27.07.2016 Tiergesundheitstag
9th Joint Conference for Natural Products, Kopenhagen 24.-27. Juli 2016


Foto: Hannah Ayrle

Neben der Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung (GA) als Hauptorganisatorin kamen an der diesjährigen 9th Joint Conference for Natural Products fünf weitere Fachorganisationen in Kopenhagen zusammen. Die ersten beiden Tage dieser von rund 1‘200 Teilnehmern besuchten Konferenz beinhalteten Vorträge über neue und präzisere Methoden zur Extraktion und Analyse von Naturstoffen und innovative Anwendungen von sekundären Metaboliten in der Humanmedizin und der Landwirtschaft (z. B. pflanzliche Stoffe zur Bekämpfung von Malaria, ein Pestizid auf Lärchenbasis gegen den falschen Mehltau im Weinbau). Am dritten Tag traf sich eine internationale Gruppe renommierter Wissenschaftler und diskutierte über die Rolle von Arznei- und Sekundärstoffpflanzen in der Tiergesundheit und Veterinärmedizin. Die SMGPvet hatte diesen Anlass gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau und der Niederländischen Vereinigung für Phytotherapie organisiert. Das SMGPvet-Komitee war mit Hannah Ayrle und Michael Walkenhorst in Kopenhagen gut vertreten.

Michael Walkenhorst stellte Referenten aus verschiedensten Teilen der Welt vor und moderierte die Fachvorträge. Mehr als 150 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer folgten den Präsentationen. Der erste Redner Michael A. Huffman vom Primate Research Institute der Universität von Kyoto, Japan gab aufschlussreiche Einsichten, wie sich Wildtiere mit natürlichen Heilmitteln selbst behandeln. Huffman forscht bevorzugt an Affen und fand heraus, dass bis zu 20% der von manchen Primaten aufgenommenen Nahrung aus Kräutern, Samen und Früchten besteht, die keinerlei Nährwert besitzen, dafür aber mit antibakteriellen, antiviralen, antiparasitären oder immunstimulierenden Eigenschaften aufwiegen. Die Erforschung der Heilpflanzen, die sich Wildtiere zu Nutzen machen, könnte neue Heilmittel für die Human- und Veterinärmedizin offen legen. Neben Affen sind zahlreiche andere Tiere, unter anderem auch Nutztiere und sogar Insekten in der Lage sich selbst mit bioaktiven Naturstoffen zu therapieren.

Maria J. Groot von der Niederländischen Vereinigung für Phytotherapie und vom Institut für Lebensmittelsicherheit (RIKILT) an der Wageningen University and Research Center appellierte, dass ein Verzicht bzw. eine Verringerung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung aufgrund der sich häufenden Resistenzbildung von Bakterienstämmen unabdingbar sei. Laut Maria Groot umfasst eine erfolgsversprechende Strategie in der Milchviehhaltung optimale Haltungsbedingungen, den Einsatz von lokal angepassten Kuhrassen, eine stetige Überwachung der Milchqualität und Rückstandskontrollen sowie die Anwendung von Heilpflanzen als Prävention oder Ersatz für antibiotische Präparate. Eine finanzielle Belohnung, wenn Landwirte dieser Strategie folgen bzw. eine Bestrafung, wenn sie davon abweichen, soll bei der Durchführung helfen. Zur Zeit plant Groot eine Informationsplattform um Wissen über Heilpflanzen in der Tiermedizin mit Landwirten und Tierärzten zu teilen. Die Kenntnis um Alternativen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Antibiotikareduktion.

Taffese Mesfin aus Äthopien berichtete über ein aktuelles Forschungsprojekt, das den bisher ausschließlich mündlich überlieferten Erfahrungsschatz äthiopischer Viehhalter zur Behandlung von Rindern mit nativen Arzneipflanzen dokumentieren soll. Da die einheimischen Bauern keinen Zugang zu konventionellen Veterinärpharmazeutika besitzen, sind sie angewiesen auf das Wissen um die pflanzlichen Heilmittel zur Bekämpfung verbreiteter Tierkrankheiten wie Mastitis, Maul- und Klauenseuche, Trypanosomiasis und Endo- bzw. Ektoparasiten. Eine besondere Herausforderung des Projekts war die abweichende und nicht einheitliche Nomenklatur der vielfältigen Pflanzen seitens der lokalen Bevölkerung. Daher bedurfte es umfangreicher Feldforschung und Artenbestimmung.

Den letzten Vortrag hielt Punniamurthy Natesan von der Tamil Naidu Veterinary and Animal Sciences University in Indien. Er beschrieb, dass pflanzliche Präparate mit einer Mischung aus Wirkstoffen, der Anwendung von aufgereinigten Einzelsubstanzen vorzuziehen seien. Die gemischten Arzneipflanzen und Rohextrakte seien naturnäher und entfalteten synergistische Effekte, sind somit leichter von biologischen System aufzunehmen und wirksamer. In anschaulichen Praxisbeispielen unterstrich er außerdem die besondere Heilwirkung von Kurkuma, das in der indischen Volksheilkunde für Mensch und Tier eine fundamentale Rolle spielt.

An die Kurzvorträge schloss sich das dritte Treffen des GA Netzwerks zu Medizinpflanzen und Naturprodukten in der Tiermedizin an. Rund 30 Personen nahmen daran teil. Dort wurde der neue Internetauftritt auf der GA Webseite und die neue E-Mail Adresse (ga-animalhealth@ga-online.org) vorgestellt. So können Forschungsergebnisse ausgetauscht werden und es wird über bevorstehende Veranstaltungen informiert. Während des Treffens berichteten einige Mitglieder über ihre aktuellen Arbeitsfelder und wie das Wissen um pflanzliche Alternativen auch in die tierärztliche Ausbildung Einzug findet.

In der Postersession wurden die Ergebnisse von rund 25 veterinärphytotherapeutischen Projekten vorgestellt. Eine spontan zustande kommende Postertour gab jedem Wissenschaftler die Gelegenheit seine Arbeit kurz einer an Tiergesundheit interessierten Zuhörergruppe näher zu bringen.

Mit einem gemeinsamen Abendessen im charmanten Stadtzentrum von Kopenhagen beschloss die GA Tier Gruppe den Tag.

Im kommenden Jahr findet der GA-Kongress in Basel statt. Hier wird das Tierthema eine ganz besondere Rolle spielen. Am Sonntag, den 03. September 2017 wird hierzu in Kooperation von SMGPvet, FiBL und GA ein ganztägiges veterinärmedizinisches Präsymposium stattfinden, das in besonderer Weise den Austausch von praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an diesem grossen internationalen Anlass Raum bieten soll. Ein vorläufiges Programm wird demnächst verfügbar sein.

Julian Wirth