Phytotherapie – über die Grenzen

Gemeinsame Tagung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), Wädenswil und der Kooperation Phytopharmaka, Bonn

Vertreter von Behörden, Hochschulen, Verbänden und Dienstleistungs-unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz diskutierten erstmals gemeinsam an einer länderübergreifenden Veranstaltung über die Zulassung von pflanzlichen  Arzneimitteln. Unterstützt wurde die Tagung von der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP), der Gesellschaft für Phytotherapie e.V. (Deutschland) und der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie. Fachleute aus den drei deutschsprachigen Ländern referierten über verschiedene Aspekte der Zulassung von pflanzlichen Arzneimitteln und äusserten den Wunsch, dass diese auch im 21. Jahrhundert eine Zukunft haben. Es besteht aber leider die Tendenz, so Reinhard Länger, AGES PharmMed, Wien, dass bei pflanzlichen  Arzneimitteln mehrheitlich Belege zur Wirksamkeit unterbewertet und Signale für eventuelle Risiken in den Vordergrund gestellt werden. Die Konsequenz ist, dass pflanzliche Arzneimittel zwischen gesetzlichen Regelungen und ökonomischen Zwängen zerrieben werden. Das bedeutet, dass pflanzliche Präparate nicht mehr als Arzneimittel registriert und von der Industrie als Nahrungsergänzungsmittel, Medizinalprodukte oder Kosmetika vertrieben werden. Auch floriert der Schwarzmarkt im Internet. Dies fördert die Tendenz, dass die Präparate von unqualifizierten Personen angepriesen und unter Preisdruck wenig wirksame Produkte mit unerfüllbaren Versprechungen vertrieben werden. Sorgfältig erstellte Arzneipflanzen-Monographien, die die Arzneipflanzen und ihre Anwendungsmöglichkeiten beschreiben, können dieser Gefahr entgegen wirken. Vor allem dann, wenn sie zu einer Vereinfachung und Vereinheitlichung der Zulassungsanforderungen wenigstens im deutschsprachigen Raum – dem Herz der Phytotherapie - führen. Die damit eingesparten Mittel könnten dazu verwendet werden, mit Hilfe von Studien der Phytotherapie ihre ursprüngliche „Kindersicherheit“ wieder zurück zu bringen. Gegenwärtig sollen gemäss Packungsbeilage viele pflanzliche Arzneimittel auf Grund der für synthetische Wirkstoffe geschaffenen Zulassungsrichtlinien wegen mangelnder schriftlicher Daten bei Kindern nicht mehr angewendet werden.

SMGP. 22.04.2010
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Weitere Auskünfte: SMGP Medienstelle oder www.smgp.ch