Phytotherapie darf nicht gekippt werden

Nach der deutlichen Annahme der Motion Forster (19 Ja, 3 Nein) im Ständerat, die die erneute Überprüfung von drei der fünf im Juni 2005 nach der abrupten, aus Sicht der Wissenschaft unsachgemässen Beendigung des Projektes „Evaluation Komplementärmedizin“ aus dem Grundleistungskatalog gestrichenen Methoden durch den Bundesrat fordert, nimmt die SMGP folgendermassen Stellung:
Die Phytotherapie wurde bei diesem Vorstoss unverständlicherweise nicht mitgeführt. Dies obwohl für die Phytotherapie eine grosse Zahl von Daten vorliegen, die zeigen, dass mit pflanzlichen Arzneimitteln therapeutische Erfolge erzielt werden können. Dementsprechend sind in den letzten Jahren zahlreiche pflanzliche Arzneimittel in die Grundversicherung aufgenommen worden. Der Methode als solcher wurde die Anerkennung durch die Aufnahme in den Leistungskatalog jedoch wie den anderen Disziplinen nicht gewährt. Eine ordentliche Begründung, welche Mängel dazu führten, dass der Antrag der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie abgelehnt wurde, liegt bis heute entgegen anderen Aussagen etwa in der Arena vom 28. September nicht vor. Dies obwohl die Studie aus der Universität Bern, die der Phytotherapie eine hohe Wissenschaflichkeit bestätigt*, bereits damals bekannt war. Die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie kann sich mit einem Kompromiss „aus fünf mach drei“ nicht einverstanden erklären.
Sollte eine Re-evaluation der komplementärmedizinischen Methoden im Sinn der Motionärin oder im Sinn der Antwort des Bundesrates, der bezüglich Zuständigkeit auf das Bundesamt für Gesundheit und dessen Eidgenössische Leistungskommission verweist, anstehen, wird die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie als Vertreterin der in diesem Bereich tätigen Ärzteschaft unabhängig von der Motion erneut einen Antrag auf Aufnahme in den Leistungskatalog stellen. Um diesen sachgemäss formulieren zu können, fordert die SMGP das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Leistungskommission auf, die Mängel des letzten Antrages materiell unter Berücksichtigung der WZW (Wirksamkeit-Zweckmässigkeit-Wirtschaftlichkeit)- Kriterien zu konkretisieren.
Dabei ist allerdings festzuhalten, dass die Objektivität der Beurteilung dieser Kriterien kaum vom Umfeld, in dem sie gefällt werden, zu trennen sind. Darauf weist auch die Konsens-Stellungsnahme des damals vom abrupten Ende überraschten PEK-Review-Board hin: „Wer den zusammenfassenden Schlussbericht zum PEK Projekt als richtig beurteilt, wird wohl die politische Entscheidung als inkonsistent mit dem PEK Ergebnis beurteilen. Wer jedoch einzelne Elemente des PEK Projekts als mangelhaft beurteilt, kann auch die politische Entscheidung als vertretbar erachten. Es erscheint unwahrscheinlich, dass ein Konsens über diese Frage erreicht werden kann, da die diesbezüglichen Meinungen auch von grundsätzlichen Einstellungen geprägt sind.“ Ausstehend ist nach wie vor die vom Review-Board geforderte Auseinandersetzung: „Für eine wohlabgewogene politische Entscheidung wäre ein vorgängiger Diskurs zwischen den am PEK- beteiligten Forschern, den zuständigen Verwaltungsstellen und politischen Entscheidungsträgern, sowie dem Review Board über die Interpretationen, die methodologischen Stärken und den Informationsgehalt der PEK Daten von grosser Bedeutung gewesen. Die Ergebnisse und Argumente aus diesem Expertendiskurs hätten dann auch die öffentliche Diskussion befruchten können, die wiederum den Hintergrund für die politischen Entscheidungen bildet. Leider verlief der tatsächliche Prozess von PEK genau umgekehrt. Das Review Board verurteilt diese Umkehrung der normalen Abläufe einstimmig. Besonders bekümmernd ist der Umstand, dass die politische Entscheidung anscheinend durch Analysen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) inspiriert ist, die ihrerseits auf Daten und Prozeduren beruhen, die öffentlich nicht einseh- und überprüfbar sind.“ Eine Neubeurteilung der vorliegenden Daten wird nur zufrieden stellend erfolgen können, wenn diese Diskussionen nachträglich geführt werden.

SMGP,25.09.2007
Weitere Auskünfte: SMGP-Medienstelle
Siehe Medienbulletin der SMGP vom 20.9.2007

Den vollständigen Antrag der SMGP an die Leistungskommission vom 30. März 2005 kann heruntergeladen werden von hier ebenso der Health Technology Assessment Report
Die weitgehend unbeachtet gebliebende Stellungsnahme des PEK-Review-Board kann als pdf heruntergeladen werden unter Link
Das Medienbulletin der SMGP 20.9.2007 zur erwähnten Studie der Universität Bern finden Sie in dieser Rubrik