Futtermittel – Arzneimittel – Nutzen und Risiko: Themen des Workshops in Davos

Der von der SMGP-vet organisierte Workshop am Kongress der schweizerischen Tierärzte in Davos wurde gut besucht von Tierärzten, Behörden und Arzneimittelherstellern. In fünf Referaten wurden verschiedene Arzneipflanzen vorgestellt, die sowohl in der Klein- und Grosstierpraxis problemlos angewendet werden können: Teufelskralle und Weidenrinde, Kamille, Ringelblume, Fenchel/Anis und Kümmel, sowie Bitterdrogen als Muntermacher. Siehe dazu die jeweiligen Kurzfassungen der Referate als pdf – am entsprechenden Ort klicken.

Prof. H. Nägeli, Institut für Veterinärpharmakologie und –toxikologie an der Universität Zürich-Vetsuisse, stellte die Möglichkeiten dar, wie aus Sicht des Toxikologen harmlose und bewährte Heilpflanzen in der Tiermedizin dem Markt zur Verfügung gestellt werden könnten ohne aufwendige klinische und toxikologische Verfahren. An Hand der Ringelblume zeigte er ein virtuelles Screening der einzelnen Inhaltsstoffe bezüglich ihrer toxikologischen Eigenschaften. Mit diesen Testresultaten könnte Ringelblume für eine gefahrlose Anwendung am Tier und Menschen freigegeben werden. Abstract: Toxikologische Bewertung von Heilpflanzen
Dr. med. vet. Heinrich Boschung von der amtlichen Futtermittelkontrolle der Agroscope, Liebefeld-Posieux, klärte die Zuhörer präzis über die Anwendung von Pflanzen im Fütterungsbereich auf. Arzneiliche Anwendungen sind nicht möglich mit Futtermitteln, auch nicht in versteckter Form. Es gibt wohl Pflanzen wie Meerrettich, Kümmel, Leinsamen und viele mehr, die dank ihrer Futtermitteleigenschaften als Einzelfuttermittel oder Diätfuttermittel zugelassen sind. Kräuter ohne weitere Benennung sind in Ergänzungsfuttermittel zugelassen, wie sie auf der Wiese wachsen, geschnitten, getrocknet jedoch nur ihre oberirdischen Teile. Abstract: Kräuterfütterung
Ebenso eindeutig sind die Tierarzneimittelverordnung, TAMV, und das Heilmittelgesetz, HMG, wie Olivier Flechtner von der Swissmedic erklärte. Pflanzen, die zu einem arzneilichen Zweck, d.h. zur Verhütung, Milderung, und Heilung von Krankheitszuständen angepriesen und in Handel gebracht werden, fallen unters Heilmittelgesetz. Leider sind nur noch wenige pflanzliche Arzneimittel für Tiere bei Swissmedic registriert; aktuell ist nur ein Produkt im Handel verfügbar. Trotzdem stehen dem Tierarzt und Tierbesitzer in der Schweiz Arzneipflanzen zur Verfügung: Die Kaskadenregelung der TAMV erlaubt den Import, Umwidmung, und die Magistralrezeptur für phytotherapeutische Präparate, auch wenn synthetische Medikamente mit gleicher Indikation zugelassen sind. Für Heimtiere gibt es keine Einschränkungen, bei Nutztieren muss die Absetzfrist geregelt sein und der Import erfordert eine Bewilligung. Abstract: Arzneipflanzen
In der Apotheke und eingeschränkt auch in der Drogerie stehen einige hundert Drogen und Arzneipräparate aus dem Pflanzenbereich in Arzneibuchqualität Tierbesitzer und Tierarzt für Abgabe und Verschreibung zur Verfügung.
In der Diskussion wurde die eingeschränkte Liste von Arzneipflanzen ohne Absetzungsfrist kritisiert. Diese Problematik ist bekannt, die SMGP-vet ist in dieser Angelegenheit mit den Behörden in Kontakt. Zudem darf der Bauer und Tierbesitzer harmlose Arzneipflanzen in roher Form den Nutztieren verabreichen, die Regelung ist bestimmend für Handelspräparate.

Wir laden alle an Phytotherapie interessierten Tierärzte ein an unseren Weiterbildungskursen teilzunehmen. Vor allem im ersten Kurs in Engelberg wird die Kunst des Rezeptierens neu gelernt und die Qualität und Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln erklärt und erlebt.

Rita Marusic-Bubenhofer, eidg. dipl. Apotheker