SMGP Kurs 9: Erfahrung mit Phytotherapie bei Dermatologischen Problemen

Wiederum traf sich eine Gruppe interessierter Veterinäre in Wädenswil im Rahmen des SMGP-Weiterbildungszyklus, um neben den Grundlagen aus der Humanmedizin auch spezielle Einsichten über die Möglichkeiten der Pflanzenheilkunde bei dermatologischen Problemen in der Tierarztpraxis zu erlangen.
Dazu stellte zunächst Frank Grossmann den Hund und die Katze in den Vordergrund. Zu bedenken gab er, dass in der Dermatologie, wie bei anderen Erkrankungen, auch in der Phytotherapie die sichere Diagnose für eine erfolgreiche Therapie unerlässlich ist.
Die grosse Vielfalt nicht nur an unterschiedlichen Hunderassen, sondern auch an verschiedenen Ektoparasiten stellen ein alltägliches Problem in der Tierarztpraxis dar. Ob Flöhe, Zecken, Läuse oder Milben – es gilt neben der Ursachenbekämpfung mit Teebaumöl, Neembaumextrakt oder Pyrethrum auch die sekundären Hautprobleme zu lindern und zu heilen, wobei der Referent auch auf die Bedeutung der Stärkung der körpereigenen Abwehr hinwies.
Da Teebaumöl bei Katzen bereits starke Unverträglichkeitsreaktionen gezeigt hat, wurde hierüber innerhalb der Hörerschaft rege diskutiert. Offenbar kann die Anwendung daher nicht uneingeschränkt empfohlen werden.
Daneben wurden auch die Therapieoptionen von Schleimhauterkrankungen viralen Ursprungs vor allem bei der Katze angesprochen, die - wie humanmedizinisch bewährt - mit Kamille- oder  Salbeiextrakten, aber auch mit Thymianöl oder auch Pelargoniumextrakt gelindert werden können. Gerade bei Hautproblemen viralen Ursprungs sollte die Stärkung der Immunabwehr mittels Phytotherapie laut Frank Grossmann auf keinen Fall ausser Acht gelassen werden.
Um „Arzneipflanzen und deren Zubereitung zur Unterstützung der tierischen Wundheilung“ ging es im Vortrag von Michael Walkenhorst. Hier wurden zunächst die verschiedenen Wunden mit jeweils unterschiedlichen Wundheilungsstadien dargestellt, damit die sehr anschaulich vorgestellten Pflanzen mit verschiedenem Wirkspektrum entsprechend zugeordnet werden konnten. Bei der Vorstellung der Wundstadien standen nicht nur Exsudation, Demarkation oder Abstossung von abgestorbenem Gewebe im Blickfeld, sondern auch die Epithelisierung und Granulation (verzögert oder überschiessend) bzw. die Narbenbildung zur Debatte.
Neben den verschiedenen, bewährten Pflanzen, wie Ringelblume, Kamille, Salbei und Zaubernuss, wurden unter anderem auch Stieleiche, Lärchenharz und Perubalsam angesprochen.
Mit Hilfe von Tabellen konnten die Pflanzen für Wundspülungen, Sprühpflaster oder Heilsalbe ausgewählt werden. Ein Wundbalsam zum Aufsprühen mit Ringelblume, Salbei, Zaubernuss und Thymianöl steht in der Tiermedizin zur Verfügung. Die Teilnehmenden konnten das Präparat selbst ausprobieren. Der Zusatz von Thymianöl schlägt dabei mehrere „Fliegen mit einer Klappe“. Zum einen entfaltet sich die antimikrobielle Wirkung nicht nur auf der Wunde sondern dient auch als natürliches Konservierungsmittel des Präparates, ausserdem wehrt das ätherisches Öl des Thymians Fliegen aber auch von gesunde Tieren auf der Weide bzw. im Stall ab. Darüber hinaus hat es sich in der Kleintierpraxis bewährt, um andere Tiere von angelegten oder aufgenähten Verbänden fernzuhalten.
Zum Schluss wurde ein Ausspruch von Hildegard von Bingen zum vielgenannten, breit angewendete Salbei zitiert, der da lautet: „ Wer Salbei im Garten hat, hat keinen Grund zu sterben“.
In diesem Sinne zeigen Arzneipflanzen auch heute ihre heilende Wirkung. Um dieses Wissen zu vertiefen oder zu vermehren, stehen weitere interessante Veranstaltungen an, wie der Kurs 10 in dem es um die Phytotherapie im komplementär-medizinischen Umfeld geht, aber auch der mit Spannung erwartete Pferde-Workshop auf der 24. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie. Anmeldungen für Kurs 10 und für die Jahrestagung sind weiterhin möglich.

Ulrike Biegel

Die beiden Referierenden: Michael Walkenhorst und

Frank Grossmann

Hohe Aufmerksamkeit in (noch?) kleiner Gruppe: Das ist die Atmosphäre bei den Themen der SMGP-Vet anlässlich der SMGP-Kurse.