Kurs 4 Arzt und Apotheker in der klinischen Forschung auf dem Gebiet der Phytotherapie

Die klinische Forschung innerhalb der Tiermedizin eine Herausforderung zwischen Evidence-Based Medicine (EBM) und dem Erkenntnisgewinn aus Anwendungsbeobachtungen.
Am 20.01.2011 wurde der Weiterbildungszyklus der SMGP mit dem Kurs 4 „Arzt und Apotheker in der klinischen Forschung auf dem Gebiet der Phytotherapie“ fortgeführt. Hierbei war unter anderem angestrebt, den Kursteilnehmern Hilfen an die Hand zu geben, wie man sich zum einen die richtige Literatur zu gewünschten Themen unkompliziert suchen kann, zum zweiten wie man die Inhalte der Publikationen schnell erfasst und zum dritten wie die interne und externe Validität einer publizierten Studie mittels verschiedener Tools (Jadad-score, CONSORT) innert kürzester Zeit beurteilt werden kann. Nicht nur bei den Veterinären wurde dieses Handwerkszeug durch Gruppenarbeiten direkt eingeübt, vertieft und die Ergebnisse schliesslich allen Teilnehmern kurz vorgestellt.
Die Vorträge die jeweils am Nachmittag des Kurstages eigens für Tierärzte zusammengestellt werden, befassten sich zum einen mit der Mistel in der klinischen Forschung zur veterinärmedizinischen Tumortherapie. Ulrike Biegel stellte die Anfänge dieser Forschungsarbeiten mittels Anwendungsbeobach-tungen (orale Viscumtherapie postoperativ bei Fibrosarkomen der Katze, bisher nicht publiziert), die Fortführung mittels kontrollierter Studie (Iscadortherapie bei Gesäugetumoren der Hündin, bisher nicht publiziert) bis hin zu RCT Studie (Iscadortherapie beim Equinen Sarkoids, publiziert) vor. Zum zweiten berichtete Michael Walkenhorst über eine klinische Studie zum Einfluss der Kräu
terfutterkomponente eines kommerziellen Ergänzungsfuttermittels auf Serumparameter, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit von Milchkühen. Im Dritten Teil führte Rita Marusic in das juristische Spannungsfeld zwischen Futterpflanze und Heil- bzw. Arzneipflanze ein. Können in der Schweiz grundsätzlich alle Humanphytotherapeutika beim Kleintier und beim Pferd nicht lebensmittelliefernden Pferd eingesetzt werden ist dieses Thema vor allem in der Nutztierpraxis von grosser Bedeutung, da es hier verschärfte Anforderungen der Swissmedic gibt. Diese Anforderungen schränken die Therapiemöglichkeiten mit Arzneipflanzen in der Nutztierpraxis zum Teil stark ein und führen durch den fliessenden Übergang zwischen Futter- und Heilpflanzen teilweise ins Absurde.
Schlussendlich kann gesagt werden, das es für die tägliche Praxis eines Tierarztes nicht immer – um nicht zu sagen eher selten – möglich ist, sich auf Metaanalysen oder RCT Studien zu stützen, was vor allem auch klar wurde durch die Anwesenheit eines Zootierarztes, der kaum auf Studien mit hohem EMB Level zurückgreifen kann. Es wird daher für die tägliche Praxis immer wieder notwendig sein, seine therapeutischen Bemühungen auf Erkenntnisse aus Beobachtungen bzw. Erfahrungen zu stützen.

Ulrike Biegel, Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Frick, Schweiz

Auch die Veterinärmediziner beschäftigten sich mit der Bewertung einer Studie - und zwar zur lokalen Endometritisstörung bei Milchkühen.