Kursbericht Kurs 6 „Phytotherapie bei Erkrankungen im Urogenitalbereich“

Der Kurstag startete mit, den veterinärmedizinischen Teilnehmern auf den ersten Blick eventuell weniger relevant erscheinenden Themen: Phytotherapie bei Benigner Prostatahyperplasie, Menstruationsbeschwerden, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Libidostörungen. Doch bei genauerem Nachdenken fällt dem aufmerksamen Tierarzt der eine oder andere Fall, dieser doch oft „übersehenen“ Erkrankungen beim Tier ein. Die Vorträge ermunterten auf jeden Fall auch bei eher dem Menschen zugestandenen Erkrankungen im Urogenitalbereich, mit Phytotherapie zu therapieren.

Dr. Christian Mayer führte in eine kleine Auswahl an aquaretisch, antiphlogistisch, harnwegsdesinfizierend und spasmolytisch wirksamen Arzneipflanzen ein. Die Pharmakodynamik von Triterpensaponinen, Phenolcarbonsäuren, Flavonoiden oder ätherischen Ölen erläuterte er anhand der Strukturformeln schlüssig. Kletten-Labkraut, Brennnessel und Echte Goldrute bieten somit eine gute Möglichkeit z.B. Infektionen der Harnwege bei Nutz- und Heimtieren erfolgreich zu behandeln – oftmals ganz ohne chemisch-synthetische Antibiotika.

Fritz Suhner, Hersteller eines der wenigen in der Schweiz für die Tiermedizin zugelassenen Phytotherapeutika, erzählte wie es zu dem im Familienunternehmen hergestellten Lindenrindenpulver kam und bei welchen Indikationen es beim Rind empfohlen wird.

Dr. med. vet. Martin Bühler berichtete von einem typischen Fall aus der Kleintierpraxis: Eine chronische Niereninsuffizienz bei einem älteren Hund behandelte er erfolgreich unter anderem mit einem Brennesselwurzeltrockenextrakt.

Dr. med. vet. Thea Rhyner vom Nationalen Pferdezentrum (NPZ) referierte über die Umstellung am NPZ von einer antibiotischen Metritisprophylaxe auf die Behandlung mit Eucacomp® nach künstlicher Besamung bei Stuten. Das Präparat zur Uterusbehandlung bei Rindern und Pferden ist aus Eukalyptusöl, Ringelblumen-, Melissen-, und Majoran-Urtinktur zusammengesetzt und zeigt auch in mehreren klinischen Studien eine sehr gute Verträglichkeit und Wirkung und stellt damit eine weitere Alternative zur Antibiotikareduktion in der Grosstierpraxis dar.

Den Schluss des Tages bildete der Vortrag von Dr. med. vet. Michael Walkenhorst vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau. Er stellte grundlegende Möglichkeiten der phytotherapeutischen Behandlung von Erkrankungen rund um Geburt und Zyklus bei Gross- und Kleintieren vor und klärte anschliessend Fragen zur rechtlichen Situation der Phytotherapie in der Schweiz.

Dieser Kurstag war sicherlich für Klein- und Grosstierpraktiker eine Bereicherung für die tägliche Praxis und es konnte sicherlich jede/jeder neue Ideen zur Behandlung von Erkrankungen im Urogenitalbereich mitnehmen – ob bei Mensch oder Tier.

Dr. med. vet. Hannah Ayrle
FiBL, SMGP vet Kommitee