Phytokongress 2015 in Rostock-Warnemünde (8.-10. Oktober 2015)

Michael Walkenhorst präsentiert ein Poster

Erstmalig in Deutschland trafen sich an der Phytotherapie interessierte Humanmediziner, Pharmazeuten und Tiermediziner zu einem gemeinsamen dreitägigen Phytokongress der Gesellschaft für Phytotherapie e.V. (GPT) in Rostock-Warnemünde. Vom 8. bis zum 10. Oktober fand diese Veranstaltung im Kongresszentrum Hohe Düne, gelegen auf einer schmalen Halbinsel und somit gefühlt fast „in“ der Ostsee statt.

Am samstäglichen Veterinärsymposium, das in Kooperation der GPT mit dem Arbeitskreis Phytotherapie der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V. (AK-Phyto der GGTM) organisiert wurde, nahmen 35 Personen teil, selbstverständlich auch eine Delegation der SMGPvet. Ein grosser Dank gebührt hierbei Cäcilia Brendieck-Worm für ihr umfangreiches Engagement für dieses Symposium.

Zum Einstieg in das Oberthema „Antibiotika-Minimierung beim Tier – Phytotherapeutika zur Prävention bakterieller Infektionen“ referierte Sabine Vollstedt über allgemeine Funktionen des Immunsystems und über Arzneipflanzen, die mit ihren immunmodulierenden Eigenschaften diese Funktionen unterstützen. Aktuelle wissenschaftliche Publikationen belegen, dass zahlreiche Arzneipflanzen hier dem erkrankten Tier „Hilfe zur Selbsthilfe“ bieten.

Bauern und Bäuerinnen aus der Schweiz wenden auch heute noch ein breites Spektrum an Arzneipflanzen zur Behandlung ihrer Nutztiere an. Dies belegt ethnoveterinärmedizinischen Forschungsarbeit in mehreren schweizerischen Kantonen. Michael Walkenhorst trug die Ergebnisse dieser Forschung vor. Auf Basis des traditionellen Erfahrungswissens konnten verschiedene Arzneipflanzen ausgemacht werden, die Lösungsansätze zur Therapie von Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen insbesondere bei Kälbern und Ferkeln bieten.

In die Therapie mit ätherischen Ölen, auch Aromatherapie genannt, führte anschliessend Cäcilia Brendieck-Worm ein. Das breite Spektrum ätherischer Öle und deren diverse antimikrobielle Wirkmechanismen stellen eine bisher noch viel zu wenig genutzte Alternative insbesondere zur lokalen Anwendung von Antibiotika dar. Über die rein antibakterielle Wirkung hinausgehend haben viele ätherische Öle auch antimykotische und antivirale Eigenschaften. Gerade bei den häufigen und konventionell nur unzureichend therapierbaren Mischinfektionen mit Bakterien und Hefen, z.B. bei der Otitis externa des Hundes, bieten ätherische Öle eine wichtige Therapieoption.

Besonders gezielt können ätherische Öle dann eingesetzt werden, wenn anhand eines sogenannten Aromatogramms bereits auf Basis einer Laboruntersuchung die Wirkung der ätherischen Öle auf die Zielpathogenen abgeklärt werden kann. Elisabeth Müller erläuterte ausführlich, wie dies unterdessen in einem kommerziellen tiermedizinischen Labor möglich ist. Darüber hinaus zeigte sie an imposantem Zahlenmaterial die antibakterielle Wirkung von 17 verschiedenen ätherischen Ölen auf 126 Stämme von 6 teils mehrfach antibiotikaresistenten Bakterienspezies sowie von 10 Candida albicans Stämmen auf.

Abgerundet wurde der äusserst informative Halbtag von einem bunten Strauss spannender und engagiert vorgetragener Fallbeispiele zur Anwendung von ätherischen Ölen bei Hunden und Pferden im tierärztlichen Praxisalltag. Alexandra Nadig berichtete hierbei auch über die exzellente Zusammenarbeit mit einem Apotheker, der in Abhängigkeit von Aromatogramm-Ergebnissen von Einzeltieren die erfolgreich eingesetzten individuellen Kombinationen zusammenstellt …

… ganz im Sinne dieses Berufsgruppen übergreifenden Kongresses.

Michael Walkenhorst

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