«Aller-Frauen-Heil»
Die plissierten, weichen Blätter des Frauenmantels haben mit ihren von ewigem Tau besetzten Rändern und der Tauperle im Zentrum früh das Interesse der Menschen, insbesondere der Alchemisten, geweckt. Als grosses Frauenheilmittel wurde der Frauenmantel schon immer einer weiblichen Gottheit zugeordnet. Bei den Germanen war dies Freja, die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit.
Nach der Christianisierung wurde Alchemilla unter den schützenden Mantel der heiligen Maria gelegt. In der Volksheilkunde ist der Frauenmantel denn auch tief verankert und das Mittel gegen Frauenleiden. Im deutschen Volksmund «Aller-Frauen-Heil» genannt, ist Alchemilla sehr beliebt.
Viele Indikationen stimmen mit einer wichtigen Inhaltsstoffgruppe des Frauenmantels überein, den Gerbstoffen: Alchemilla ist ein Adstringens.
Frauenmäntel in der Natur
Vom Tiefland bis in die Alpen kommen auf Wiesen und im Fels in den gemässigten Zonen der Nordhalbkugel rund 250 Alchemilla-Arten vor. Allein im Artenkomplex von Alchemilla vulgaris agg. sind über 60 Kleinarten oder Rassen beschrieben worden. Ihre dutzenden von lateinischen Namen, zum Beispiel Alchemilla xanthochlora, sind synonym zu Alchemilla vulgaris. Alle diese Rassen sind offizinell.
Auch die silbrig umrandeten Blätter von Alchemilla alpina und ihre verwandten Arten («Silbermänteli») werden wie der Frauenmantel verwendet.
Aus Homogenitätsgründen stammt die Handelsdroge Alchemillae herba aus dem Anbau.
Vom Anbau zur Droge
Alchemilla vulgaris ist mehrjährig und kann in Bodennähe kräftige und verholzte Stämmchen bilden. Bei guter Entwicklung sind zwei Schnitte möglich, ein Frühsommer- und ein Spätsommerschnitt.
Droge ist das Kraut zur Blütezeit ; meist werden entstielte Blätter und die kleinen gelbgrünen Blüten verwendet. Die Ernte erfolgt nach dem Abtrocknen des Taus von Hand. Am Schatten wird getrocknet.
Inhaltsstoffe
Neben den Gerbstoffen als Hauptbestandteilen (5-8%, gelegentlich bis 16%; v.a. Ellagitannine) kommen nach bisherigem Wissensstand um 2 bis 2.5% Flavonoidglykoside vor.
Eigenschaften
Die Eigenschaften des Frauenmantelkrautes ergeben sich aus der Kombination ihrer Inhaltsstoffe: Alchemillae herba ist
adstringierend
wundheilend
entwässernd
krampfstillend
entzündungshemmend
Der Frauenmantel in der Praxis: Indikationen und Phytotherapie
Gute Compliance. Obwohl noch wenig erforscht, kann das Frauenmantelkraut aufgrund seiner tiefen kulturellen Verwurzelung und den breiten und guten Erfahrungen in der Volksheilkunde bei zahlreichen Frauenleiden eingesetzt werden. Frauenmantelpräparate erfreuen sich deshalb einer besonders guten Compliance.
Kombinationen. Tees und Tinkturen haben den Vorteil, dass sie gut mit anderen Phytotherapeutika kombinierbar sind. So können ans Krankheitsbild angepasste, individuelle Schwerpunkte gesetzt werden. Dabei haben sich Mischungen aus 2 oder 3 Medizinalpflanzen bewährt. Die Trockendrogen werden meistens zu gleichen Teilen zugemischt.
Es sind keine unerwünschten Wirkungen bekannt.
Frau Dr. med. Regina Widmer, Fachärztin für Frauenheilkunde FMH, Solothurn, empfiehlt die folgenden Anwendungen.
Tee oder Tinktur aus Frauenmantel finden Verwendung bei:
Dysmenorrhoe
Frauenmantel kombinieren mit der spasmolytisch wirkenden Schafgarbe (Achillea millefolia) und Gänsefingerkraut (Potentilla anserina).
prämenstruellen Beschwerden
Bei PMS wird Frauenmantel Urtinktur oder -Tee empfohlen, oder Frauenmantel-Tropfen in Frauenmantel-Tee, am besten in der zweiten Zyklus-Hälfte, und vorteilhaft zusammen mit Beifuss (Artemisia vulgaris) oder, öfter, kombiniert mit Mönchspfeffer* (Vitex agnus-castus).
unregelmässigen Zyklen und Amenorrhoe
Frauenmantel kombinieren mit Traubensilberkerze* (Cimicifuga racemosa) und/oder Mönchspfeffer* (Vitex agnus-castus) als Hormonregulans.
klimakterischen Beschwerden
Frauenmantel kombinieren mit Traubensilberkerze* (Cimicifuga racemosa) und Salbei (Salvia officinalis) als Antidiaphoretikum, insbesondere bei Wallungen.
als Adstringens bei Hypermenorrhoe
Frauenmantel kombinieren mit Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris).
zur Geburtserleichterung und als Gebärmuttertonikum
Frauenmantel-Tee etwa 4 Wochen vor- und 2 Wochen nach dem Geburtstermin 1 Tasse täglich.
sowie bei leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen
Ferner wurde Frauenmantelkraut als äusserliches Wundheilmittel, zum Gurgeln und bei Magen- und Darmbeschwerden verwendet.
(* gut erforschte Medizinalpflanzen mit durch Studien erwiesenen hormonregulierenden Wirkungen. Nur als Urtinktur oder als Fertigarzneimittel verwenden. Nicht als Tee anwenden.)
So wird Frauenmantel-Tee zubereitet
2-4 g trockene Droge mit 150 ml heissem Wasser übergiessen (entsprechend 2 TL auf 1 Tasse Wasser) 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. 3 Mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten. Tagesdosis: 5-10g Droge.
Der Tee schmeckt mild aromatisch und angenehm weich, ist leicht zusammenziehend und erinnert an Grüntee.
Herstellung der Alchemilla vulgaris Tinktur
Die Alchemilla vulgaris-Tinktur wird nach dem offiziellen Homöopathischen Arzneibuch 2001 hergestellt. Verwendet werden die frischen oberirdischen Teile von Alchemilla vulgaris L. (aus kontrolliert biologischem Anbau, Knospenbetrieb BIO Suisse). Die zerkleinerten Pflanzenteile werden im Verhältnis 1 : 10 mit einem Wasser/Alkohol - Gemisch während mindestens 10 Tagen unter wiederholtem Umrühren bei Raumtemperatur mazeriert. Nach dem Abzentrifugieren und Filtrieren wird die Tinktur auf die geforderten Werte der Monographie eingestellt. Ein Analysenzertifikat kann bei Phytomed AG gerne angefordert werden.
Dosierung: Als Richtwert für die Dosierung gelten für Erwachsene 3-mal täglich 15-25 Tropfen Urtinktur.