SMGP-Jahrestagung vom 22. November 2012 in Baden

Die 27. Schweizerische Jahrestagung für Phytotherapie in Baden fand dieses Jahr mit knappen 70 Veterinärteilnehmern aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und den Niederlanden statt. Nebst dem veterinärspezifischen Nachmittag, zog Dr. Johanna Fink-Gremmels, Professorin für Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Utrecht (NL), auch die ca. 250 Nicht-Tierärzte mit ihrer Einführung in die Welt der Bakterien und Hintergründe der Resistenzentwicklung gegen Antibiotika bei Mensch und Tier in ihren Bann. Nicht nur Nutztiere sind bei der Entwicklung resistenter Bakterien ein Faktor, sondern auch unsere Heimtiere tragen dazu bei. Prof. Fink-Gremmels forderte auf, wieder zur Natur zurückkehren und von ihr zu lernen. Z.B. kann die Bildung von Biofilmen durch Bakterien und deren Quorum sensing im therapeutischen Einsatz mit einbezogen werden. Pflanzliche Produkte seien hier von grossem Interesse und sollten ein Fokus zukünftiger Forschung sein.

Das Nachmittagsprogramm für die Tiermediziner begann mit einem Aufruf an die Individualisierung der Medizin durch Herrn Prof. Matthias Melzig von der Universität Berlin. Das Publikum erhielt einen Einblick in verschiedene Wirkstoffe von Pflanzen mit dem Fazit, dass Naturstoffe Multitarget-Wirkstoffe sind, gegen die sich keine Resistenzen entwickeln, dass diese Stoffe prophylaktisch, mit einander kombiniert und auch in Kombination mit Medikamenten eingesetzt werden können. Frau Dr. Sabine Vollstedt führte in die Immunabwehr des Körpers ein und zeigte Möglichkeiten auf, wie mit pflanzlichen Produkten auf verschiedenen Ebenen der Immunabwehr eingegriffen werden kann, sei dies eine Beeinflussung der humoralen Immunabwehr gegen extrazelluläre Bakterien über IL4, IL-10 und Th2-Zellen mit Knoblauch, Echninacea oder Zimtrinde oder der zellulären Immunantwort gegen Viren über IFNalpha und beta und zytotoxische T-Zellen mit Echinacea, Ingwer oder Johanniskraut oder gegen intrazelluläre Bakterien über IL-12, IFNgamma und Th1-Zellen mit Echinacea, Knoblauch und Schwarztee.

Auch die praktische Seite kam nicht zu kurz. Dr. Cäcilia Brendieck-Worm forderte die Zuhörer zur Reflektion statt zum Reflex beim Antibiotika-Einsatz auf und auch sie zeigte mit mehreren Fallbeispiel den kombinierten und komplementären Einsatz von Antibiotika und Phytotherapeutika auf. Mit der praktischen Anwendung von Pflanzen, v.a. von Gerbstoffdrogen und Pflanzen mit ätherischem Öl-Gehalt bei Infektionskrankheiten beim Nutztier ging es mit Dr. Elisabeth Stöger aus Österreich weiter.

Zurück zur Natur oder zum Ursprung der Phytotherapie in der Schweiz ging es schlussendlich im letzten Vortrag, in dem die Pharmaziestudentin Monika Disler ihre ethnologische Studie betreffend des Einsatzes von Pflanzen bei Wunden und Hautveränderungen durch Landwirte in den Kantonen Aargau, Appenzell Ausserroden und Innerrhoden, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau und Zürich vorstellte. Die von den Landwirten am meistgenannten Pflanzen waren Calendula officinalis, Matricaria recutita und das Johanniskraut, die am häufigsten als Extraktionen mit Öl und Fett angewendet werden, aber auch als Wasser- oder Alkoholextraktion und direkt als Frischpflanze auf die Haut appliziert wurden.

Vertiefte Informationen zu den einzelnen Referaten, eine Bildreportage und viele andere Hinweise sind auf der Tagungshomepage zu finden.