Pre-Congress Symposium “Animal Healthcare and Veterinary Phytotherapy: Science and Practice”

Am Sonntag den 03. September 2017 fand – organisiert in Kooperation der SMGPvet mit der „GA-Networking group on Medicinal Plants and Natural Products in Animal Healthcare and Veterinary Medicine“ der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung (GA) – im Rahmen des 65. GA-Kongresses das ganztägige internationale Symposium in Basel statt. Rund 90 Personen aus 15 Ländern (auch alle Kontinente waren vertreten) nahmen teil.


Medicinal Plants in Veterinary Pharmacotherapy

Zunächst bezogen zwei renommierte Veterinärpharmakologen Stellung zur Frage, inwieweit die Phytotherapie aktuelle Herausforderungen der Veterinärpharmakotherapie bewältigen helfen könnte: Hanspeter Nägeli aus der Schweiz und Johannah Fink-Gremmels aus den Niederlanden. Beide kamen zum Schluss, dass es noch ein grosses Potential für den tierärztlichen Einsatz von Arznei- und Sekundärstoffpflanzen gibt. Insbesondere aber nicht nur hinsichtlich der Reduktion vom Antibiotikaeinsatz. Durch die im Vergleich zu Tieren wesentlich längere „Erfahrung“ im Umgang mit Mikroorganismen können Pflanzen mit ihren sekundären Pflanzenstoffen helfen das tierische Mikrobiom in eine der Gesundheit zuträgliche Richtung zu beeinflussen.

Science and Practice 

Barbara Fougère hatte aus Australien kommend sicher den weitesten Weg auf sich genommen um Ihre langjährigen Praxiserfahrungen im Bereich der „Veterinary Herbal Medicine“ weiterzugeben. Sie ist Mitherausgeberin des gleichnamigen und derzeit vermutlich wichtigsten internationalen Buches zur Veterinärphytotherapie („Veterinary Herbal Medicine“ von Wynn & Fougère) und stellte eine Auswahl von Arzneipflanzen zur Behandlung von chronischen Erkrankungen von Kleintieren vor. Maria Groot aus den Niederlanden und Kobus Eloff aus Südafrika berichteten über Ergebnisse praxisnaher Projekte. In den Niederlanden wurde eine umfangreiche Umfrage zum tierärztlichen Einsatz von Arzneipflanzen durchgeführt. In Südafrika standen verschiedene traditionelle Arzneipflanzen hinsichtlich ihrer Repellent-Wirkung gegen Zecken auf dem Prüfstand.

Ethnoveterinary Medicine

Die bisherige Quintessenz aus dem 2011 begonnenen Projekt zur Erfassung des bäuerlichen traditionellen Einsatzes von Arzneipflanzen in der Schweiz stand im Mittelpunkt des ersten Vortrages der dritten Session. Michael Walkenhorst und Matthias Melzig beleuchteten im Wechsel die gesammelten Erfahrungswerte aus tierärztlicher und pharmazeutischer Sicht. Nithya Gothge und Tedje van Asseldonk berichten anschliessend über aktuelle Erkenntnisse zur Ethnoveterinärmedizin aus Indien und den Niederlanden. In Indien kommt zur Erstmedikation erkrankter Haustiere nicht selten die allseits verfügbare Gewürzbox zum Einsatz, die viele äusserst sekundärstoffreiche Pflanzen enthält. In den Niederlanden fand schon seit den 90iger Jahren umfangreiche ethnoveterinärmedizinische Forschung statt und es sind nennenswerte Überschneidungsbereiche zwischen den in den Niederlanden und den in der Schweiz eingesetzten pflanzlichen Hausmitteln auszumachen.


Animal Self Medication

Können wir hinsichtlich des Einsatzes von Arzneipflanzen von Tieren lernen? Mike Huffman aus Japan ist einer der wichtigsten Wissenschaftler in diesem besonderen Forschungsbereich. Er griff in seinem Vortrag zur Selbstmedikation wildlebender Primaten auf seine Jahrzehnte lange Forschungsarbeit zurück und zeigte auf, dass es nicht selten deutliche Überschneidungen zwischen den von Menschen und von Tieren zur Selbstmedikation eingesetzten Pflanzen einer Region gibt. Da scheint der Mensch auch auf Erfahrungen aus dem Tierreich zu setzen. Das Potential von Pferden ihre Medizin selbst zu wählen nutzt Sabine Vollstedt aus Deutschland in ihrer täglichen Praxis und berichtete uns davon, unter anderem anhand von spannendem Videomaterial, dass ein Pferd bei der Kräuterwahl zeigte. Marta Mendel aus Polen rundete diesen letzten Block mit einer Betrachtung zu Effekten von Saponinen im Futter von Rindern ab. Sie konnte zeigen, dass Saponine, zumindest teilweise, die Pansenpassage unbeschadet überstehen.

… und in den Pausen

Mit dem Motto „Science and Practice“ sollte ganz besonders der Austausch zwischen Praktikern und Wissenschaftlern anregt werden, was in regen Pausendiskussionen deutlich zum Ausdruck kam. Die erstmalig im Rahmen eines GA-Kongresses stattfindende kleine internationale Industrieausstellung zur Veterinärphytotherapie wurde gut besucht. Insgesamt 6 Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zeigten ein interessantes Spektrum an pflanzlichen Tierarzneimitteln, Ergänzungsfuttermitteln und Tierpflegemitteln. Auch ein spezielles für die Veterinärphytotherapie wichtiges Diagnostikverfahren, das Aromatogramm, war durch einen Aussteller vertreten.


… nicht nur am Sonntag,

sondern auch am Hauptkongress von Montag bis Mittwoch wurde im Rahmen von Plenarvorträgen, Kurzvorträgen und Postern Interessantes aus dem breiten Spektrum der pharmazeutischen Biologie geboten. Am Montag waren zudem in der Postersession mehr als 20 Poster zu tierärztlichen Themen aufgeboten. Anschliessend ging es zum Treffen der „GA-networking group on medicinal plants and natural products in animal healthcare and veterinary medicine“ in den Basler Zoo. Stefan Hoby, der Zootierarzt in Basel ist ja einer der ersten Träger des Fähigkeitsausweises Veterinärphytotherapie GST der Schweiz. Auf einem Rundgang durch den abendlich fast menschenleeren Zoo gewährte Stefan Hoby einer Gruppe von rund 40 hochinteressierten und hochmotivierten Zuhörern Einblick in sein Repertoire phytotherapeutischer Behandlungen. Am Dienstag fand, als Abschluss der tierärztlichen Veranstaltungsteile des diesjährigen GA-Kongresses, dann noch eine Session mit 6 Kurzvorträgen zu veterinärphytotherapeutischen Forschungsergebnissen statt. Gut 50 Kongressbesucher nahmen an dieser Parallelsession teil. Angewandte ethnoveterinärmedizinische Forschung bei grossen und kleinen Wiederkäuern gehörte genauso zum Programm, wie klinische und ex vivo Forschung bei Milchkühen und beim Geflügel. Alle Abstracts werden in Kürze in einer Sondernummer der peer reviewten Zeitschrift „Planta Medica International Open“ (www.thieme.de/de/planta-medica-international-open/journal-information-102003.htm) frei zugänglich zur Verfügung stehen.


Fortsetzung folgt …

… am 01 September 2019 wird es anlässlich des 67. GA-Kongresses (01. – 05.09.2019) erneut ein ganztägiges Pre-Congress Symposium zum Thema „Animal Helthcare and Veterinary Phytotherapy“ geben.