Kurs 10 : Die Mistel im Mittelpunkt

Eines der Hauptthemen des humanmedizinischen Teils von Kurs 10 mit dem Thema „Phytotherapie im komplementärmedizinischen Umfeld“ beschäftigte auch die Tierärzte im eigens von der SMGP eingerichteten Kursteil für Veterinäre: Die Mistel.
Die Wirkungen dieser Heilpflanze macht man sich seit langer Zeit (ca. 1920) in der Onkologie zu nutze. Vergleichbar wird die sehr alte Heilpflanze auch in der Tiermedizin verwendet, wo sie als Mistelextrakt (Iscador®) längst eingeführt ist. Im Vergleich zwischen den verschiedenen Wirtsbaumarten zeigt wie in der Humanmedizin die Kiefernmistel (Iscador P = pini) die beste Verträglichkeit bei Tieren. Die Misteltherapie hat sowohl beim Menschen als auch bei den Tieren einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität, auch bei Langzeittherapie eine sehr gute Verträglichkeit und in Kombination mit der Chemotherapie eine deutliche Stabilisierung des Blutbildes in Hinblick auf die meist auftretenden Leukopenien.
Zur Vorbereitungstherapie vor Operationen oder zur rezidivprophylaktischen Anwendung nach einer Tumorexzision kann der Mistelextrakt per Injektion oder oral verwendet werden, wie zur ergänzenden, komplementären Anwendung in Kombination mit Chemotherapie und Bestrahlung. Dazu wurden verschiedene Studien und  Fallbeispiele vorgestellt. Beim Hund wurden hierbei vor allem Gesäugetumore der Hündin untersucht, die post operationem oder aber auch palliativ mit Iscador erfolgreich behandelt werden können.
Neuere interessante Erkenntnisse zur oralen Misteltherapie beim Fibrosarkom der Katze wurden dabei ebenso angesprochen, wie eine plazebokontrollierte Doppelblindstudie von Ophélie Clottu-Christen zur Iscador® Therapie beim Equinen Sarkoid von Pferd und Esel, die signifikant verbesserte Stabilisations- bzw. Heilungschancen aufzeigen konnte.
Im Vortrag von Monika Roggo wurde ein Bogen geschlagen von der traditionell chinesischen Medizin zur traditionellen europäischen Kräutermedizin, wobei die Grundlagen hierzu bereits zu Zeiten von Aristoteles und Hippokrates (4.Jh v. Chr.) im antiken Griechenland zu finden sind. Die Werke des griechischen Arztes Galen (2. Jh. n. Chr.) waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Grundlage der „alten Medizin“ die dann durch die wissenschaftliche Medizin abgelöst wurde.
Es wurde ein Einblick in die Qualitäten der Kräuter und Heilpflanzen nach der „alten Medizin“, wie Temperatur (kalt, kühl, warm, heiss) oder die Stärke des Wirkungsgrades (mässig- stark 1-4) gegeben, die in verschiedenen Teilen durchaus vergleichbar ist mit der Einteilung der Kräutern innerhalb der TCM, in der unter anderem die Geschmacksrichtung (süss, scharf, salzig usw.) und die Temperaturwirkung (in Abstufungen von sehr kalt, über neutral bis zu sehr heiss) von grosser Bedeutung sind. Diese unter energetischen Gesichtspunkten eingeteilten Pflanzenwirkungen können auf die europäischen Kräuter übertragen werden.

Als Pflanzenbeispiele wurde die Mistel (Viscum album L.), der Löwenzahn (Taraxacum officinale) und das Stiefmütterchen (Viola tricolor L.) jeweils mit verwandten Pflanzen vorgestellt. Als Behandlungsmöglichkeiten wurden einige in der Tierarztpraxis alltägliche Erkrankungen bzw. Symptomatiken als Beispiele für einfache äusserliche Anwendung der Phytotherapie aufgezeigt.

Hierbei können sowohl Tiere mit entzündeten, inoperablen Mammatumoren, sowie Hunde mit den gefürchteten Hot Spots, Zwischenzehenfurunkeln, Leckdermatitiden als auch verschiedenen Lahmheiten mit lokal angewendeten Wickeln  oder Auflagen eine deutliche Linderung bzw. Verbesserung der Erkrankung oder der Krankheitssymtomatik erfahren.

Ulrike Biegel, FiBL