Pflanzliche Sedativa - auch in der Veterinärmedizin eine hervorragende Option

Bei kaltem, klarem Januarwetter mit herrlicher Sicht auf den Zürichsee fanden sich Mediziner, Pharmazeuten aber auch Veterinäre zum Kurs 7 (Pflanzliche Sedativa und der Einfluss von Arzneipflanzen auf die Psyche) der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) in Wädenswil ein. Knapp 40 Teilnehmern wurde am Vormittag ein wissenschaftlich fundierter Einstieg ins Thema geboten.

Rund 10 Tierärzte informierten sich am Nachmittag im eigens eingerichteten Parallelprogramm über die Einsatzmöglichkeiten von pflanzlichen Sedativa in der Tierarztpraxis. Maja Bräm berichtete über die Verwendung der bereits am Vormittag angesprochenen Pflanzen beim Pferd, sowie bei Hund und Katze. Darüber hinaus wurden weitere nicht nur sedativ wirkende Heilpflanzen vorgestellt und dabei auch auf die verschiedenen Ursachen von Unruhen oder von aggressivem Verhalten der Tiere hingewiesen. Je nach Ursache, wie zum Beispiel Magen-Darm-Störungen, Schmerzen aufgrund von Arthrose oder aber Juckreiz wurden dem Teilnehmer verschiedene Pflanzen und deren Kombinationsmöglichkeiten an die Hand gegeben. Durch eine lebendige Fallbeschreibung verschiedener Patienten war der praktische Bezug schnell hergestellt, wobei auch Hinweise über vereinzelte Unverträglichkeiten bei der Katze nicht fehlten.

Eine von Frau Bräm eigens zusammengestellte Liste der vorgestellten Pflanzen mit den jeweils verschiedenen Wirk- bzw. Einsatzmöglichkeiten soll hierbei die individuelle Zusammenstellung in der Praxis erleichtern.

Monika Roggo zeigte zum Einstieg in ihre therapeutische Herangehensweise die Verbindung bzw. Vergleichbarkeit der Traditionellen Chinesischen (Kräuter-) Medizin (TCM) zur alten Europäischen Medizin, wobei daran erinnert wurde, dass die Ärzte seinerzeit keine reinen Mediziner, sondern immer auch Philosophen und Gelehrte waren. Von Aristoteles über Hippokrates mit seiner Humoralpathologie bis hin zu Galen oder auch Dioskurides, dessen Materia medica schon im 1. Jahrhundert ca. 1000 Arzneimittel umfasste und bis ins 19. Jahrhundert noch ein Standardwerk war, zeigen mit ihren verschiedenen Theorien und Denkmodellen über Krankheit und Gesundheit zum Teil deutliche Parallelen zur TCM auf. Da die Diagnosen innerhalb der Therapiesysteme nicht wörtlich vergleichbar sind, ist jedoch immer eine sehr differenzierte Herangehensweise wichtig. Zur praktischen Anwendbarkeit wurden schliesslich drei verschiedene Reaktionsmuster von Hunden mit Angst anhand von realen Situationen angesprochen (z.B. Schusssituation auf dem Hundplatz, Silvesterfeuerwerk). Hiernach wurden je nach dem, wie das Tier in diesen Situationen reagiert, drei verschiedene Mischungsverhältnisse von Hopfen, Baldrian und Passionsblume vorgestellt, die jeweils passend für das entsprechende Tier therapeutisch eingesetzt werden können.

Die Kurse sind sowohl bei der GST (Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte) in der Schweiz mit 2 Bildungspunkten als auch bei der ATF (Akademie für Tierärztliche Fortbildung) der Bundestierärztekammer in Deutschland mit 6 Stunden akkreditiert.

Zur täglichen Praxis des Tierarztes gehören auch die Erkrankungen des Bewegungsapparates und die Schmerztherapie die im nächsten Kurs (Kurs 8) am Donnerstag, den 26. März 2009 thematisiert werden. Wobei sich das Veterinärprogramm zum einen mit der Wirkung und Anwendung von entzündungshemmenden und schmerzlindernden pflanzlichen Arzneimitteln in der Tiermedizin (Rita Marusic, Cavigliano) beschäftigt, zum anderen aber auch mit dem heiklen Thema der Aktuellen Situation von pflanzlichen Wirkstoffen als Dopingmittel im Pferdesport (Anton Fürst, Pferdeklinik Zürich) auseinandersetzt.  Weiter Informationen finden Sie auf der SMGP-Homepage. Kontakt: E-Mail