Kurs 10 - Über den Tellerrand hinausschauen


Phytotherapie ist ein einzelner Puzzlestein der Komplementärmedizin und lässt sich sinnvoll mit anderen ergänzen. Das veterinärmedizinische Parallelprogramm zur Phytotherapie im komplementärmedizinischen Umfeld eröffnete Dr. Christian Mayer, Chemiker und Pharmazeut, mit einer Einführung in die Pflanzensystematik. Besonders interessant war dabei die Verknüpfung der Pflanzenordungen mit den chemischen Leitsubstanzen, auf denen die Phytotherapie ja basiert. Für den Praktiker ist es wichtig zu wissen, auf welche Weise Wirkstoffe verstoffwechselt werden. Katzen reagieren empfindlich auf einige Pflanzeninhaltsstoffe, weil sich ihre enzymatische Ausstattung vom Mensch oder Hund unterscheiden: Die Glucuronidierung läuft bei ihnen viel langsamer, die Dosierung muss angepasst werden, damit keine toxische Konzentration im Organismus erreicht wird. Bei Katzen empfiehlt sich deshalb der Einsatz von Tiefpotenzhomöopathie.

Dr. med. vet. Monika Roggo zeigte einige Anwendungen europäischer Kräuter in Anlehnung an die TCM. Dabei stehen weniger die chemischen Inhalte der Pflanzen im Zentrum, sondern ihre energetische Wirkungen, wie Hitze klären, tonisieren, befeuchten oder Feuchtigkeit ausleiten, Blut oder Energie bewegen, etc. In alten Kräuterbüchern finden sich noch Hinweise auf diese Eigenschaften, die sich gezielt und je nach Krankheitsbild einsetzen lassen. Die Teilnehmenden erhielten von Monika Roggo viele direkt in der Praxis umsetzbare Tipps.

Im letzten Referat des Nachmittags zeigte Dr. med. vet. Ophélie Christen, wie die Mistel in Form von IscadorR auch in der Tiermedizin bei Tumoren hilfreich ist. Iscador R stammt aus der anthroposophischen Medizin und wird in einem speziell entwickelten Verfahren hergestellt. Je nach Wirtsbaum (Kiefer, Eiche, Apfelbaum) unterscheiden sich die Präparate in ihren Inhaltsstoffen und ihrer Wirkung. Iscador R wird in Serien verabreicht mit unterschiedlichen Konzentration, die jeweils entweder das Immunsystem stimulieren, die Apostose beeinflussen oder die Angiogenese hemmen. Anhand verschiedenster Fallbeispielen an Hund, Katze und Pferd zeigte die Referentin die Möglichkeiten und Grenzen der Mistelbehandlung in der Praxis auf.
Monika Roggo

Ophélie Christen