Kurs 3 Phytotherapie bei Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems
Mehr Lebensqualität für alternde Vierbeiner durch Phytotherapie

Im neuen Weiterbildungszyklus der SMGP wurde am 23. September in Kurs 3 die Phytotherapie bei Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems vorgestellt. Auch in der Veterinärmedizin ist dies ein aktuelles Thema, denn die deutlich gestiegene Lebenserwartung der Haus- und Hobbytiere zieht eine steigende Zahl von Patienten mit altersbedingten Erkrankungen in der Tierarztpraxis nach sich.

Die Tierärztin Dr. Cäcilia Brendieck-Worm wurde eigens für dieses Thema aus Deutschland eingeladen. Sie verfügt über jahrzehntelange phytotherapeutische Erfahrung aus eigener Praxis, leitet den Arbeitskreis Phytotherapie der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin (Deutschland) und ist mit der Planung und Durchführung von tierärztlichen Phytotherapiefortbildungen betraut. In ihrem Vortrag „Mehr Lebensqualität für alternde Vierbeiner – Arzneipflanzen zur Prävention und Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen“ wurde zunächst ein ausführlicher Einstieg ins Thema gegeben, indem neben der Einteilung der Intensität von Herzinsuffizienzen nach dem NYHA (New York Heard Association) Schema auch Hinweise zur ganzheitlichen Betrachtung der Patienten, wie zum Beispiel den Konstitutionstyp erläutert wurden.

Im Zentrum der Betrachtung stand, dass auch schon bei geringgradiger Herzinsuffizienz alle Organsysteme durch die Minderdurchblutung schleichend in Mitleidenschaft gezogen werden und daher unbedingt entsprechend beachtet werden sollten.

Die Phytotherapie bietet hier schon bei leicht eingeschränkter Herztätigkeit, wie zum Beispiel bei NYHA Grad 1 eine gute Behandlungsmöglichkeit um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder herauszuzögern. Neben dem klassischen Herzmittel, dem Weissdorn (Crataegus) wurden auch Ginkgo biloba, Maiglöckchen (Convallaria majalis) Fingerhut (Digitalis), Herzgespannkraut (Leonurus cardiaca) und Wolfstrappkraut (Lycopus europaeus) besprochen. Wobei der Weissdorn auch als Begleittherapie zu ACE Hemmern oder Digitoxin seine positive Wirkung entfaltet.

Daneben wurde ausserdem auf die phytotherapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von stressinduzierten Herzarrhythmien mittels psychotroper Drogen, aber auch auf die erfolgreiche kurzfristige Kreislaufstimulation mittels Coffea hingewiesen.

Nicht nur beim Thema Herz-Kreislauf sondern in der gesamten Phytotherapie spiegelt häufig schon der Name von bewährten Heilpflanzen ihre Wirkung wieder. Pflanzen wie Herzgespann aber auch Beinwell oder Augentrost sind dafür gute Beispiele. Dadurch wird deutlich, dass die Phytotherapie auf einer sehr langen Tradition fusst und ihr Wissen fliesst in die moderne Medizin ein.

Diesbezüglich wird der 25. Jahrestagung der SMGP am 25. November 2010  „Phytotherapie – Zukunft braucht Vergangenheit“ Prof. Johann Schäfer von der Tierärztlichen Hochschule Hannover einen Vortrag halten zum Thema: „In ein Faß voll Tobakslauge / Tunkt man ihn mit Haut und Haar" und damit versuchen die Geschichte und Zukunft der Phytotherapie in der Tierheilkunde näher zu beleuchten.

Ulrike Biegel, Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Frick

Diskussion in der Pause: Rita Marusic und Bettina Becker ...

... sowie Ulrike Biegel und Referentin Cäcilia Brendick-Worm