Kurs 2: Phytotherapie in der Behandlung des Magen-Darm-Traktes von Tieren

Mit insgesamt 14 Teilnehmern war das tiermedizinische Parallelprogramm des zweiten SMGP-Kurses im Jahr 2013 erfreulich gut besucht.
Christian Mayer eröffnete das tierärztliche Parallelprogramm und stellte eine weitere Pflanzenfamilie vor. Die ausserordentlich artenreiche Familie der Asteraceae - der Korbblütler - beherbergt eine ganze Anzahl prominenter Heilpflanzen, darunter auch etliche mit hervorragender Wirkung auf das Verdauungssystem. Artischocke, Benediktendistel, Löwenzahn, Mariendistel, Schafgarbe, Wermut sind ein paar dieser Vertreter. Die Inhaltsstoffe der Asteraceeae sind variabel, als Reservestoff wird oft Inulin gebildet. Typisch ist ätherisches Öl in charakteristischen Drüsenschuppen. Alkaloide findet man hingegen nur bei Senecio-Arten, die allerdings für Weidevergiftungen berüchtigt sind. Die Mariendistel (Silybum marianum) als besonders heilkräftige Asteracea stellte Christian Mayer genauer vor. Sie wird als Leberheilmittel eingesetzt und bietet sogar bei Knollenblätterpilzvergiftung eine Chance zum Überleben. Doch nicht nur Asteraceae helfen bei Verdauungsproblemen. Ingwer, ein Liliengewächse, hat sich bei Übelkeit und Erbrechen bewährt. Blutwurz, auch Tormentill genannt, stammt aus der Familie der Rosengewächse und hilft als typische Gerbstoffpflanze bei Durchfall.

Gerbstoffe gegen Jungtierdurchfall
Gerade bei Jungtieren ist Durchfall ja nicht selten. Michael Walkenhorst zeigte die Pathogenese des „klassischen“ Jungtierdurchfalles auf und gab Tipps zum Einsatz von Arznei- und Sekundärstoffplanzen bei Durchfall, Tympanien und Koliken. Hilfe aus dem Pflanzenreich bieten die Gerbstoffdrogen Eichenrinde und Schwarztee, wobei letzterer wegen seinem Koffeingehalt für matte Kälber vorzuziehen ist. Die klassische Schleimdroge Leinsamen entfaltet ihre Wirkung je nach Zubereitung im Magen (vorquellen) oder im Darm (Direktfütterung). Kümmel, Fenchel und Anis wirken gegen Blähungen und Schmerzen. Kamille ist hingegen eine gute Wahl, wenn Entzündungen im Vordergrund stehen.

Schleim- und Bitterstoffe gegen Verstopfung
Die Behandlung von Verstopfung bei Kleintieren und Pferden stand im Mittelpunkt der Ausführungen von Maya Bräm. Auch hier bieten Pflanzen eine breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten: mild wirkende Quellmittel (z. B. Leinsamen oder Flohsamen) sind die einzig sichere Langzeitbehandlung. Die starke Anregung der Peristaltik durch Anthraquinone (z.B. Senna) lösen hingegen oft schmerzhafte Krämpfe aus; Langzeitanwendungen sind zu vermeiden, und ein Verdacht auf Fremdkörper verbietet den Einsatz dieser Drogen. Bitterstoffdrogen wirken oft auch als milde und gut verträgliche Laxantien: Gelber Enzian, Eisenkraut, Löwenzahn regen die Peristaltik an. Nicht immer ganz einfach ist allerdings die Verabreichung der Pflanzenextrakte an die vierbeinigen Patienten; bei Katzen ist (wie auch bei vielen anderen Indikationen) die Phytotherapie nur sehr beschränkt anwendbar.

Alternative Wurmbehandlungen im Aufwind
Zunehmende Resistenzen bei Würmern gegen die chemisch synthetischen Antiparasitika gibt der Endoparasitenkontrolle mit Hilfe sekundärer Pflanzenstoffe besondere Aktualität. Felix Heckendorn konnte die Resultate seiner Arbeiten leider nicht persönlich vorstellen, doch Michael Walkenhorst sprang ein. Keine Pflanze, sondern ein Pilz machte den Anfang der Ausführungen: Duddingtonia flagrans bildet mit seinem Myzel kleine Schlingen, in denen sich die Larvenstadien von Magen-Darm-Würmern verfangen. Anschliessend werden sie vom Pilz aufgelöst und aufgenommen. Der fleischfressende Pilz verhindert damit das Auswandern der infektiösen Wurmlarven aufs Weidegras. Er benötigt aber eine gewisse Feuchtigkeit; das Resultat ist deshalb in Kuhdung besser als in Schaf- oder Ziegendung. Traditionell verwendete Pflanzen gegen Würmer wie Knoblauch, Wurmfarn, Wermut, Kürbis und Karotten zeigen das ganze Spektrum von vielversprechend bis wirkungslos. Oft liegen allerdings die therapeutische und die toxische Dosis nahe beisammen. Erfolge konnte hingegen die Esparsette verbuchen: Schafe und Lämmer schieden nach zweiwöchiger ausschliesslicher Esparsettenfütterung nur noch wenige Wurmeier aus. Weit weniger wirksam war die Behandlung allerdings bei Ziegen.

Pflanzenhilfe für den Hochleistungsstoffwechsel von Milchkühen
Was Pflanzen für die Verdauung und den Stoffwechsel von Milchkühen zu bieten haben, zeigte Michael Walkenhorst im letzten Referat des Tages. Die Bitterstoffkräuter Gelber Enzian und Wermut regen den Appetit und die Pansentätigkeit an. Schafgarbe wirkt ähnlich, aber etwas milder. Zum Fettmobilisationssyndrom kommt es, wenn zu wenig Propionsäure zur Glukosebildung vom Pansen zur Leber gelangt. In diesem Fall wird das Glycerin aus den Körperfetten zur Glukosebildung verwendet. Die von den Fetten übriggebliebenen Fettsäurereste verursachen Ketose. Pfefferminze, Löwenzahn, Artischocke,Wermut, Mariendistel und Kaffee können der Leber und dem Stoffwechsel auf die Sprünge helfen. Ist die Leber bereits geschädigt, ist Mariendistel das Mittel der Wahl. Interessant ist die Beobachtung, dass Kühe mit beginnenden Stoffwechselproblemen zum Teil selbständig frischen Wermut fressen, wenn er auf ihrer Weide wächst.