Kurs 9: Phytotherapie in der Dermatologie


Ob ekzematöse Dermatosen, nässende Ekzeme, viral bedingte Hautveränderungen oder Verletzungen – die grüne Apotheke bietet auch bei Hautproblemen eine Vielfalt passender Arzneipflanzen. Um das Maximum an Wirksamkeit herauszuholen, kommt man um etwas physikalisch-chemisches Wissen nicht herum: fetthaltige Grundlagen haben andere Eigenschaften als wasserhaltige Cremes; nicht alle Salbengrundlagen vertragen sich mit Gerbstoffen. Zum Einstieg ins veterinär-medizinische Parallelprogramm stellte der Chemiker und Pharmazeut Christian Mayer vier Salbengrundlagen aus dem Arzneibuch mit ihren spezifischen Eigenschaften vor. Die Arzneipflanzen Ringelblume, Salbei, Hamamelis und Eichenrinde mit ihren unterschiedlichen Wirkungen rundeten den Auftakt ins Thema ab: Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine gute Wundheilpflanze, die auch bei älteren und infizierten Wunden hilft. Sie ist antimikrobiell, entzündungshemmend, granulationsfördernd und hat darüber hinaus antitumorale und immunstimulierende Effekte. Salbei (Salvia officinalis) wirkt virustatisch, antibakteriell und fungistatisch, entzündungshemmend und schweisshemmend. Wundreinigung, Förderung der Wundheilung und Entzündungen der Mund – und Rachenschleimhaut sind einige ihrer Einsatzgebiete.

Hamamelis (Hamamelis virginiana) ist ein nordamerikanischer Strauch, der uns als winterblühender Gartenstrauch erfreut. Arzneilich verwendet wird die gerbstoffreiche Rinde, die adstringierend, antiseptisch und entzündungshemmend wirkt. Die Gerbstoffe liegen vorwiegend in Form von hydrolisierbaren Gallotanninen vor; das heisst, sie werden über die Haut aufgenommen und dürfen deshalb nicht grossflächig angewendet werden. Auch Eichenrinde ist eine Gerbstoffdroge; verwendet wird die Rinde junger Zweige, sie ist adstringierend, antiviral, juckreizmindernd. Äusserlich wird Eiche bei nässenden Ekzemen, Juckreiz, zur Wundbehandlung und Wundnachbehandlung angewandt; innerlich bei Durchfallerkrankungen und bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenbereich. Bei innerlicher Verabreichung kann Eichenrinde die Resorption anderer Wirkstoffe vermindern.

Im Vortrag von Tierarzt Michael Walkenhorst stand die praktische Wundbehandlung mit Arzneipflanzen im Mittelpunkt. Je nach Stadium der Wundheilung sind bestimmte Arzneipflanzen angezeigt: Im frühesten Stadium (Blutung, Transsudation) stehen die adstringierenden Gerbstoffpflanzen Eiche und Hamamelis im Zentrum. Im nächsten Stadium soll überschiessenden Entzündungsprozessen entgegengewirkt und abgestorbenes Gewebe abgestossen werden: Salbei und Thymian wirken antimikrobiell, Kamille entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Im letzten Wundheilungsstadium steht die Granulation, Epithelisierung und Narbenbildung im Zentrum: Ringelblume, Johanniskraut, Perubalsam sind hier die Mittel der Wahl. Lärchenharz ist antiseptisch und bildet einen dünnen atmungsaktiven Film. Damit eignet es sich als Bestandteil von Sprühpflastern, besonders auch bei Zitzenverletzungen. Zwei Fallstudien am Rind (Tränenauge und Kälberflechte) rundeten den Vortrag von Michael Walkenhorst ab.

Eine besondere Tierart stand im Zentrum des Referats von Ursula Glauser: die Biologin zeigte phytotherapeutische Möglichkeiten beim Kaninchen auf. Die Akzeptanz von Kräutern ist bei dieser Spezies besonders gut, was die Verabreichung einfach und vor allem stressarm macht. Ringelblume bei Verletzungen, Johannisöl bei Ohrmilben und als Zusatzbehandlung bei Schiefhals wurden anhand von Fallstudien gezeigt. Hautparasiten befallen meist geschwächte Tiere, was es sinnvoll macht, zusätzlich zur Parasitenkontrolle die Konstitution des Kaninchens zu stärken: Brennnessel (Urtica dioica) und Ruprechtskraut (Geranium robertianum) sind Stoffwechsel- und Stärkungsmittel, die sich gut dazu eignen.

Den fulminanten Schlusspunkt des Parallelprogramms setzte die Tierärztin Cäcilia Brendieck-Worm. Sie hatte Fälle aus dem „Gruselkabinett“ mitgebracht: besonders tiefe, grossflächige oder problematisch lokalisierte Verletzungen, die nach einer sorgfältigen und durchdachten Wundbehandlung verlangten. Wundspülungen (PhlogAsept mit Thymian, Kamille, Salbei, Ringelblume und Hamamelis) und vorsichtiges Débridement, Antibiose und Narbenpflege mit Johannisöl lassen auch scheinbar hoffnungslose Fälle abheilen.

Kamillenextrakt, Lavendelöl und Rotes Thymianöl sind antimikrobiell, antiphlogistisch, insektizid, epithelisierend und durchdringen im Fall von Thymianöl sogar den problematischen Biofilm. Sie kommen etwa bei Otitis externa zum Einsatz.

Die Haut ist der Spiegel der Gesundheit; Hauterkrankungen dürfen nicht losgelöst betrachtet, sondern müssen im Zusammenhang mit Konstitution, Fütterung und Haltungsbedingungen beurteilt werden. Kann eine geschwächte Leber ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr richtig wahrnehmen, lagert der Organismus Toxine in der Haut ab. Das kann zu komplexen dermatologischen Beschwerden führen. Verdauung optimieren, die Entgiftungsorgane Leber und Niere stärken und die Sanierung der Darmflora sind deshalb wichtige Begleitmassnahmen. Mit der Aussage von Claude Bernard (1813-1878) „Der Keim ist nichts, das Milieu ist alles“ schloss Cäcilia Brendieck-Worm das tierärztliche Parallelprogramm