Rückschau auf einen sommerlichen und veterinärphytotherapeutisch bewegten September, nicht ohne Ausblick auf den Herbst

Der September bescherte uns einen wunderschönen und warmen Spätsommer und war voller spannender Anlässe rund um die Veterinärphytotherapie.

Fast 70 internationale Teilnehmer trafen sich in Antalya zum HERBAN Congress. Beiträge zum Arzneipflanzeneinsatz beim Tier in aller Welt wurden in Form von Vorträgen, Kurzvorträgen und Postern präsentiert. Das Spektrum erstreckte sich von allgemeinen Beiträgen zum Potential von Arzneipflanzen für die Veterinärmedizin über ethnoveterinärmedizinische Beiträge und Ergebnisse klinischer Forschung bis hin zu rechtlichen Aspekten zum Einsatz von Arzneipflanzen beim Tier. Schwerpunkt der klinischen Forschung war der Einsatz  pflanzlicher  Produkte in der Fütterung zum Teil auch als phytogener Ersatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung. Besonders in Erinnerung blieb jedoch die Feststellung von J.N. Eloff aus Südafrika, dass es derzeit wohl keine veterinärmedizinische Fakultät in Afrika gibt, die sich nicht mit dem Einsatz von Arzneipflanzen beschäftigt! Mit Rita Marusic und Michael Walkenhorst, war die SMGP-vet an dieser Veranstaltung aktiv vertreten. Die Abstracts und ggf. auch die Präsentationen vom HERBAN Congress sollten sich demnächst auf der HERBAN Website finden lassen.

Am 15. September fanden sich – trotz zeitlicher Überschneidung mit der Vets2011 –8 Tierärztinnen und Tierärzte im Rahmen des SMGP-Kurs 6 in Wädenswil zusammen. Die Gynäkologie (Schwerpunkt Rind) war Thema dieses Kurses. Dieses Thema wurde zunächst  allgemein von Michael Walkenhorst beleuchtet. Fritz Suhner stellte anschliessend sein Produkt „Reinigungstrank Natürlich“ vor, das derzeit das einzige für Nutztiere zugelassene und erhältliche pflanzliche Arzneimittel der Schweiz ist. Das Präparat aus Lindenrindenextrakt blickt bereits auf eine über 70 jährige Tradition zurück (Bericht Kurs 6 unter Aktuell).

Weiter ging es am 16. September mit unserem Workshop Phytotherapie am GST-Jahreskongress, der Vets2011, in Davos. Über 40 Tierärzte aus der Praxis, von Behörden und seitens der Arzneimittelhersteller besuchten den ganztägigen dreiteiligen Block. In 5 Referaten wurden Arzneipflanzen vorgestellt, die in der Praxis leicht angewendet werden können: Teufelskralle, Weidenrinde, Kamille, Ringelblume, Fenchel, Anis und Kümmel, sowie verschiedene Bitterstoffdrogen als Appetitanreger und  Muntermacher. Rita Marusic, Ernst Gubler, Michael Walkenhorst, Ulrike Biegel und Elisabeth Stöger stellten diesen kleinen „Strauss“ veterinärphytotherapeutischer Einstiegsdrogen zusammen. Hans Peter Nägeli bewertete in seinem Vortrag die toxikologischen Aspekte der Arzneipflanzenanwendung in der Tiermedizin. Heinrich Boschung und Oliviér Flechtner umrissen anschliessend mit ihren Referaten rechtliche Aspekte des Kräuter- bzw. Arzneipflanzeneinsatzes beim Tier als Futter- bzw. Arzneimittel. Die darauf folgende rege Diskussion liess klar werden, wie sehr gerade die rechtliche Frage des Arzneipflanzeneinsatzes die phytotherapeutisch orientierten bzw. arbeitenden Tierärtzinnen und Tierärzte beschäftigt. Insbesondere wurde die stark eingeschränkte Zahl von Arzneipflanzen kritisiert, die für die Nutztiermedizin zur Verfügung stehen. Die SMGP-vet ist in dieser Angelegenheit mit den Behörden in Kontakt. Abschliessend liessen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Workshops noch über Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung in der Veterinärphytotherapie informieren.

20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 4 Nationen (Deutschland, Niederlande, Österreich und Schweiz), darunter fast das komplette SMGP-vet Komitee, trafen sich zum zweiten internationalen, diesmal jedoch deutschsprachigen, Anlass des Septembers (vom 23.- 25.) auf der Burg Lichtenberg in der Nähe von Kaiserslautern. Dieser gemeinsamen Veranstaltung des Arbeitskreises Phytotherapie der Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin und der SMGP-vet ging noch eine Abendveranstaltung für die regionale Tierärzteschaft voraus an der sich rund 40 Personen über Einsatzgebiete von Arzneipflanzen in der Tiermedizin informierten. Diese Abendveranstaltung war zusammen mit der Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz organisiert worden. Im Zentrum der folgenden zwei Tage, die das Motto „Austherapiert, therapieresistent - Mit Phytotherapie Grenzen überschreiten“ trug, stand die Immunologie die von der Hauptreferentin Sabine Vollstedt  sowohl mit der traditionell europäischen als auch mit der traditionell chinesischen Arzneipflanzenanwendung verknüpft wurde. Der weitere Schwerpunkt dieses Treffens lag im Austausch der unterschiedlichen Situationen der Veterinärphytotherapie in den deutschsprachigen Ländern. In den kommenden Monaten soll hieraus ein länderübergreifendes Positionspapier zur Veterinärphytotherapie erarbeitet werden.

Soviel zum September und keine Rückschau ohne Ausblick: Wir laden alle an Phytotherapie interessierten Tierärzte und Tierärztinnen ein an unseren Weiterbildungskursen teilzunehmen. Als nächstes steht am 27. Oktober der Kurs „Pflanzliche Sedativa und der Einfluss von Arzneipflanzen auf die Psyche“ in Wädenswil an. Die Jahrestagung am 17. November steht dann in diesem Jahr unter dem Motto „Phytotherapie in der Neurologie“ und bitte schon einmal vormerken: vom 7.-9. Juni 2012 findet wieder Kurs 1 statt. In diesem Grundkurs im landschaftlich reizvollen Engelberg wird die Kunst des Rezeptierens neu gelernt und die Qualität und Herstellung von pflanzlichem Arzneimittel erklärt und erlebt.

Michael Walkenhorst