltitel der Publikation:
Matched-pair study showed higher quality of placebo-controlled trials in West-ern phytotherapy than conventional medicine
Linda Nartey, Karin Huwiler-Müntener, Aijing Shang, Katharina Liewald, Peter Jüni,
Department of Social and Preventive Medicine, University of Bern, Berne, Switzerland
Matthias Egger
MRC Health Services Research Collaboration, Department of Social Medicine, Uni-versity of Bristol, United Kingdom

Die Publikation ist in folgender Zeitschrift erschienen:
Journal of Clinical Epidemiology 2007;60:787-794.
Verlag: Elsevier, Amsterdam